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Erneuter Antrag bei Guinness-Verlag? Rekordschal-Eintrag: Claudia Nieters gibt nicht auf

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Werpeloh. Die Werpeloherin Claudia Nieters, die den mit 7203 Metern (vermeintlich) längsten Schal der Welt gestrickt hat, gibt nicht auf, den Rekordversuch auf offiziell ins „Guinness Buch der Rekorde“ eingetragen zu bekommen. Etwa 5000 Meter des Werks hat sie inzwischen verschenkt und mehr als 5000 Euro an wohltätige Zwecke gespendet.

Zwar nicht mehr täglich, aber immer noch regelmäßig wird Claudia Nieters auf den 16. Mai 2016 angesprochen. An diesem etwas verregneten damaligen Pfingstmontag wurde in ihrem Heimatort Werpeloh der Riesenschal ausgewickelt, den sie in den vorangehenden viereinhalb Jahren in mühseliger Kleinarbeit gestrickt hatte. „Ein Schal aus einem Stück“, wie die 49-Jährige betont. Das halbe Dorf inklusive der örtlichen Feuerwehr war auf den Beinen, sie wurden genauso wie der Notar Peter Krause aus Sögel und zahlreiche Medienvertreter Zeuge, wie das Messgerät am Ende die Zahl von 7203 Metern auswarf. 580 Kilo wog der Mammutschal. Der bisherige Weltrekord des Norwegers Helge Johansen mit 4565,46 Metern schien locker geknackt.

Doch der Guinness-Verlag, der einmal im Jahr das berühmte „Buch der Rekorde“ herausbringt, wollte den Rekord nicht anerkennen. Die „Beweisführung“ se i unzureichend gewesen, weil Nieters kein Video vorgelegt habe, welches die Messung des Schals von Beginn bis zum Ende zeigte. Auch der abermalige Hinweis, ein Notar und zig Dutzend Zeugen hätten die Messung begleitet, konnten den Verlag aus London nicht überzeugen.

Besuch von Mann, der mit Eintrag ebenfalls scheiterte

Ein Mann, der in den vergangenen Monaten dreimal vergeblich versucht hat, einen Weltrekord beim Guinness-Verlag eintragen zu lassen, könnte neuen Schwung in die Angelegenheit bringen. Klaus Peter Beier aus Alpen im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen sammelt nämlich derzeit bundesweit Dokumente derartiger „abgelehnter Rekorde“. Er hat Claudia Nieters vor kurzem in Werpeloh besucht. „Bei allen Fällen, die er ausfindig gemacht hat, hat es nämlich keinen Besuch eines offiziellen Guinness-Richters gegeben. Dieser Besuch kostet nämlich mehrere tausend Euro“, berichtet Nieters.

(Weiterlesen: Werpeloher Rekordschal doch kein Weltrekord?)

Klaus Peter Beier will nun beweisen, dass der Guinness-Verlag Rekorde bevorzugt von Menschen anerkennt, die bereit waren, den Prüfer zu bezahlen. „Neben meinen drei sind mir mindestens sechs Rekordversuche bekannt, in denen es so war und die mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt wurden“, berichtet Beier auf Anfrage. Er will nach Abschluss seiner Recherchen bewerten, ob es Sinn macht, gebündelt einen neuen Eintragungsversuch zu starten, also auch beim „Rekordschal“ aus Werpeloh.

Positive Aspekte der Aktion überwiegen

Auch wenn es nicht klappen sollte, überwiegen bei Claudia Nieters die positiven Aspekte des Rekordversuchs. In einem dicken blauen Ordner hat sie alle Erinnerungen an die Entstehung des Schals, dem Tag des Messens und die aufregende Zeit danach gesammelt. Mehrere Kamerateams haben Claudia Nieters in der Folgezeit besucht, woraus mehrere Fernsehbeiträge entstanden sind, zum Beispiel bei „Terra Xpress“, „Hallo Deutschland“ (beide ZDF) sowie den Mittagsmagazinen von RTL und Sat1. Zu Gast war Nieters auch in den Quizshows „Leuchten des Nordens“ und „ Kaum zu glauben “ des NDR.

Kein neuer Rekord geplant

Mehr als 5000 Meter hat sie inzwischen, zu jeweils drei Meter langen Schals unterteilt, verschenkt oder sie gegen eine Spende abgegeben. Alleine 180 Schals erhielt die Kinder- und Jugendpsychologie (KJP) Aschendorf, mehrere Dutzend gingen an das Kinder- und Jugendhaus „Leuchtturm“ in Haren-Emmeln, die Kinderhäuser in Renkenberge und Melstrup oder die Johannesburg in Surwold. Mehr als 5000 Euro Spenden erhielten unter anderem die Grundschule, die Feuerwehr und der Sportverein in Werpeloh oder bundesweite Aktionen wie der „RTL-Spendenmarathon“, „Hand in Hand für Norddeutschland“ und „Kinder in Not“. Etwa 2000 Meter des Schals, zusammen gewickelt in fünf großen Knäuel, liegen allerdings noch immer in der Garage des Hauses der Familie Nieters – im übrigen in einwandfreiem Zustand.

Zu vielen Abschnitten des riesigen Schals kann sie noch immer Anekdoten erzählen, weil sie noch weiß, wer die jeweilige Wolle gespendet hat oder wo sie diese erworben hat. Mit dem Dauer-Stricken hat sie inzwischen aber abgeschlossen, ein neuer Rekordversuch, auch mit einer anderen Idee, soll es nicht mehr geben.