Schlachthof, Fachmarkt, Bestattungswald Im Interview: Klare Worte vom Sögeler SG-Bürgermeister

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Bleibt im Sommer in der Heimat: Sögels Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers. Foto: Christian BellingBleibt im Sommer in der Heimat: Sögels Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers. Foto: Christian Belling

Sögel. Grundschul- und Turnhallenneubau, der Bestattungswald im Spahner Südholz, die Situation der Werkvertragsarbeiter auf dem Schlachthof Weidemark und atmosphärische Störungen mit einer Mitgliedsgemeinde – dass das erste Halbjahr für Sögels Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers beileibe nicht langweilig war, wird im Interview mit unserer Redaktion deutlich.

Zu Jahresbeginn teilte die Samtgemeinde Sögel mit, den Kurs der vergangenen Jahre fortsetzen zu wollen und weiterhin in das Sport- und Schulwesen zu investieren. Mit 2,8 Millionen Euro sollen mehr als Hälfte des Investitionsvolumens in Höhe von 5,4 Millionen Euro in diesen Bereich gehen. Wie sieht zu Jahresmitte der aktuelle Stand aus? Was konnte bereits angegangen werden, an welchen Stellen wird es Verzögerungen geben?

Am Neubau der Großraumturnhalle, die sehr plötzlich gesperrt werden musste, arbeiten wir mit Hochdruck. Das Baugrundgutachten liegt vor, so das jetzt die Statik erstellt werden kann. Ansonsten ist der Bauantrag fertig. Die Finanzierung werden wir auch klären. Parallel sollen ab Winter die Umkleideeinheiten in der gesperrten Halle wieder nutzbar sein, weil bis dahin das Einsturz gefährdete Dach abgetragen sein soll. Die Umkleideeinheiten sind für den Betrieb des Kunstrasenplatzes und der Sportschule Emsland sehr wichtig. An den Grundschulen werden wir wesentliche Arbeiten in den Herbstferien durchführen. Bei den Planungen für den faktischen Grundschulneubau in Sögel werden wir in diesem Jahr ein gutes Stück vorankommen.

Im vergangenen Jahr rief die geplante und im Oktober auch beschlossene Realisierung der Errichtung eines Bestattungswaldes im Spahner Südholz intensive Diskussionen hervor. Welche Arbeiten werden derzeit durchgeführt und wann sollen dort die ersten Beerdigungen stattfinden?

Die innere und äußere Erschließung des Bestattungswaldes wird bald erledigt sein. Dass die wenigen Gegner alle juristischen Mittel aufbieten, um das Projekt zu verhindern, ist unserem Rechtsstaat geschuldet und legitim. Die Kritik an meiner Person und dem Handeln der Verwaltung ist nicht gerechtfertigt, weil es für den Bau von Geh- und Fahrradwegen bisher keine Genehmigungspflicht gab. Wenn das jetzt anders ist, soll es mir recht sein. Ist erst alles fertig, werden auch die wenigen verbliebenen Kritiker eingestehen müssen, dass wir ein gutes Projekt für und nicht gegen die Menschen beschlossen und durchgesetzt haben. Ich rechne im Spätsommer mit den ersten Bestattungen dort.

Auch das von einer Sögeler Investorengruppe geplante Fachmarktzentrum an der Sigiltrastraße wurde intensiv debattiert. Hat sich der Rauch hier mittlerweile verzogen?

Das Projekt mit Lebensmittel- und Elektrofachmarkt an der Sigiltrastraße ist auf gutem Wege. Die sechsköpfige Investorengemeinschaft hat das Eigentum an Grundstück und Gebäude des alten Edeka-Marktes und mittlerweile auch das sogenannte Friedhofsgrundstück von uns erworben. Die Gemeinde hat ihr Grundstück übrigens exakt auf der Basis eines Wertgutachtens des Katasteramtes Meppen an die Investorengruppe verkauft. Unsererseits stehen alle Zeichen auf grün. Der von drei Instanzen festgestellte Verstoß gegen das Mitwirkungsverbot, wodurch sich zwei Ratsherren Insiderwissen besorgt und sich nun zu ihrem persönlichen Vorteil an einer Millioneninvestition mit hohen Renditeerwartungen beteiligen, kann natürlich nicht ohne Folgen bleiben.

