Oliver Fok zehn Jahre im Amt Wie der Museumsdirektor das Sögeler Schloss entstaubte

Von Christian Belling

Im Pavillon Coellen hält sich Oliver Fok gerne auf. Dort ist die Dauerausstellung des Künstlers Wolfgang Pohl zu sehen, die dem Museumsdirektor zufolge eine Frische und ein positives Gefühl vermittelt. Foto: Christian BellingIm Pavillon Coellen hält sich Oliver Fok gerne auf. Dort ist die Dauerausstellung des Künstlers Wolfgang Pohl zu sehen, die dem Museumsdirektor zufolge eine Frische und ein positives Gefühl vermittelt. Foto: Christian Belling

Sögel. Von wegen Sprungbrett: Auch wenn Oliver Fok, Direktor des Emslandmuseums Schloss Clemenswerth in Sögel, dies zu Beginn seiner Amtszeit häufig zu hören bekam, ist auch er nach zehn Jahren voller Elan und Enthusiasmus bei der Sache, immer mit dem Anspruch „ein Schloss für alle zu sein.“

Zu Monatsbeginn feierte Fok sein zehnjähriges Jubiläum auf Schloss Clemenswerth. Im Gespräch mit unserer Redaktion in seinem Büro im Pavillon Mergentheim berichtet der 58-Jährige von seinen Anfängen in Sögel, stetigen Entwicklungen und den kommenden Aufgaben. Dabei wird eines zu jedem Zeitpunkt des Gesprächs deutlich: Amtsmüdigkeit ist bei dem gebürtigen Hamburger keine zu vernehmen.

Das unterscheidet seine jetzige Situation von der vor seinem Dienstantritt auf dem barocken Jagdschloss. Als Leiter der Kunststätte Bossard und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Freilichtmuseums am Kiekeberg (beide im Landkreis Harburg) hatte er vor einem guten Jahrzehnt das Gefühl, „dass keine große Entwicklung in den Häusern mehr möglich ist.“

„Kannte das Schloss gar nicht“

Somit war Fok, der untern anderem deutsche Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte studierte, empfänglich für neue berufliche Reize. Aber warum das Schloss Clemenswerth? „Ich habe mich nicht auf die freie Stelle des Museumsdirektors beworben, sondern wurde angesprochen“, erklärt er. An sein Vorstellungsbesuch in Sögel erinnert sich Fok noch genau. „Ich kannte den Ort und das Schloss gar nicht. Doch ich merkte gleich, dass hier alles unbefleckt ist und ich mich bei der spannenden Aufgabe der Weiterentwicklung vollkommen auslassen kann.“

Im Pavillon Paderborn wohnhaft

Akklimatisiert hat er sich in seiner neuen Umgebung schnell. „Ich wurde sehr offen aufgenommen, auch wenn nicht wenige dachten, dass Sögel für mich nur ein Sprungbrett oder Zwischenstation ist.“ Davon ist nach zehn Jahren keine Rede mehr. Fok ist heimisch geworden, was auch daran liegt, dass er auf der Schlossanlage im Pavillon Paderborn privat untergebracht ist. „Diese direkte Nähe zum Arbeitsplatz hat Vor- und Nachteile“, weiß der 58-Jährige. Natürlich könne er bei Bedarf schnell reagieren und sei bei offenen Fragen sofort vor Ort, aber es erschwere auch ein Abschalten.

Weg vom Elitären und Angestaubten

Obwohl, richtig abgeschaltet habe er in seiner Funktion als Museumsdirektor im vergangenen Jahrzehnt kaum. „Zu Beginn war es mir wichtig, am äußeren Erscheinungsbild, dem Corporate Identity, zu arbeiten.“ Ein neues Logo wurde geschaffen, „das einen hohen Wiedererkennungswert hat und mit den klaren Linien modern, frisch, innovativ und zugleich seriös wirkt.“

Sein oberstes Ziel war und ist nach wie vor dafür zu sorgen, „ein Schloss für alle zu sein.“ Weg vom etwas Elitären und Angestaubten, hin zu Programmen und Angeboten, die alle gesellschaftlichen Gruppen ansprechen. „Wir haben die Museumspädagogik als Schnittstelle zum Besucher installiert und zielgruppenorientierte Angebote geschaffen“, erklärt Fok. Plötzlich seien dadurch auch Gesichter auf der Schlossanlage gewesen, die nach seinen Worten vorher nie da waren.

Barock mit allen Sinnen erleben

Die Anzahl der durchgeführten Führungen am Emslandmuseum stiegen von 70 im Jahr 2008 auf 600 in diesem Jahr. „Die Führungen dürfen nicht für alle gleich sein. Eine Familie hat andere Erwartungen als eine Kindergartengruppe oder ein Seniorenpaar“, so der Museumsdirektor. Barock mit allen Sinnen erleben steht für ihn an oberster Stelle. „Es geht um Schlüsselreize wie Geschmack, Geruch, Hören oder Sehen.“ Die Gesamtbesucherzahlen verdreifachten sich im oben genannten Zeitraum von knapp 20.000 auf rund 60.000 Besucher.

Etabliert hat Fok auf Schloss Clemenswerth auch hochkarätige Events wie das Fest der Sinne, den Kunstmarkt „ParkArt“, das Kleine Fest im großen Park oder den Weihnachtsmarkt. „Auch deshalb wurde ich geholt. Das Museum umstrukturieren und zukunftsfähiger machen, ohne das Original aus dem Auge zu verlieren.“

Amtsvorgänger legte die Basis

Voraussetzung für die positive Entwicklung am Schloss war dem Museumsdirektor die gute Arbeit seines Amtsvorgängers Eckhard Wagner, der knapp vier Jahrzehnte in Sögel wirkte. „Er hat die Basis geschaffen, auf der wir aufbauen konnten“, lobt Fok. Mit seinen neuen Impulsen sei er auf dem Hümmling auf offene Ohren gestoßen. „Das Schloss lag etwas im Dornröschenschlaf, deshalb gab es auch kaum Gegenstimmen für neue Ansätze.“

Besucher auf Augenhöhe begegnen

Diese hat Fok auch für die nächsten Jahre. „Die Infrastruktur ist nicht mit dem Museum und seinen mittlerweile 40 Mitarbeitern gewachsen“, stellt er fest. Zu wenige Parkplätze und nur eine Kasse seien nicht das, was der Besucher erwartet. Glücklich ist er indes, dass die Planungen für ein Besucherzentrum voranschreiten. „Damit können dem Publikum auf Augenhöhe begegnen.“ Ausbauen will Fok weiterhin das Programm sowie die Vernetzung in der Region. Dabei hat er besonders die Kindergärten und Schulen im Blick: „Das ist unser Besucher von morgen. Wir wollen dem Nachwuchs zeigen, dass das Museum keineswegs ein verstaubter Ort ist und gar nicht erst Hemmschwellen entstehen lassen.“

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