„Schicksal wachhalten“ 300 Besucher erinnern an das im Krieg zerstörte Wahn

Von Gisela Arling

Meine Nachrichten

Um das Thema Sögel Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


gar Sögel. Zum Gedenken an das ehemalige Dorf Wahn hat in der 53. Auflage das traditionelle „Wahner Treffen“ stattgefunden. Mehr als 300 Besucher, überwiegend ehemalige Bewohner und ihre Angehörigen und Freunde des im Jahr 1943 zerstörten Dorfes Wahn, nahmen daran teil.

„Damit das Gedenken nicht erlischt, wollen wir die Erinnerung an das Schicksal der einstigen Dorfbewohner wachhalten“, so Wilhelm Masbaum, Vorsitzender des Arbeitskreises Alt-Wahn im Heimatverein Sögel.

Pfarrer Bernhard Horstmann feierte zu Beginn eine Eucharistiefeier, die nun schon zum dreizehnten Mal im Rund der wieder freigelegten St.-Antonius-Kirche durchgeführt wurde. Davor fand der Gottesdienst für 40 Jahre auf dem Friedhof statt. Horstmann lenkte in seiner Predigt den Blick auf das aktuelle Papstschreiben zum Thema Heiligkeit. Papst Franziskus seien dabei die „Heiligen der Mittelschicht“ besonders wichtig. Jeder könnte mit Gottes Hilfe heilig sein, so Horstmann und machte das an dem Beispiel der kleinen Münze Caritas deutlich. Während der heiligen Messe wurde zudem den im letzten Jahr verstorbenen Alt-Wahnern gedacht.

Bei Zwangsräumung umgesiedelt

Masbaum ließ es sich nicht nehmen, den 95-jährigen Alt-Wahner Hermann Möhlenkamp als den ältesten Teilnehmer der Veranstaltung zu begrüßen. Möhlenkamp wurde nach eigenen Worten durch die Zwangsräumung des Hümmling-Dorfes Wahn mit seinen Angehörigen nach Belm in den Ortsteil Vehrte umgesiedelt. Alljährlich komme er mit seiner Familie nach Alt-Wahn zum Wiedersehenstreffen, um an der heiligen Messe teilzunehmen, und um sich im anschließenden Beisammensein bei Kaffee und Kuchen ausgiebig auszutauschen. Bis zu seinem 90.Geburtstag sei er noch selber mit dem Auto zum Wahner Treffen gefahren, so Möhlenkamp.

„Begegnung bedeutet Heimatgefühl“

„Für die ehemaligen Wahner bedeutet die Begegnung mit den Stätten ihrer Kindheit oder ihres vorherigen Lebens Heimatgefühl“, betonte Masbaum und fügte hinzu: „ Das Wahner Treffen sorgt für Nachhaltigkeit, denn viele Enkel, Urenkel, Neffen oder Nichten kommen weiterhin an den Ort, an dem ihre Eltern, Großeltern oder Verwandten ein Stück ihres Lebens verbracht haben.“

Die Veranstaltung wurde musikalisch begleitet von den „Trecksackspeelern“ des Heimatvereins Sögel. Masbaum bedankte sich bei der Sögeler Bürgermeisterin Irmgard Welling und den Bediensteten des Bauhofes der Gemeinde für die Unterstützung bei den Vorbereitungen des Treffens.

Fundamente der Wahner Kirche freigelegt

Im Zuge der Erweiterung des Kruppschen Schießplatzes Meppen wurde das alte Heimatdorf Wahn, das zwischen Sögel und Lathen an der Landesstraße 53 liegt, in der NS-Zeit in den Jahren 1939 bis 1943 zwangsgeräumt und anschließend zerstört. Die Wahner St.-Antonius-Kirche, die damals die größte Kirche Nordwestdeutschlands war, hatte insgesamt 650 Sitzplätze. Das Gotteshaus wurde 1942 abgerissen.

Ein sechsköpfiger Arbeitskreis um Wilhelm Masbaum ist es 2007 gelungen, die Fundamente der Wahner Kirche wieder freizulegen und Spuren der Vergangenheit sichtbar zu machen. So freuen sich vor allem die Alt-Wahner, dass die Altarstufen, das Fundament des Glockenturms und der Taufplatz der Kirche wieder sichtbar gemacht wurden. Ebenfalls freuen sie sich über die inzwischen wieder freigelegten Wege und Hofstellen. Im Heimathof in Sögel befindet sich im sogenannten Wahnzimmer eine Ausstellung über die zwangsumgesiedelte Gemeinde Wahn.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN