„Im Stricher-Milieu kennengelernt“ Messerstecherei im nördlichen Emsland vor Gericht

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Vor dem Landgericht Osnabrück hat am Mittwoch der Prozess gegen eine 26-Jährige begonnen, dem zur Last gelegt wird, in einer Wohnung im nördlichen Emsland einen 66-Jährigen mit acht Messerstichen schwer verletzt zu haben. Symbolfoto: Friso Gentsch/dpaVor dem Landgericht Osnabrück hat am Mittwoch der Prozess gegen eine 26-Jährige begonnen, dem zur Last gelegt wird, in einer Wohnung im nördlichen Emsland einen 66-Jährigen mit acht Messerstichen schwer verletzt zu haben. Symbolfoto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat das Verfahren gegen einen 26-Jährigen aufgenommen, der im April 2018 in einer Wohnung im nördlichen Emsland mindestens achtmal auf seinen Mitbewohner eingestochen haben soll. Zum Prozessauftakt machten das Opfer und der Angeklagte, die eine Beziehung führten, unterschiedliche Angaben darüber, was sich in der Tatnacht zugetragen hat.

Die beiden Männer aus dem Ruhrgebiet lebten demnach erst seit Anfang des Jahres im Emsland. Begegnet seien sie sich im Prostituierten-Milieu, wo der Angeklagte, der eine Heimkarriere hinter sich hat, Männern auf einem Parkplatz seine Liebesdienste angeboten hat. Der jetzt 66-Jährige nahm diese als Freier in Anspruch, nach einer Weile entwickelte sich zwischen beiden eine Beziehung, woraufhin der Jüngere in dessen Wohnung einzog. Als diese vom Vermieter gekündigt wurde, siedelten sie in eine Gemeinde im nördlichen Emsland um.

Was sich dort dann in der Tatnacht auf den 5. April zugetragen hat, darüber machten beide unterschiedliche Angaben. Der Angeklagte sagte aus, zusammen mit dem anderen Alkohol getrunken und ferngesehen zu haben. Irgendwann habe er einen „Filmriss“ bekommen, der erst geendet habe, als er in einer Polizeizelle zu sich gekommen sei. Bei zwei dort vorgenommenen Blutproben war eine Alkoholkonzentration von 2,63 und 3,37 Promille festgestellt worden.

Opfer will früh ins Bett gegangen sein

Das Opfer der Messerstiche hielt vor Gericht eine andere Schilderung des Geschehens bereit. Der 66-Jährige gibt an, zwei Gläser Bier und etwas Schnaps getrunken zu haben und dann früh ins Bett gegangen zu sein. In der Nacht sei er aufgewacht und auf dem Gang zur Toilette auf den Angeklagten getroffen. „Er war sehr betrunken und ich habe ihm gesagt, er solle ins Bett gehen“, beschrieb er das Aufeinandertreffen.

Der Angeklagte habe daraufhin unvermittelt mehrere Messer aus einem Messerblock in der Küche gezogen und auf ihn eingestochen. Er wurde von mindesten acht Stichen in den Oberkörper getroffen, wobei die Lunge verletzt wurde und ein hoher Blutverlust aufgetreten war. Bevor er im Wohnungsflur zusammengebrochen war, will der Schwerverletzte seinen Angreifer aufgefordert haben, Hilfe zu holen. Danach hatte er das Bewusstsein verloren. Im Krankenhaus hatte sein Leben Dank einer Notoperation gerettet werden können.

Angeklagter hat schwierige Vergangenheit hinter sich

Zu Beginn wurde deutlich, dass der Angeklagte eine schwierige Vergangenheit hinter sich hat. Er ist in Weißrussland geboren, wo er die ersten drei Lebensjahre in einem Kinderheim verbrachte und dann von einem deutschen Ehepaar adoptiert wurde. Seine Kindheit verlief in normalen Bahnen, doch in der Pubertät kamen Alkohol und Drogen ins Spiel. Nach zuerst gut verlaufener Schullaufbahn erlitt er einen Rückfall und kam wieder in ein Heim, wo er nach eigenen Worten Opfer sexuellen Missbrauchs wurde. Mit 18 begann er, auf dem Straßenstrich Geld für Drogen zu verdienen.

Nachdem er mit dem 66-Jährigen zusammengezogen war, will er Drogen und Prostitution abgeschworen haben. Rätsel gibt sein Verhältnis zu einem anderen Mann auf, der ihm bis zum Tatgeschehen häufiger Geldgeschenke machte, zum Teil im vierstelligen Eurobereich.

Das Verfahren ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt.


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