Reserven sind knapp Blutspender aus Sögel: „Es kann jeden treffen“

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Sögel. Etwas unsicher schreitet Carmen Sebers zur Anmeldung. „Angst vor dem Pikser habe ich nicht. Nur davor, dass mir schlecht wird.“ Für die 21-Jährige aus Börger ist es heute eine Premiere. Zum ersten Mal wird sie Blut spenden.

Einen geeigneteren Termin hätte sich Sebers nicht auswählen können. Durch die Sommerzeit und das anhaltend gute Wetter sind die Lagerbestände für eine lückenlose Blutversorgung stark reduziert. Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bittet daher die Bevölkerung einmal mehr, zum Blutspenden zu gehen.

Bei der Aktion des DRK-Ortsvereins Sögel in der Schule am Schloss werden an diesem warmen Spätnachmittag rund 100 Menschen jeweils rund einen halben Liter Blut spenden. Eine davon ist Erstspenderin Sebers. Alleine bei ihrer Premiere ist sie allerdings nicht. „Mein Freund hat mich überzeugt mitzugehen“, erzählt die 21-Jährige. Ihr Freund heißt Julian Grote und gibt heute zum siebten Mal freiwillig sein Blut ab. „Es ist einfach eine wichtige Sache, die jeder machen sollte, der es kann.“

Wichtiger Fragebogen

Bei der Anmeldung erhält jeder Spender ein Formular, dass außer den Personalien auch Informationen zum allgemeinen Gesundheitszustand, Erkrankungen, Operationen, Drogenkonsum, Medikamenten oder Auslandsaufenthalten abfragt. „Diese Daten sind wichtig“, erklärt Karin Maschmeier. Die DRK-Gebietsreferentin für den Bereich Emsland und Grafschaft Bentheim begründet dies auch. „Für den Arzt vor Ort ist durch die Angaben ersichtlich, ob der Spender überhaupt für eine solche in Frage kommt.“

Arzt entscheidet über Spendefähigkeit

Nach dem Ausfüllen des Fragebogens steht für jeden Spender der Gang zum Arzt an. Vor der Tür zum Mediziner erfolgt allerdings noch ein Pikser in einen Finger. „Der Tropfen Blut reicht uns aus, um den Hämoglobinwert sowie den Eisengehalt im Blut feststellen zu können“, so Maschmeier. Zudem wird hier auch die Körpertemperatur gemessen. Das anschließende Gespräch mit dem Arzt fällt in der Regel kurz aus. „Hier gehen Spender und Mediziner gemeinsam den Fragebogen durch. Im Anschluss entscheidet der Arzt, ob eine Spendefähigkeit vorhanden ist.“

Halber Liter Blut in 15 Minuten

Die eigentliche Spende erfolgt erst jetzt. Im Spenderaum werden Laborröllchen und Blutbeutel ausgehändigt. „Dann wird es ernst“, berichtet Maschmeier. Absolut entspannt liegen in diesem Moment Rainer Geers aus Hüven sowie die Sögelerin Rita Wester auf ihren Liegen, während ihnen in maximal 15 Minuten der halbe Liter Blut abgezapft wird. „Probleme damit habe ich bislang noch nie gehabt“, erzählt Geers. Liegepartnerin Wester stimmt ihm nickend zu.

„Reine Kopfsache“

„Schwammig wird eigentlich fast nur Erstpendern“, weiß Maschmeier. „Reine Kopfsache“, fügt sie hinzu. Auf Carmen Sebers trifft dieses übrigens nicht zu. Sie meistert ihre Premiere ganz souverän. Für den Fall, dass bei einem gesundheitliche Probleme auftreten, steht laut Maschmeier gut ausgebildetes medizinisches Personal bereit. „Die kommen alle aus dem Gesundheitsbereich und können jederzeit eingreifen.“

Blut wird untersucht

Nach der Spende wird das Blut zum Zentralinstitut des DRK nach Springe transportiert. Hier werden sämtliche Blutkonserven aus Niedersachsen, Oldenburg und Bremen verarbeitet. Die Blutkonserven werden untersucht, es werden die Blutgruppen ermittelt sowie das Blut auf Infektionskrankheiten untersucht. Danach werden die Blutkonserven verarbeitet. Dabei entstehen die drei Blutpräparate Blutplasma (drei Jahre haltbar), Blutplättchen (vier Tage haltbar) und rote Blutkörperchen (42 Tage haltbar). „Deshalb hat der Beutel auch drei Bereiche“, erklärt Maschmeier.

Gesundheitscheck vor Ort

Eine Spende habe nach ihren Worten daher auch den Vorteil, dass das eigene Blut kontrolliert wird. „Es ist quasi ein Gesundheitscheck vor Ort.“ Sollte Werte auffällig seien, bekomme der Spende umgehend ein Info. An diesem Tag sind es rund Menschen, die in Sögel ihr Blut freiwillig abgeben.

„Es kann jeden treffen“

Zum 125. Mal macht dies an diesem Tag auch Wolfgang Wind. Der 53-jährige Sögeler spendet Blut, seitdem er darf. Vier- bis fünfmal im Jahr ist dies der Fall. So manchen Blutspender-Pass hat er bereits voll, weil nur Platz für eine begrenzte Anzahl an Stempeln vorhanden ist. „Ich denke immer daran, wenn man selbst mal in die Situation kommt, eine Spende zu benötigen“, erklärt Wind und ergänzt: „Es kann jeden treffen.“

Imbiss ersetzt das Abendbrot

Verständnis für Verweigerer hat er keine. „Wenn kein triftiger Grund vorliegt, kann das jeder machen. Keinen Bock zu haben, ist definitiv keiner“, stellt der Sögeler klar. Gesundheitliche Probleme habe er nach einer Spende noch nie gehabt. „Es tut auch kaum weh, auch wenn dies natürlich zum Teil auch vom richtig gesetzten Nadelstich abhängt.“

Und hungrig ist der 53-Jährige auch noch nie von einer Spende nach Hause gegangen. „Der Imbiss mit belegten Brötchen und Kaffee ist wirklich gut und ersetzt das Abendbrot in den eigenen vier Wänden.“


Die nächsten Blutspende-Termine im nördlichen Emsland

Heede, 26. Juli, ab 17 Uhr, Haus des Bürgers

Fresenburg, 30. Juli, ab 16.30 Uhr, Haus Rüschen

Hilkenbrook, 31. Juli, ab 16.30 Uhr, Heimathaus

Werpeloh, 31. Juli, ab 16.30 Uhr, Mehrgenerationenhaus

Papenburg, 31. Juli, ab 13 Uhr, bei McDonald‘s

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