Diskussion über Missbrauch in Sögel Schavan fordert von Kirche „große Anstrengungen“

Von Ingrid Cloppenburg

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Diskutierten über Glauben, Kirche und Politik: Moderatorin Gitta Connemann, Annette Schavan und Pater Edmund (von links). Foto: Ingrid CloppenburgDiskutierten über Glauben, Kirche und Politik: Moderatorin Gitta Connemann, Annette Schavan und Pater Edmund (von links). Foto: Ingrid Cloppenburg

Sögel. Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche waren auch auf der Veranstaltung „Bibel und Wein“ im Klostergarten auf Schloss Clemenswerth in Sögel eines der dominierenden Themen. Die frühere deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom, Annette Schavan, fand dazu vor den rund 120 Gästen deutliche Worte.

Schavan, die auf Einladung von Pater Edmund zu der Veranstaltung nach Sögel gekommen war, sprach angesichts der Missbrauchsfälle von Vorgängen, die die Gläubigen erschüttert hätten. „Wir reden hier nicht nur von sexualisiertem Missbrauch, sondern auch von Machtmissbrauch und Vertrauensmissbrauch.“ Um Vertrauen wieder zu gewinnen müssten große Anstrengungen erfolgen. „Es darf nicht mehr heißen: wie schütze ich die Kirche?, sondern: Wie schütze ich die Opfer?“, forderte Schavan. Auch Pater Edmund mahnte: „Wir müssen offen damit umgehen.“

Immer mehr Menschen neigen zu Individualismus

In einem weiteren Themenblock erkundigte sich die Moderatorin Gitta Connemann bei Schavan danach, wie sie den Unterschied zwischen der Arbeit als Bundesbildungsministerin (2005-2013) und der Arbeit in Rom (2014 bis Juni 2018) wahrgenommen habe. „Egal ob Berlin oder Rom, ich treffe immer häufiger auf Menschen, die zu Individualismus neigen. Damit ist aber kein Staat zu halten“, merkte Schavan dazu an. „Wenn wir Politik nicht mehr als Teamspiel ansehen, sondern nur noch die eigenen Interessen in den Vordergrund stellen, scheitern wir.“ Es sei wichtig, aufeinander zuzugehen und von dem Gedanken getragen zu sein, wie man dieses Gemeinwesen der nächsten Generation übergeben möchte. „Das sollte überall die wichtigste Frage sein.“

Dazu gehört nach Auffassung von Schavan auch, dass eine gewisse Lebenserfahrung von Nöten ist, wenn man in der Politik oder in der Kirche an verantwortlicher Stelle sitzt. „Eine solide Grundlage führt dazu, sachliche Entscheidungen treffen zu können.“ Ein Berufs- und Familienleben mache die Menschen erst sensibel für die richtigen politischen Entscheidungen.

Frauen sollten in der Kirche gleichrangige Stellung haben

Schavan machte zudem deutlich, dass sie sich wünsche, dass Frauen in der Kirche eine gleichrangige Stellung einnehmen sollten. Pater Edmund war ebenso davon überzeugt, dass es notwendig sei, in der Kirche neue Wege zu beschreiten. „Wir müssen raus und uns neue Sichtweisen eröffnen.“ Er zeigte sich dankbar, dass in anderen Ländern der katholische Glaube tief verankert sei. „Wenn wir beispielsweise Indonesien auch wirtschaftlich überlegen sind, so sind wir im Glauben die Schwächeren.“


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