Seit 50 Jahren Landkreiseigentum Schloss Clemenswerth Sögel: Die schöne Last mit dem Lustschloss

Von Maike Plaggenborg


Sögel. Dass das Schloss Clemenswerth eine geschichtsträchtige Anlage ist, ist für jeden offensichtlich. Weniger bekannt sind die Eckpfeiler der Geschichte, seit der damalige Landkreis Aschendorf-Hümmling das Schloss 1968 gekauft hatte. Vor Ort gibt es darüber zurzeit eine Ausstellung, in dessen Titel das Wort „Herausforderung“ steckt. Und die zeigt sich im Rückblick auf 50 Jahre Landkreiseigentum.

Mit dem Kaufpreis, der heute nominal für ein Einfamilienhaus üblich wäre, ist der Landkreis Aschendorf-Hümmling 1968 in den Besitz des Jagdschlosses Clemenswerth gekommen. Es flossen 550.000 Deutsche Mark (DM) an den Eigentümer: das Adelsgeschlecht Haus Arenberg. Von da an in öffentlicher Hand waren acht leere Schlossgebäude und 6,5 Hektar des Geländes. Mit einem Zuschuss von 125.000 DM stieg das Land Niedersachsen ein. Das entsprach damals dem gesamten Jahresetat des Landes für Denkmalpflege, wie Andrea Kaltofen, Leiterin des Fachbereichs Kultur im Landkreis Emsland, berichtet. Die Städte und Gemeinden brachten 350.000 DM auf – Geld, das letztlich für den Ausbau weiterer Wirtschaftswege fehlte. Auch mehrere Spender beteiligten sich. Zur Zeit des Ankaufs seien die Gebäude von der Substanz her in Ordnung gewesen. „Im Prinzip waren sie beim Kauf unversehrt“, sagt Kaltofen, auch wenn das Hauptschloss im Zweiten Weltkrieg zwei Einschläge abbekommen hat. Es sei damals ein Lazarett für kanadische Besatzer gewesen. Das Haus Arenberg habe das Schloss im weiteren Verlauf „bewusst nicht umgebaut“. Und das, so meint Kaltofen, „ist eine einzigartige Situation, dass es so erhalten ist“. Clemenswerth allerdings hatte wenig Besuch von seinem Hausherrn. Der Herzog von Bayern, Kurfürst und Erzbischof von Köln nutzte es als Refugium für Privatvergnügen, also als sogenanntes Lustschloss. „Er hat sich hier zehn bis zwölf Mal aufgehalten, mehr nicht“, sagt Kaltofen.

Es sind Millionen investiert worden

Das Programm für den früheren Landkreis – seit der Kreisreform 1977 der Landkreis Emsland – lautete seit dem Kauf dennoch auf Sanierungen und Restaurierungen. Die erste Phase dauert bis 1971. In dem Jahr sei das Schloss der Öffentlichkeit übergeben worden, so Kaltofen. Der Zeit seit 1968 hat der Landkreis eine Sonderausstellung mit dem Titel „Schloss Clemenswerth – eine Herausforderung. 50 Jahre für die Öffentlichkeit“ gewidmet. Sie ist eine Chronik über die Maßnahmen in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Nachzulesen ist das auf Plakaten und Aufstellen, die überwiegend auf dem Gelände zu finden sind. Ein Plan zur Ausstellung verrät, wo was zu erfahren ist. Weitere Info liefert der Ausstellungsteil im Pavillon Paderborn. Aber: „Was ausgestellt ist, ist längst nicht alles, was gemacht wurde“, sagte Kaltofen. Und das Gemachte lasse sich obendrein nicht in eine Zahl formen. Nur so viel verrät sie: „Es sind Millionen investiert worden“. Allein die Sanierung der Dächer habe 800.000 Euro gekostet. Die passierte zwischen 2006 und 2007.

Schlosswald im Jahr 2000 dazubekommen

Es blieb nicht bei dem einen Großprojekt. Im Jahr 2000 vervollständigte der Landkreis sein Eigentum und kaufte den Schlosswald dazu, „um das Kulturdenkmal zu arrondieren“, sagt Kaltofen. Weitere 35 Hektar kamen also hinzu. Allerdings floss in diesem Fall kein Geld an die Arenberg GmbH, wie sie inzwischen hieß, sagte Kaltofen. Der Landkreis habe Flächen im Zuge der Flurbereinigung mit dem Vorbesitzer getauscht. Die Erweiterung brachte neue Arbeit mit sich. In den folgenden fünf Jahren wurden die Reparatur, Sanierung und Erneuerung der Alleen fällig. 481 Linden wurden gepflanzt. In die Liga dieses Projekts reihen sich die Vorbereitungen auf das Jubiläumsjahr 1987 ein. Mit den umfangreichen Arbeiten wurde ganze vier Jahre vor dem 250-jährigen Bestehen des Schlosses begonnen. „Die Innenausstattung wurde aufbereitet“, berichtet Kaltofen weiter. Unter anderem seien im Hauptschloss wieder barocke Farben aufgetragen worden anstelle eines Jägergrüns.

Eine Schildkröte ergänzt die Sammlung

Im Obergeschoss sind neue Tapisserien – Wandteppiche – angefertigt worden. Bereits erwähnte kanadische Besatzer schnitten sie aus den Rahmen und nahmen sie mit, sagt die Kulturbereichsleiterin. Mit der Vorlage alter Fotografien und Stoffresten im Rahmen konnten sie neu produziert werden. In den Jahren 1986 bis 1989 sind sie im belgischen Mechelen nachgewebt worden. Weiteres und umstrittenes Großprojekt war die barrierefreie Gestaltung der Wege unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Der 320 Meter lange Rundweg um das Hauptschloss wurde Anfang August 2016 freigegeben. Kostenpunkt: 569.000 Euro.

Andauernder Auftrag des Emslandmuseums, das 1972 unter Leitung des Direktors Eckhard Wagner gegründet wurde, ist es, fehlende Teile des Jagdservices zurückzukaufen. Zuletzt wurde eine Terrine in Form einer Schildkröte für 70.000 Euro angeschafft. Zur bestehenden Sammlung gehört beispielsweise auch ein Saukopf, aus dessen Nase der Dampf der heißen Suppe steigt. „Barock ist Inszenierung“, kommentiert Kaltofen. (Weiterlesen: Jagdservice hat für Schoss Clemenswerth große Bedeutung)

Ein Ende der Arbeiten auf Schloss Clemenswerth scheint es nicht zu geben. „Hier ist immer irgendwas“, sagt Kaltofen, was wiederum auch spannend sei. Zu den außerplanmäßigen Dingen kommen jährliche Fixkosten. Auf Anfrage teilt Kreissprecherin Anja Rohde einen Betrag von 66.000 Euro für 2017 für unter anderem Strom, Wasser, Versicherung, Wartung und Steuern mit. Der Betrag sei aber von Jahr zu Jahr variabel. Abgesehen davon: „Jede neue Maßnahme finde im Kreistag immer Anklang“, sagt Kaltofen. Die Ausstellung, die überwiegend draußen platziert ist, endet am 31. Oktober.


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