Gemeinde beteiligt sich an Finanzierung Sögeler Rat stimmt knapp für Ladegleis an sanierter Bahnstrecke

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Mit mehr als 400.000 Euro beteiligt sich die Gemeinde Sögel an den Planungs- und Baukosten für ein Ladegleis an der sanierten Hümmlingbahnstrecke. Symbolfoto: ColourboxMit mehr als 400.000 Euro beteiligt sich die Gemeinde Sögel an den Planungs- und Baukosten für ein Ladegleis an der sanierten Hümmlingbahnstrecke. Symbolfoto: Colourbox

Sögel. Die Gemeinde Sögel wird sich mit einem Gesamtfinanzvolumen in Höhe von mehr als 400.000 Euro an den Planungs- und Baukosten für ein Ladegleis an der Bahnstrecke von Lathen nach Werlte beteiligen. Das hat der Rat am Dienstagabend nach einer teils emotionalen Debatte mit knapper Mehrheit (11:9 Stimmen) beschlossen.

Durch den Beschluss, für den die CDU stimmte – SPD und FDP waren dagegen – hat der Gemeinderat einen entsprechenden Antrag der Emsländischen Eisenbahn gebilligt. Die Landkreis-Tochter betreibt die vornehmlich mit Mitteln von Bund und Land für fast zehn Millionen Euro wiederbelebte Bahnstrecke. Das Gesamtinvestitionsvolumen für die Ladeanlage ist mit knapp 2,6 Millionen Euro veranschlagt. Der Finanzierungsplan sieht vor, dass das Land drei Viertel der Kosten übernimmt, die verbleibenden 25 Prozent übernehmen Landkreis und Gemeinde. Gebaut werden soll in den Jahren 2019 und 2020, die Gelder aus Sögel entsprechend auf die beiden Haushaltsjahre verteilt werden.

Das Ladegleis soll parallel zum Streckengleis im Bereich der Straßen „Bocksfelde“ und „Lienbusch“ entstehen und beidseitig an die Strecke angebunden werden. Zudem ist eine Ladestraße geplant. Die Gemeinde will angrenzend außerdem ein Gewerbegebiet mit Lagerflächen unter anderem für Schüttgüter ausweisen.

Namentlich abgestimmt

Vor der Abstimmung, die auf Antrag des SPD-Fraktionsvorsitzenden Anno Immenga namentlich durchgeführt wurde, nachdem ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten auf geheime Abstimmung knapp gescheitert war, hatte Gemeindedirektor Günter Wigbers ein flammendes Plädoyer für das Vorhaben gehalten. SPD und FDP zeigten sich davon allerdings nicht überzeugt. Auch vom Bund der Steuerzahler hatte es im Vorfeld der Ratssitzung Kritik gegeben, die Wigbers in der Sitzung erneut mit scharfen Worten konterte: „Der Steuerzahlerbund hat keine Ahnung und läuft Gefahr, dass er sich bis auf die Knochen blamiert.“ Der Verfasser der Kritik wisse nicht einmal, wo Sögel liegt.

Zwei „ernsthafte“ Interessenten

„Logistik wird ein Mega-Thema für die Zukunft“, sagte Wigbers und verwies auf die Infrastruktur auf dem Hümmling ohne Bundesstraße, Autobahn, Wasserstraße und ein „schlecht ausgebautes Landesstraßennetz“. Die Sanierung der Bahnstrecke sei erklärter politischer Wille aller großen Parteien auf Bundes- und Landesebene gewesen – auch, um mehr Lkw-Ladungen auf andere Verkehrsträger zu verlagern.

Wie Wigbers weiter ausführte, gebe es für die Verladestation bereits jetzt zwei ernsthafte Interessenten. Die Namen der Unternehmen könne unter Berücksichtigung von deren Interessen derzeit aber noch nicht nennen. Sicher sei aber, dass die Anlage allein mit den beiden Unternehmen bereits an zwei von fünf Tagen ausgelastet wäre. Wie in der Beschlussvorlage nachzulesen ist, ist vor allem die Entladung von Schüttgütern und die Beladung mit Holz vorgesehen. „Wenn wir uns wirtschaftlich weiterentwickeln wollen, müssen wir uns zwingend dazu durchringen, ein neues Ladegleis in Sögel zu bauen“, betonte Wigbers.

FDP für alten Bahnhofsstandort

FDP-Einzelratsherr Franz-Josef Bruns, dessen von der SPD unterstützte Antrag auf Vertagung von Beratung und Beschlussfassung bis zur nächsten Ratssitzung knapp abgelehnt worden war, sprach sich auch aus wirtschaftlichen Gründen für ein Ladegleis am bisherigen Bahnhofsstandort aus. Dort ist aus seiner Sicht im Gegensatz zur Auffassung von Verwaltung und CDU genügend Platz für die Be- und Entladung von Güterzügen. Ralf Schröder (SPD) sah die avisierte Auslastung nicht überzeugend dargestellt. Er warf Wigbers Übertreibung vor und plädierte für eine Gleisführung direkt zu den Betrieben. Grundsätzlich seien ihm „zu viele Punkte offen“, so Schröder.

SPD: Keine Verhinderungspolitik

Immenga wies einen vom stellvertretenden Gemeindedirektor Hans Nowak erhobenen Vorwurf einer „Verhinderungspolitik“ zurück. „Wir hätten einfach gerne nur noch mehr Zeit gehabt“, sagte Immenga, der das Vorhaben in seiner jetzigen Form mit einem Schildbürgerstreich verglich.

Im weiteren Verlauf der Debatte, die zeitweise hin- und her wogte, ging es unter anderem um unterschiedliche Auffassungen bei der Standortfrage, Zuglängen, die Betroffenheit des Neubaugebietes am Schloss, Lärmbelästigung und Eingriffe in die Natur.

Kurz vor der Abstimmung forderte Wigbers vom Rat Mut ein, eine Entscheidung zu treffen und Verantwortung als Ratsmitglied zu übernehmen. „Dafür sind wir gewählt.“

Für die Mitfinanzierung stimmten Anke Bürschen, Niels Gepp, Bernhard Hermühlen, Ulrike Hinrichs Adolf Jelges, Frank Ostermann, Karl Steinbild, Johannes Völker, Irmgard Welling, Sandra Wichmann und Günther Wucherpfennig (alle CDU). Dagegen votierten Gerhard Gerdes, Martin Hinderks, Anno Immenga, Frank Klaß, Thomas Klaß, Helene Kurka, Elena Romanenko, Ralf Schröder (alle SPD) sowie Franz-Josef Bruns (FDP).


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