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20.06.2018, 06:02 Uhr KOMMENTAR

Werkvertragsarbeit in Sögel: Genau auf die Finger schauen

Kommentar von Christian Belling

Immer wieder werden Klagen über die Situation von Werkvertragsarbeitern auf dem Sögeler Schlachthof Weidemark laut. Archivfoto: Jan-Hendrik KuntzeImmer wieder werden Klagen über die Situation von Werkvertragsarbeitern auf dem Sögeler Schlachthof Weidemark laut. Archivfoto: Jan-Hendrik Kuntze

Sögel. Im Gespräch mit unserer Redaktion schildern vier Rumänen, die bis Kurzem als Werkvertragsarbeiter auf dem Sögeler Schlachthof beschäftigt waren, die Arbeitsbedingungen vor Ort. Ein Kommentar.

Ausgebeutet, gesellschaftlich isoliert, mittellos: Diesen Eindruck erhält, der einen Einblick in den Mikrokosmos „Werkvertragsarbeit“ bekommt.

Eindrücklich schildern vier Rumänen, die bis vor wenigen Tagen noch auf dem Sögeler Schlachthof beschäftigt waren, wie sie die Arbeit bei dem Subunternehmen empfanden. Die Liste der Klage ist dabei lang und reicht von „geklauten Stunden“ bis hin zu „Drohkulissen“.

Dass das Konstrukt der Werkvertragsarbeit zu viel Raum bietet, der zum Nachteil von Arbeitnehmer genutzt wird, dürfte keinen mehr überraschen. Eine Direkteinstellung, wie in diesem Fall bei Weidemark, ist die wünschenswerteste Lösung. Doch solange es keine politische Handhabe gibt, die dies einfordert und die Werkvertragsarbeit unterbindet, bleibt dies eine Wunschvorstellung.

Also muss denjenigen Subunternehmen genau auf die Finger geschaut werden, die ihre Arbeiter scheinbar als Menschen zweiter Klasse ohne Rechte ansehen.

Damit dies möglichst effektiv gelingt, ist ein Zusammenspiel aller beratenden Einrichtungen vor Ort nötig. Konkurrierende und wie von Hans-Hermann Hunfeld vom Kolping-Europabüro genannte „dubiose“ Berater helfen keinem. Am wenigsten den Werkvertragsarbeitern, die beim Aufsuchen eines solchen Büros ohnehin schon genug andere Probleme haben.

„Es geht um die Leute“, sagt Hunfeld richtigerweise. Interessen von beratenden Einrichtungen müssen dabei in den Hintergrund treten.


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