An der Begegnungsstätte Weißes Haus Zehntes Mauergedicht ziert Hausfassade in Sögel

Von Christian Belling und Marina Heller

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bell/helm Sögel. Kleines Jubiläum in Sögel: In der Hümmlinggemeinde ist an der Rückwand der Begegnungsstätte Weißes Haus das mittlerweile zehnte Mauergedicht enthüllt worden.

Die Sögelerinnen Doris Möhlenkamp und Manuela Wübben setzten die künstlerische Präsentation des Gedichtes „Wünschelrute“ von dem Lyriker Joseph von Eichendorff um. Ingrid Cloppenburg vom Arbeitskreis „Mauergedichte“ freute sich über das große Interesse an der Enthüllung. Der Arbeitskreis habe sich nach ihren Worten bewusst für die Rückwand des Gebäudes entschieden, um eine Abgrenzung zum gegenüberliegenden Gedicht am Rathaus zu erzeugen.

Vier Verse von Joseph von Eichendorff

„Wie wunderbar ist es, dass das zehnte Mauergedicht am Giebel dieses Hauses ist, in dem so viel Leben steckt: Kleine und große Menschen, sogar die Mauersegler fühlen sich hier wohl und jetzt dieses bunte Gedicht“, freute sich auch die Mauergedicht-Ideengeberin Christiane Bangert. An ihrem Haus an der Bergstraße wurde vor mehr als vier Jahren das erste Mauergedicht angebracht.

Die jetzt an der Begegnungsstätte Weißes Haus zu lesenden vier Verse Eichendorffs würden laut Initiator und Pate des Gedichts, Michael Hevicke, Dimensionen verknüpfen, die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten. „Viele Jahre habe ich unter dem Dach in der Beratungsstelle des Weißen Hauses mitgearbeitet und weiß, was es bedeutet, ein Zauberwort zu treffen, um das es im letzten Vers des Gedichtes geht“, so Hevicke.

Einfachheit und Genialität

Die Einfachheit und Genialität der Verheißung des Gedichtes fasziniere ihn: „Wir stimmen beim Lesen innerlich sofort zu und merken gar nicht, dass uns hier Unmögliches aufgetischt wird.“ Jedoch sei dieses Unmögliche die Kernaussage des Gedichtes. „Es ist die Verheißung, dass wir Mauern überspringen können. Dass in Situationen, Dingen und Menschen mehr drinsteckt, wenn wir den richtigen Punkt treffen, der verzaubert. Kinder können jeden Gegenstand zu allem Möglichen werden lassen und auch noch damit sprechen“, interpretierte Hevicke.

Das Gedicht erkläre, dass jeder in Dingen Sinn finden und ihnen Sinn geben könne. Zum Ende seiner Ansprache ließ er alle anwesenden Kinder blind einen Stein von der Ostsee aus einem Korb ziehen. „Dieser Stein ist zum Verzaubern. Wenn ihr Kraft braucht, nehmt ihn fest in die Hand und vertraut darauf, dass noch viel mehr in euch steckt“, sprach Hevicke den Kindern Mut zu.

„Wieder ein bisschen schöner“

Der im Weißen Haus ansässige Verein Mütterzentrum zeigte sich von dem Gedicht begeistert. „Ein Gedicht hat mit Sprache zu tun, die im Mütterzentrum besonders wichtig ist. Genauso wie die damit verbundene Kunst, die die Kinder hier täglich praktizieren“, sagte Vorstandsmitglied Silvia Klaß. Auch Bürgermeisterin Irmgard Welling (CDU) zeigte sich erfreut. Sie dankte den Künstlerinnen und Gedicht-Ideengeber Hevicke für die Umsetzung. Die Gemeindeverwaltung finanziere jährlich ein Mauergedicht. „Ich finde es toll, dass die Mauergedichte solch ein Engagement und Interesse hervorrufen“, so Welling. Das neue Mauergedicht mache Sögel „wieder ein bisschen schöner“.

„Idee hat sofort gezündet“

Vor mehr als vier Jahren kam Christiane Bangert die Idee, in Sögel Mauergedichte an Hausfassaden entstehen zu lassen. „Mein Mann hat in Leiden in den Niederlanden studiert. In der Stadt gibt es mehr als 120 Mauergedichte, an denen ich mich sehr erfreut habe“, erzählt Bangert im Gespräch mit unserer Redaktion. Als sie Ingrid Cloppenburg darauf ansprach, dies auch in Sögel zu realisieren, kam das Vorhaben ins Rollen. „Die Idee hat sofort gezündet“, so Cloppenburg.

Der im Anschluss gebildete Arbeitskreis „Mauergedichte“ sucht nach ihren Worten im Winter geeignete Gedichte aus, die für eine Hauswand infrage kommen. „Die Texte sollen anregen, ansprechen, zeitlos sein und zum Ort passen“, erklärt Cloppenburg. Die Entscheidung, welches Gedicht final tatsächlich an die Fassade kommt, werde den Hausbesitzern überlassen.

Akzeptanz im Ort steigt

„Ich werde oft auf das Gedicht an unserer Hauswand angesprochen“, berichtet Bangert. Häufig blieben aber auch Spaziergänger eine Zeit lang stehen und lassen es auf sich wirken. „Die Resonanz und Akzeptanz auf diese Form von Kunst steigt von Gedicht zu Gedicht“, hat die Ideengeberin festgestellt.

Das Schwierigste bei der Umsetzung sei nicht die Suche nach Gedichten oder Wänden, sondern „einen zu finden, der das an die Fassade bringt.“ Cloppenburg zufolge ist der Arbeitskreis immer auf der Suche nach kreativen Köpfen, die sich künstlerisch betätigen wollen.


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