"Dafür steh ich mit meinem Namen" Unternehmer Stefan Hipp spricht in Sögel viel über Privates

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Auf dem "Schwarzen Sofa" der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (rechts) nahm in Sögel Stefan Hipp Platz. Der 50-Jährige ist Chef des bekannten Herstellers von Babynahrung. Foto: Daniel Gonzalez-TepperAuf dem "Schwarzen Sofa" der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (rechts) nahm in Sögel Stefan Hipp Platz. Der 50-Jährige ist Chef des bekannten Herstellers von Babynahrung. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Sögel. Den Werbespruch seines Unternehmens "Dafür stehe ich mit meinem Namen" kennen mehr als 90 Prozent der Deutschen: Stefan Hipp trat 1997 schrittweise in die Fußstapfen seines Vaters Claus an der Spitze des Produzenten von Babynahrung. Warum Stefan Hipp selber als Bio-Landwirt tätig ist, er sich gerne nach in Polen zurückzieht, er "Wunschbänder" am Arm trägt und sich für den Diätverband engagiert, erzählte Hipp bei einem Besuch in Sögel.

Der 50-Jährige war auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann ins nördliche Emsland gekommen und nahm auf dem "Schwarzen Sofa" der Politikerin Platz. Das Sofa, auf dem Connemann prominente Persönlichkeiten an unterschiedlichen Orten interviewt, war diesmal bei Deeken Raumconepte in Sögel platziert worden.

Aus Pfaffenhofen, zwischen Ingolstadt und München gelegen, war Hipp angereist. "Auch wenn die meisten heute Sie zum ersten Mal persönlich sehen dürften, haben wir alle das Gefühl, Sie schon ewig zu kennen", leitete Connemann in das Gespräch ein. Der Grund ist naheliegend: Seit Anfang der 1990er Jahre zeigte Stefan Hipps Vater Claus sein Gesicht in Werbespots und sagte darin: "Dafür stehe ich mit meinem Namen". Inzwischen kennen mehr als 90 Prozent der Menschen in Deutschland diesen Spruch, berichtete Stefan Hipp. "Dabei wollte mein Vater ihn damals zunächst gar nicht, weil er fürchtete, der Slogan fällt uns irgendwann auf die Füße. Er musste regelrecht überredet werden. Es hat sich als wichtigster Schritt in der Unternehmensgeschichte erwiesen", so der Junior, der 1997 in die Geschäftsführung einstieg und inzwischen den Slogan in Spots selber sagt. Der Erfolg spricht für sich, inzwischen essen auch immer häufiger Erwachsene die Nahrung, insbesondere Fruchtpürees. "20 bis 25 Prozent der Konsumenten sind Erwachsene", so Hipp, der nach eigenen Angaben erst am Mittag ein Apfel-Birne-Püree gegessen zu haben.

Auf dem "Schwarzen Sofa" in Sögel ging es nicht nur um ernste Themen, manchmal konnte Stefan Hipp auch lachen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Zwei Bio-Bauernhöfe

Soviel zu den von Hipp weitgehend bekannten Dingen. Weniger bekannt ist, dass Stefan Hipp selber als Bio-Landwirt tätig ist, zum einen in Pfaffenhofen. "Das ist meine Heimat. Ich würde nie auf die Idee kommen, dort wegzuziehen", betonte Stefan Hipp. Dass seine jüngere Schwester den elterlichen Hof geerbt hatte, sei für ihn "eine große Enttäuschung" gewesen. Deshalb baute er selbst einen Bio-Bauernhof auf, insbesondere auch deshalb, weil es für das Unternehmen Hipp an Lieferanten für Bioprodukte mangelte und noch immer mangelt. "Es entscheiden sich zu wenige konventionelle Landwirte für eine Umstellung. Dabei sind die Umsätze je Hektar Land, die erzielt werden können, deutlich höher", verdeutlichte der Firmenchef. Stefan Hipp verheimlichte indes nicht, einen Zweitwohnsitz und zweiten Bio-Betrieb zu haben, und zwar im früheren Ostpreußen, also in Polen. "Ich liebe die Landschaft dort, es gibt Wälder und Seen, man kann dort einsam sein", erklärte der Gast, der versucht, alle zwei Wochen ein Wochenende in Polen zu verbringen und im Sommer längere Zeit dort verbringt. 

