Während der NS-Diktatur Straßenname in Sögel erinnert an ermordeten Gewerkschafter

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An den am 15. April 1935 im Sögeler Kreiskrankenhaus verstorbenen Gewerkschafter erinnert die „Fritz-Husemann-Straße“. Foto: Christian BellingAn den am 15. April 1935 im Sögeler Kreiskrankenhaus verstorbenen Gewerkschafter erinnert die „Fritz-Husemann-Straße“. Foto: Christian Belling

bell Sögel. Mit dem Endausbau der Stichstraße am neuen Seniorenwohnpark in Sögel ist nun auch der Aufbau des Straßenschildes erfolgt. Doch wer war Fritz Husemann, dem die neue Straße ihren Namen verdankt? Ein Blick in die dunkle Geschichte deutscher Vergangenheit.

Den Beschluss, der Stichstraße an der Mühlenstraße diesen Namen zu geben, fasste der Sögeler Gemeinderat bereits im April 2013, weit bevor die Erschließung der Fläche im hinteren Bereich des Parks des Hümmling-Hospitals begann.

Fritz Husemann wurde 1873 in Leopoldstal im Lipperland geboren. Er war Gewerkschafter, Vorsitzender des Verbandes der Bergbauindustrie in Deutschland von 1919 bis 1933, Mitglied des Preußischen Landtags ab 1919 und ab 1924 für die SPD bis 1933 im Reichstag vertreten.

Vorsitzender der Bergarbeiter-Internationale

Der gelernte Steinmetz engagierte sich als Gewerkschafter und wurde 1919 Stadtverordneter in Bochum. Ein Jahr später wurde er Vorsitzender und Vorstandsmitglied der Bergarbeiter-Internationale. Mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten in Deutschland geriet er aufgrund seines gewerkschaftlichen Engagements unter Beobachtung. Die Sturmabteilung (SA) der NSDAP verhaftete Husemann im März 1933 vorübergehend. Kurzer Zeit später wurde er nach der Besetzung des Hauses des Bergarbeiterverbands in Bochum durch die Nazis fristlos entlassen.

Mehrfach inhaftiert und verhört

In den folgenden Monaten wurde er mehrfach inhaftiert und von der Polizei verhört. Wie aus der Informationsplattform „Geschichte der Gewerkschaften“ der Hans-Böckler-Stiftung weiter hervorgeht, engagiert sich Husemann trotz der Bedrohung weiter und kümmert sich um die Versorgungsansprüche entlassener Gewerkschaftsfunktionäre. Den Rat des amerikanischen Bergarbeiterverbandes zur Emigration lehnte er ab, um Gewerkschaftsverbindungen aufrecht zu halten und in Prozessen entlassene Angestellte des Bergarbeiterverbands zu vertreten.

Bei angeblichem Fluchtversuch angeschossen

Als Husemann im März 1935 die Deutsche Arbeitsfront auf Entschädigungszahlungen verklagte, erfolgte eine erneute Inhaftierung durch die Nationalsozialisten, die Husemann nur wenige Wochen später am 13. April in das Konzentrationslager (KZ) in Esterwegen überführten. Wie es in der Informationsplattform der Stiftung weiter heißt, wurde Husemann einen Tag später bei einem angeblichen Fluchtversuch angeschossen. Am 15. April 1935 stirbt er durch die bei dem Bauchschuss erlittenen Verletzungen im Kreiskrankenhaus in Sögel. An der Beisetzung in Dortmund Ende April nahmen mehr als 1000 Menschen teil. Seit 1992 erinnert in Berlin in der Nähe des Reichstags eine der 96 Gedenktafeln an den von den Nationalsozialisten ermordeten Reichstagsabgeordneten Husemann.

Ein Anliegen der Gemeinde

„Der Gemeinde Sögel war es ein Anliegen, über die Vergabe eines Straßennamens dem im KZ Esterwegen durch einen Bauchschuss verletzten und im Krankenhaus Sögel verstorbenen Bergarbeiterführer und Reichstagsabgeordneten zu gedenken“, teilt Gemeindedirektor Günter Wigbers auf Anfrage mit. Neben Fritz Husemann erinnert die Gemeinde nach seinen Worten mit der „Von Stauffenberg-Straße“ an Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg als eine der zentralen Persönlichkeiten des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im Deutschen Reich.

Mahnen an die Schrecken der NS-Herrschaft

Wie Wigbers weiter ausführt, steht das Gedenken und Mahnen an die Schrecken der NS-Herrschaft sehr im Fokus der Gemeinde Sögel. „Dazu gehört beispielsweise auch das seit vielen Jahren gerade auch mit Schülern der Sögeler Schulen praktizierte Verlegen von Stolpersteinen zur Erinnerung an die Schicksale unserer vielen ehemaligen jüdischen Mitbürger.“ Eine Vergabe weiterer Straßennamen an Widerständler sei aktuell nicht geplant. „Über Anregungen würden wir uns dennoch freuen.“


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