Toleranz für Homosexualität CSD-Cloppenburg-Verein hat guten Draht zur Kirche

Von Maike Plaggenborg

Der Verein CSD Cloppenburg mit Markus Pohlabeln (l.) und Michael Stomberg pflegt vor Ort einen guten Kontakt zur Kirche. Foto: Maike PlaggenborgDer Verein CSD Cloppenburg mit Markus Pohlabeln (l.) und Michael Stomberg pflegt vor Ort einen guten Kontakt zur Kirche. Foto: Maike Plaggenborg

Sögel/Spahnharrenstätte. Am 10. August 2013 vor fünf Jahren fand die kirchliche Trauung eines homosexuellen Paares im hessischen Seligenstadt statt, die als die erste in Deutschland gilt. Ausgesprochen hatte sie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Dass der Glaube und kirchliche Segen auch für Schwule und Lesben im Emsland eine Rolle spielt, zeigt sich auch im Gespräch mit dem Verein CSD Cloppenburg, deren Mitglieder zur Hälfte aus dem Emsland kommen.

„Sehr wichtig!“, antwortet Michael Stomberg, 1. Vorsitzender des CSD Cloppenburg entschieden auf die Frage, wie wichtig die Rolle der Kirche im Verein ist. Die Gruppe mit inzwischen 36 Mitgliedern, von denen nun die Hälfte aus dem Emsland stammt, ist die einzige, die sich im Nordkreis mit den Themen rund um Homosexualität befasst. Dazu gehört auch das Thema Eheschließung. Unter ihren Mitgliedern habe zwar noch keiner „richtig“ geheiratet, also von der seit dem 1. Oktober 2017 gültigen „Ehe für alle“ Gebrauch gemacht, allerdings gebe es ein paar eingetragene Lebenspartnerschaften, wie der 41-Jährige erzählt.

Gottesdienst beim CSD fest im Programm

Der Verein hat sich gegründet, um den Christopher-Street-Day – kurz CSD – in Cloppenburg zu organisieren, aber auch, um bei Veranstaltungen zu informieren und aufzuklären. Den CSD gibt es in der Kreisstadt, dem Gründungsort des Vereins, seit fünf Jahren. Seit drei Jahren sei ein ökumenischer Gottesdienst fester Bestandteil der Veranstaltung. Sie eröffnet den jährlichen CSD. „Wir gestalten die Messe“, sagt Stomberg. Der Verein profitiere von der Unterstützung der Kirche in Cloppenburg, insbesondere durch den katholischen Pfarrer Bernd Strickmann. Der Kontakt zur Kirche habe auch unter den Mitgliedern eine Bedeutung. Es sei ein Kirchenorganist unter ihnen, und auch weitere Mitglieder seien in ihren Kirchengemeinden aktiv. Stomberg selbst, einst als Ministrant tätig, und Gründungsmitglied Markus Pohlabeln sind die einzigen, die vor Jahren aus der Kirche ausgetreten sind. Zu groß war die Abschreckung über Äußerungen zu Homosexualität aus dem Vatikan, berichten die Spahnharrenstätter.

Reine Demonstration mit Marschmusik

Nicht nur die Bindung zur Kirche wirkt als bodenständige Ausrichtung des Vereins, sondern auch die Tatsache, dass der CSD in Cloppenburg eine reine Kundgebung sein soll. „Wir sind die einzige Veranstaltung, die richtigen Demo-Charakter hat“, sagt Stomberg mit Blick auf die deutschlandweit terminlich aufeinander abgestimmten CSDs. Für den Emsländer ist es wichtig, nicht als „schwuler Karnevalsverein“ aufzutreten. „Wir wollen ja nicht anders sein, als die Region“, sagt Gründungsmitglied Pohlabeln. „Wir wollen gleich sein und uns zeigen“, ergänzt Stomberg. Regionstypisch fällt dazu auch die musikalische Begleitung des CSD aus. Zuletzt, also beim CSD am 23. Juni 2018, reihte sich der Jugendspielmanns- und Fanfarenzug Elsfleth in den Demonstrationszug ein und trug Marschmusik bei.


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