Weiterhin beschäftigt die Samtgemeinde die Situation der Werkvertragsarbeiter auf dem Schlachthof Weidemark. Obwohl es dort seit einigen Jahren große Anstrengungen gibt, die Arbeits- und Lebensbedingungen der größtenteils osteuropäischen Arbeiter zu verbessern, wurden auch in der ersten Jahreshälfte 2018 wieder Klagen laut. Einige sehen den sogenannten „Sögeler Weg“ sogar als gescheitert. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Das Wort Scheitern ist eine Erfindung der Gewerkschaft NGG. Der Wunsch der NGG und die Wirklichkeit hier vor Ort gehen hier aber weit auseinander. Natürlich gefällt auch mir das Werkvertragswesen in dieser Ausprägung nicht. Es existiert aber längst in ähnlichem Ausmaß in vielen Branchen auch in unserer Region und muss bundespolitisch bearbeitet werden. Der Arbeitskräftemangel wird andauern und der regionale Arbeitsmarkt auch auf Dauer nur durch ausländische Arbeitskräfte abzudecken sein. Umso wichtiger ist es, dass wir hinschauen und im Zweifel eingreifen. Das tun wir in Sögel besser als an jedem anderen Standort in der Republik.

Im Mai verließ Samtgemeindekämmerer Benno Boitmann erzürnt eine Ratssitzung in Börger, als ihm Ratsherr vorwarf, an Zahlen „etwas getürkt“ zu haben. Ihr Stellvertreter Hans Nowak forderte daraufhin in der nächsten Sitzung öffentlich eine Entschuldigung ein, die allerdings ausblieb. Wie wirken sich die Vorkommnisse auf die Zusammenarbeit zwischen der Samtgemeinde Sögel und der Mitgliedsgemeinde Börger aus?

Das wenig niveauvolle Verhalten einzelner Ratsherren wirft uns nicht aus der Bahn. Auch die Bürger der Gemeinde Börger wollen solche Streitereien nicht. Wir konzentrieren uns daher nach der wirklich gut gelungenen Grundschulsanierung und unserer Beteiligung und Unterstützung am Sporthallenneubau und der Zehntscheune des Heimatvereins jetzt auf den Bau des Gemeinde- und Kulturzentrums in der Börgeraner Ortsmitte. Dafür haben wir als Samtgemeinde mit der Einwerbung von 600.000 Euro Fördermitteln die Basis geschaffen. Und wir begleiten die Gemeinde jetzt aktiv bei der Planung und Umsetzung. Börger wird dadurch einen Entwicklungsschub erfahren. So soll es sein.

Worüber haben Sie sich als Samtgemeindebürgermeister am meisten gefreut, wenn sie das erste halbe Jahr 2018 kurz Revue passieren lassen? Was erwarten Sie für das zweite Halbjahr?

Ich habe Freude daran, dass unsere Wirtschaft so gut dasteht und wir Vollbeschäftigung haben, wir die Angebote an Seniorenbetreuungseinrichtungen deutlich verbessern konnten und das Hümmling Hospital Sögel sich so gut entwickelt. Dank der vielen Haupt- und vor allem Ehrenamtlichen gelingt es immer besser, Flüchtlinge aus den sozialen Systemen heraus und in Arbeit zu bringen, obwohl einige mangels Asylgrund vermutlich nicht werden bei uns bleiben können.

Im Fokus des zweiten Halbjahres stehen für die Samtgemeinde die Planungen für die Grundschulsanierung und den Sporthallenneubau in Sögel sowie Naturparkprojekte. Der Zustand der Straßen- und Radwege ist bedenklich. Da müssen Weichen gestellt werden. Der Sicherstellung der medizinischen und vor allem pflegerischen Versorgung unserer immer älter werdenden Bevölkerung gehört unsere größte Aufmerksamkeit.

Auch ein Verwaltungschef braucht mal Urlaub. Wo wird es Sie hinziehen und welchen Urlaubstipp haben Sie für diejenigen, die in der Samtgemeinde Sögel bleiben?

Ein Sommerurlaub steht in diesem Jahr nicht an. Vielleicht werden wir im Herbst noch mal wegfahren. Bei genauem Hinsehen ist der Sommerkalender in unserer Samtgemeinde prall gefüllt mit kulturellen Highlights. Da kommt keine Langeweile auf.


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