Dokumentation über historische Pferderasse Jagd nach alten Genen führt nach Werpeloh

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In Werpeloh entstanden Teile einer preisgekrönten Dokumentation über Knabstrupper. Foto: HackmannIn Werpeloh entstanden Teile einer preisgekrönten Dokumentation über Knabstrupper. Foto: Hackmann

Werpeloh. Eine Dokumentation über die Knabstrupper ist bei einem internationalen Pferdefilmfestival in New York ausgezeichnet worden. Die Dreharbeiten über die seltene historische Pferderasse aus Dänemark hatten auch nach Werpeloh geführt.

„Knabstrupperpferde – Jagd nach den alten Genen“ – in etwa so lautet die Übersetzung des Filmtitels, der beim Equus-Film-Festival in der Kategorie „Bester internationaler Film“ gewonnen hat. Dass die Filmemacher der dänischen Produktionsfirma Scholten Film für die Dreharbeiten nicht an einem Abstecher ins nördliche Emsland vorbeikamen, liegt auf der Hand.

Seit mehr als 35 Jahren hat sich die Familie Hackmann aus Werpeloh der Knabstrupper-Zucht verschrieben. Sie genießt in der Szene weltweit einen anerkannten Ruf und ist vielfach ausgezeichnet worden.

Vom Aussterben bedroht

„Im Film geht es um Leidenschaft und Hingabe für die Knabstrupper-Zucht. Damit wird im Grunde das beschrieben, was wir seit Jahrzehnten tun“, sagt Thomas Hackmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Wie er und sein Vater Heinz berichten, hat die Familie, in der inzwischen die fünfte Generation in die Hobby-Pferdezucht eingestiegen ist, vor fast vier Jahrzehnten acht der damals weltweit nur noch 30 existierenden Original-Knabstrupper aus einem Gestüt in Dänemark gekauft und daraus eine international anerkannte Zucht aufgebaut. Hackmann senior zufolge gibt es inzwischen wieder rund 350 reinrassige Tiere.


Bei den Dreharbeiten: Heinz Hackmann, Bent Branderup und Thomas Hackmann (von links). Foto: Hackmann


Besonderes Merkmal der Knabstrupper ist die ungewöhnliche Fellfarbe, die Tigerscheckung. Sie ist ein jahrtausendealtes genetisches Erbe und bereits auf steinzeitlichen Felszeichnungen abgebildet. Die meisten Zeitgenossen dürften die Rasse jedoch aus Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ kennen. Deren „gepunktetes“ Pferd namens „Kleiner Onkel“ ist ein Knabstrupper. Hackmann zufolge war die Rasse vor 350 Jahren derart kostbar, dass die Hengste beim Verkauf an europäische Fürstenhäuser buchstäblich in Gold aufgewogen wurden. Heute sind die Pferde, bei deren Rasse es sich um eine Variante der einst weltberühmten Frederiksborger handelt, vor allem bei Barockreitern beliebt. Beispielsweise werden in der Hofreitschule Bückeburg Tiere aus Werpeloh geritten. Überhaupt gilt das „Gestüt Hackmann aus der schützenden Hand“ als größter Barockpferdezüchter in Deutschland. „Wir kämpfen bis heute jeden Tag aufs Neue für den Fortbestand der Rasse“, beschreibt Heinz Hackmann seine Züchter-Leidenschaft. Wie sehr er sie lebt, manifestiert sich sogar auf seiner Krawatte, die mit einer Vielzahl von Pferden bemustert ist.


Gedreht wurde in der Bewegungshalle des Knabstruppergestüts Hackmann in Werpeloh. Foto: Hackmann


Das Drehteam für die knapp 90-minütige Dokumentation, die öffentlich bislang nicht gezeigt worden ist, war viermal für jeweils ein bis zwei Tage ins nördliche Emsland gereist. Gedreht wurde unter anderem in der Bewegungshalle der Hobbyzüchter. Auf dem Plan stand auch ein Interview mit Heinz Hackmann. Immer mittendrin: Brent Banderup, Lehrer der akademischen Reitkunst, Pferdehistoriker, Autor und Regisseur aus Dänemark, mit dem Heinz Hackmann nach eigenen Angaben seit Jahren in engem Kontakt steht. Welche Szenen am Ende tatsächlich Teil des Films sind, wissen die Hackmanns, die hauptberuflich eine Gärtnerei betreiben, nicht. Sie haben die Doku bisher auch noch nicht gesehen, sind aber zu einer nicht öffentlichen Premiere am 27. Januar nach Dänemark eingeladen. „Wir sind schon ganz gespannt“, sagt Thomas Hackmann. In einer Szene im Trailer taucht sein Vater inmitten einiger Pferde auf.


Teil der Dreharbeiten war auch ein Interview mit Heinz Hackmann (sitzend, mit Krawatte). Foto: Hackmann


Der Film versucht nach den Worten von Produzentin Irene G. Scholten herauszufinden, was an der Pferderasse so besonders ist und „warum bestimmte Menschen ihr Leben darauf verwenden, um die Pferderasse zu erhalten“. Über einen Zeitraum von fünf Jahren seien sie und ihr Team durch Europa gezogen. Dabei hätten sie prähistorische Höhlen in Frankreich, königliche Schlösser in Dänemark und engagierte Züchter in Deutschland besucht. „Wir jagen die Gene, die diese alte dänische Pferderasse vor dem vollständigen Aussterben retten können“, so Scholten.

Hengste, Stuten und Fohlen gehören zum Gestüt. Foto: Hackmann

(Weiterlesen: Fürstlicher Rösser in Werpeloh: Gärtner züchtet mit Leidenschaft Barock-Pferde)





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