Für Engagementpreis nominiert Flüchtlingshelfer aus Börger fördern und fordern

Von Christian Belling

Mit den Flüchtlingen auf Tour: Auch Ausflüge, wie hier in den Allwetterzoo in Münster am vergangenen Samstag, unternehmen die Helfer aus Börger. Foto: Hermann SchmitzMit den Flüchtlingen auf Tour: Auch Ausflüge, wie hier in den Allwetterzoo in Münster am vergangenen Samstag, unternehmen die Helfer aus Börger. Foto: Hermann Schmitz

bell Börger. Hohe Auszeichnung für die Flüchtlingshilfe in Börger: Die Gruppe ehrenamtlicher Helfer ist für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichten sie, was ihre Arbeit in der Hümmlinggemeinde ausmacht.

Herbst 2015: Im Zuge der Flüchtlingswelle rüsten sich auch in Börger ehrenamtliche Kräfte für die Aufnahme von etwa 30 Flüchtlingen in der ehemaligen Jugendherberge. Gemeinde und Kirche mobilisieren vor Ort rund 70 Bürger, die sich zu einem Aktionstreffen im Heimathaus einfinden, um sich an der Hilfe zu beteiligen. Die Geburtsstunde der Flüchtlingshelfer in Börger.

Auch knapp drei Jahre später ist die Gruppe nach wie vor mit Leidenschaft dabei, um den derzeit 15 in Börger wohnhaften Flüchtlingen die Integration zu erleichtern. Unterteilt in den Aktionsgruppen „Patenschaften“, „Sprachen“, „Freizeit und Begegnung“, „Mobilität“ und „Kindergarten“ unterstützen die Helfer die Neuankömmlinge beim Zurechtfinden und alltäglichen Problemen.

Hilfe keine Einbahnstraße

Wie die aussehen, berichten die Mitglieder der Gruppe „Patenschaften“ beim Austausch im Heimathaus. „Bei allen von uns steht das Problem der nicht ausreichenden Anzahl an Sprachkursen ganz oben auf der Agenda“, teilt Jasna Stefanec mit. Jeder Pate betreut eine Familie oder Einzelperson und steht bei Fragen jeder Art zur Verfügung.

Koordinator Hermann Schmitz macht dabei aber deutlich, dass die Hilfe keine Einbahnstraße ist. „Wir machen jedem Flüchtling, der zu uns kommt zu Beginn deutlich, was wir im Gegenzug von ihm erwarten.“ Als Beispiele nennt er den Willen zur Integration sowie zum Erlernen der Sprache. „Wir fördern und fordern gleichzeitig und machen ihnen keine Illusionen.“ Das Ziel sei stets, dass die Menschen zügig „auf eigenen Beinen stehen können.“

In Arbeit gebracht

Nachdem zu Beginn ihrer Unterstützung das Zurechtkommen in der neuen Umgebung im Vordergrund stand, richteten die Helfer den Fokus im Anschluss auch auf die Unterbringung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. „Wir haben mit ihnen Unternehmen besichtigt, damit sie die Abläufe und Prozesse kennenlernen. Auch auf dem Bauernhof waren wir“, so Schmitz. Der Einsatz zeigte den erwünschten Effekt, wie sich im Nachhinein zeigte. „Von den 30 gekommenen Flüchtlingen sind 18 in Arbeit. Eine gute Quote.“

Am Dorfleben beteiligt

Auch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Börger wurde gefördert. „Sie bringen sich mit ein, in dem sie bei der Kirmes dabei sind, bei der Dorfsäuberungsaktion mithelfen oder ihre handwerklichen Talente bei Malerarbeiten unter Beweis stellen“, berichtet Maria Behnen. Dieser Einsatz sei besonders zu Beginn sehr intensiv und kräftezehrend gewesen. „Aber es hat sich gelohnt, wenn wir sehen, dass es was gebracht hat. Die meisten Flüchtlinge wollen sich auch einbringen“, ergänzt Stefanec.

Hohe Akzeptanz

Die jetzige Nominierung für den Deutschen Engagementpreis ist nach der Auszeichnung der Caritas mit dem Sonnenschein-Preis im vergangenen Jahr bereits die zweite größere Ehrung. Schmitz: „Das freut uns natürlich ebenso wie die hohe Akzeptanz unserer Arbeit im Ort.“


Der Deutsche Engagement-Preis

Mit dem Deutschen Engagementpreis werden seit 2015 Menschen gewürdigt, die bereits einen der rund 600 Preise für bürgerschaftliches Engagement in der gesamten Bundesrepublik gewonnen haben. Träger des Deutschen Engagement-Preises sind das Bündnis für Gemeinnützigkeit, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Bahn Stiftung. Insgesamt wird der mit je 5000 Euro dotierte Preis in fünf Kategorien vergeben und im Vorfeld von einer Jury bestimmt. Der Gewinner des mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreises wird in einer Onlineabstimmung ermittelt. Vom 12. September bis 22. Oktober kann auf der Webseite www.deutscher-engagementpreis.de jeder abstimmen. Die Preisverleihung findet am 5. Dezember in Berlin statt.

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