Kinder sprechen kein Deutsch Dolmetscher helfen Schulen in Sögel bei der Verständigung

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Rumänisch, deutsch, ungarisch: In drei Sprachen steht der Willkommensgruß symbolisch für die Arbeit der Dolmetscher Zsolt Matyas (links) und Anna-Maria Popa (rechts). Über das neue Angebot an den Schulen freuen sich (von links) Maria Lau, Silvia Schmit, Hans Nowak und Irmgard Welling. Foto: Christian BellingRumänisch, deutsch, ungarisch: In drei Sprachen steht der Willkommensgruß symbolisch für die Arbeit der Dolmetscher Zsolt Matyas (links) und Anna-Maria Popa (rechts). Über das neue Angebot an den Schulen freuen sich (von links) Maria Lau, Silvia Schmit, Hans Nowak und Irmgard Welling. Foto: Christian Belling

Sögel. Die Verwaltung in Sögel hat auf die Hilferufe der Bernhardschule und der Schule am Schloss reagiert. Um den massiven Kommunikationsproblemen entgegenzutreten, wurden zwei Dolmetscher mit rumänischen und ungarischen Sprachkenntnissen eingestellt, um den Austausch mit den Kindern und deren Eltern zu erleichtern.

„Die Schulen stehen vor großen Herausforderungen und haben uns um Hilfe gebeten. Fraktionsübergreifend bestand schnell Einigkeit, dass wir zügig handeln müssen“, teilt Sögels stellvertretender Gemeindedirektor Hans Nowak im Gespräch in der Bernhardschule mit. Sehr zur Freude der beiden Schulleiterinnen Silvia Schmit (Grundschule Bernhardschule) und Maria Lau (Oberschule am Schloss). „Die Erleichterung ist besonders im Kollegium groß“, so Schmit.

Übersetzer ausgebildete Lehrer

Seit wenigen Wochen stehen Anna-Maria Popa und Zsolt Matyas den beiden Schulen als Dolmetscher zur Verfügung. Neben festen Zeiten besteht auch die Möglichkeit, spontan die Dienste in Anspruch zu nehmen. Die 39-jährige Popa lebt seit Anfang des Jahres in Hüven und ist ausgebildete Lehrerin. Sie spricht ungarisch, rumänisch und deutsch. Die gleichen Sprachkenntnisse hat auch der 30-jährige Matyas. Der Physiotherapeut und Sportlehrer lebt seit vier Jahren in Sögel und hat der Gemeinde nach Angaben von Nowak bereits in anderen Bereichen für Übersetzungsdienste zur Verfügung gestanden.

Befristetes Pilotprojekt

Popa und Matyas sind im Rahmen eines bis zum Schuljahresende befristeten Pilotprojektes teilzeitbeschäftigt eingestellt. Nowak zufolge steuern Gemeinde und Samtgemeinde in gleichen Teilen jeweils 8500 Euro bei. „Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund liegt uns sehr am Herzen“, macht der stellvertretende Gemeindedirektor deutlich. Parteiübergreifend sei man sich schnell einig gewesen, dass es einer Soforthilfe bedurfte. „Uns geht es dabei auch um Bildungsteilhabe und Chancengerechtigkeit.“

Weiterlesen: Massive Kommunikationsprobleme an Sögeler Bernhardschule

„Seit Beginn des neuen Schuljahres nehmen immer mehr Kinder aus Rumänien die Nachmittagsbetreuung in Anspruch. Hier ist der Bedarf besonders groß, weil viele Situationen einen Dolmetscher erfordern“, berichtet Schmit. Von den derzeit 310 Schülern an der Bernhardschule sind der Leiterin zufolge mehr als 80 für die Ganztagsbetreuung angemeldet, von denen 80 Prozent rumänischer, polnischer, bulgarischer und syrischer Herkunft sind.

„Sprachrohr zu den Eltern“

Für Amtskollegin Lau stellen die Dolmetscherdienste auch einen wertvollen Zugang zu den Erziehungsberechtigten dar. „Die Übersetzer sind quasi unser Sprachrohr zu den Eltern.“ Diese zeigen sich nach Angaben von Lau dankbar für das Angebot. „Wir erfahren dadurch eine ganze Menge von ihnen und können unsererseits Werte vermitteln.“ Wichtig ist nach ihren Worten eine Verlässlichkeit bei den übersetzenden Akteuren. „Es geht dabei auch um gegenseitiges Vertrauen, das wachsen muss.“

Dolmetscher nehmen nicht am Unterricht teil

Die Gefahr, dass die osteuropäischen Kinder und deren Eltern durch das Dolmetscherangebot die eigenen Aktivitäten zum Erlernen der deutschen Sprache einstellen, sieht Lau nicht. „Zum einen sitzen die Übersetzer nicht in der Klasse und nehmen am Unterricht teil. Und zum anderen wird natürlich bei jeder Gelegenheit versucht, Deutsch mit ihnen zu sprechen.“

Für Sögels Bürgermeisterin Irmgard Welling (CDU) ist das neue Angebot auch eine Wertschätzung gegenüber den zugewanderten Familien. „Die Kinder fühlen sich gleich wohler und beheimateter, wenn es in der Schule einen gibt, der ihre Muttersprache spricht.“

Vergleichbares in den 1990er-Jahren

Welling erinnerte an vergleichbare Übersetzerdienste an der Bernhardschule in den 1990er-Jahren, als sich Familien aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in Sögel niederließen. „Das hat sich damals sehr bewährt“, so die Bürgermeisterin.

Die Eltern der jetzigen Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund würden nach ihren Worten nicht ausschließlich auf dem Schlachthof Weidemark arbeiten. „Viele sind auch bei Krone in Werlte, bei Brüggen in Herzlake, in Gärtnereien oder in der Altenpflege beschäftigt.“

„Wir sind mit dem Thema noch nicht durch“

Das jetzt in der Hümmlinggemeinde eingeführte Angebot für Schulen gibt es Nowak zufolge in dieser Form im Emsland bislang noch nicht. Und auch wenn es erst einmal auf ein Jahr befristet ist, stellt er während des Gesprächs gleich eine Verlängerung in Aussicht. „Wir sind mit dem Thema noch nicht durch.“


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