Sichtbar am rechten Handgelenk trägt Stefan Hipp auch bei seinem Besuch in Sögel Stoff- und Lederarmbänder. "Das sind Wunschbänder meiner 14-jährigen Tochter", erklärt Stefan Hipp. Immer dann, wenn sich eines der zum teil selbst geknüpften Bänder vom Arm löst, soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Am rechten Handgelenk trägt Stefan Hipp mehrere Wunscharmbänder. Sie stammen größtenteils von seiner 14-jährigen Tochter. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Große Leidenschaft für Pferde

Mit seinem Vater Claus teilt Stefan Hipp die Leidenschaft zu Pferden. Fast täglich ist er in den Stallungen oder den Koppeln unterwegs. Weniger begeistern konnte sich der Junior für die künstlerische Ader des Vaters, der  seit den 1970er Jahren unter seinem Geburts- und Künstlernamen Nikolaus Hipp als freischaffender Künstler tätig ist und sogar als Kunst-Professor in Tiflis (Georgien) aktiv war. "Meine Leidenschaft ist die Natur, Berge und der Reitsport", sagt Stefan Hipp. Im Präsidium des Diätverbandes engagiert er sich nicht, weil er von Abnehmprogrammen überzeugt sei, sondern es sich um einen Verband von rund 40 Herstellern diätetischer Lebensmittel handelt, die Produkte für Menschen mit besonderen Anforderungen herstellen. Hipp nannte Babys und Kleinkinder, aber auch Senioren ("Schonkost").

Der Preiskampf im Lebensmittelgewerbe ist besorgniserregendKlaus Hipp, Unternehmenschef


Bei der Frage nach den größten Herausforderung für die Zukunft nannte der Firmenchef mehrere Dinge. Den Preisdruck im Lebensmittelgewerbe und die zunehmende Dominanz der Handelsmarken von Supermärkten und Drogerieketten bezeichnete Hipp "besorgniserregend" und "gigantisch". "Das geht in die falsche Richtung. Es kann nur auf Kosten der Qualität gehen. Wenn der Lieferant nicht faire Preise erhält, ist er irgendwann weg", sagte Hipp, der die Konsumenten aufforderte, die Ernährungsgewohnheiten zu überdenken. 



Rund 200 verschiedene Arbeitszeitmodelle

Ein weiteres Problem seien Umweltgifte, die in angelieferten Waren nachgewiesen werden. Hipp testet diese in 260 unterschiedlichen Proben auf mehr als 1000 Substanzen. Die Digitalisierung nutzt Hipp auch dazu, Daten bei Landwirten abzurufen und diesen auch zur Verfügung zu stellen, um die Produktionssicherheit zu erhöhen. Alles selber anzubauen, würde bedeuten, 80.000 Hektar Fläche zu bearbeiten, was nicht leistbar sei. 

Dem Fachkräftemangel begegnet das Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen (lauf Hipp gibt es rund 200 unter den rund 1800 Angestellten) und einem Betriebskindergarten, den derzeit rund 80 Kinder besuchen. Gut sieben Prozent des Jahresumsatzes steckt Hipp in Forschung und Entwicklung, jedes Jahr werden gut ein Fünftel der Produkte verändert oder ausgetauscht, um innovativ zu sein. Die Politik forderte der 50-Jährige auf, wieder häufiger mit einer Stimme zu sprechen und nicht gegeneinander zu arbeiten. 

Als Dankeschön für sein Kommen erhielt Stefan Hipp (Mitte) von den Gastegerinnen Gitta Connemann (rechts) und Anja Deeken-Rickermann Ostfriesentee und einen Emsland-Krimi. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper



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