Serie „Mein Job und ich“ Förster aus Sögel über Wolfe, tückische Moorflächen und Pilzsammler

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Sögel. In unserer Serie „Mein Job und ich“ spricht diesmal Ansgar Simme, Förster aus Sögel, über die Begegnung mit dem Wolf, tückische Moorflächen, kuriose Begegnungen wie der mit einer Pilzsammlerin und das Grillen von Wildfleisch.

Herr Simme, wissen Sie eigentlich, wie viele Bäume in Ihrem Revier wachsen?

Nein, nicht exakt. Das kann ich nur schätzen, das dürfte eine hohe sechsstellige Zahl sein. Das Revier erstreckt sich von Sögel über der Sprakeler Straße im Süden, der Grenze Tinner Dose im Westen und Renkenberge im Norden bis zur K168. Etwa 1227 Hektar sind forstwirtschaftlich genutzt, hinzu kommen etwa 2000 Hektar Funktionsflächen, die landwirtschaftlich genutzt werden oder als Moorflächen unter Naturschutz stehen. Das ist ein Teil der Tinner/Stavener Dose. Eine kleine Waldfläche außerhalb gibt es in der Nähe von Varrelbusch im Landkreis Cloppenburg.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Mein Vater war leidenschaftlicher Jäger und ich bin als kleiner Junge oft mitgegangen. Meine Familie stammt ursprünglich aus Haselünne. Ich habe dann 1977 ein Praktikum bei einem Förster hier in Sögel gemacht und ein Studium an der Fachhochschule Göttingen zum Diplom-Forstwirten gemacht. Nach etwa fünf Jahren im Bereich der Forstverwaltung habe ich dann 1987 das Forstrevier Hohenheide hier bei Sögel übernommen.

Was sind die täglichen Aufgaben eines Forstamtmannes, wie der Beruf offiziell heißt?

Meine wichtigsten Aufgaben sind, den Wald zu erhalten und zu nutzen. Die natürliche Verjüngung zu fördern, Durchforstungen, also Holzeinschläge, auszuzeichnen und Laubholz zu pflanzen, um den Laubholzanteil im Nadelwald zu erhöhen. Die notwendigen Arbeiten planen wir und vergeben sie an Fachfirmen in Form von Ausschreibungen. Und wir bereiten die Arbeiten vor, zum Beispiel, indem wir die Bäume markieren und Rückelgassen einzeichnen, welche die Firmen nutzen müssen, um den Boden zu schonen. Bei den Durchforstungen werden auch sogenannte Habitatbäume markiert, die stehen bleiben müssen. Dies sind abgestorbene Bäume. Sie dienen Insekten, Fledermäusen, Vögel und anderen Tieren als Lebensgrundlage. An öffentlichen Straßen werden die Bäume zweimal im Jahr kontrolliert, damit keiner zu Schaden kommt und die Verkehrssicherungspflicht eingehalten wird. Das wird zu Fuß erledigt.

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Sie greifen also gar nicht zur Motorsäge?

Nur im Notfall, wenn zum Beispiel ein kleinerer Baum auf einen Waldweg gestürzt ist und eine Fachfirma nicht verfügbar ist. Ansonsten wird inzwischen das meiste Holz mechanisch durch Harvester eingeschlagen, also mechanisiert. Das sind im Jahr etwa 5000 Festmeter. Man kann etwa sagen, dass die Bereiche des Reviers, in denen die Bäume 30 Jahre und älter sind, etwa alle fünf bis acht Jahre durchforstet werden.

Wird das ganze Jahr über gefällt?

Nein, es gibt zwei Hauptzeiten für den Holzeinschlag: Im Herbst vom 5 bis 25. Oktober und im Frühjahr vom 20. März bis 10. April. Das hat auch mit dem Betrieb auf dem Schießplatz der WTD zu tun, wir müssen uns an die schießarmen Zeiten richten. Waldpflege in kleinerem Maße und die Behebung von Sturmschäden finden das ganze Jahr über statt.

Sie wohnen im Forsthaus quasi Mitten im Wald. Sind das Leben und auch Ihre Arbeit im Wald nicht sehr einsam?

Bis vor einigen Jahren gab es noch mehrere Waldarbeiter beziehungsweise Forstwirte und Auszubildende im Revier Hohenheide. Das ist leider nicht mehr so. Inzwischen bin ich meistens allein unterwegs. Sich daran zu gewöhnen, war nicht einfach, das gebe ich zu. Ich habe aber eigentlich immer einen Jagdhund an meiner Seite, daher bin ich letztlich doch nicht alleine unterwegs. Und für das Leben hier am Jägerhof habe ich mich mit meiner Frau und den Kindern ja bewusst entschieden. Wir haben vor einigen Jahren die Gelegenheit genutzt, das Haus zu kaufen, als die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gebäude zum kauf angeboten hat. Hier habe ich auch mein Büro, kann also quasi immer zu Hause arbeiten, was Vorteile hat. Und ich bin sehr schnell im Revier.

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Bäume sind der Witterung ausgesetzt, inwiefern merken Sie dabei Veränderungen bei den Bäumen in Ihrem Revier?

Größere Veränderungen bei den Niederschlagsmengen gab es glaube ich nicht, aber die milderen Temperaturen haben in den vergangenen 25 Jahren zu mehr Sturm- und Unwetterereignisse geführt. Das sorgt dann durchaus immer für Mehrarbeit für uns Förster. Die Gefahr für Bäume sind verschiedene Schädlinge wie Käfer, die sich an geschädigten Bäumen vermehren können. Und wenn auf größeren Flächen Bäume fallen, verändert sich der Lichteinfall auf den Böden. Dadurch können Pflanzen in den Wäldern begünstigt werden, die eigentlich gar nicht in unsere Region gehören, zum Beispiel die Traubenkirsche.

Hatten Sie bei Ihrer Arbeit schon einmal eine kuriose Begegnung oder ein Erlebnis?

Ich bin einmal einer Pilzsammlerin begegnet. Pilze zu sammeln im Wald ist eigentlich nicht verboten, allerdings befand sie sich in einem Waldstück, der zum Schießplatz gehört und zu dieser Zeit es auch noch Schießbetrieb gab. Ich hab sie dann in mein Auto gebeten und habe sie in Sicherheit gebracht. Und dem Wolf bin ich schon zwei Mal begegnet. Ein weniger schönes Erlebnis war, dass ich einmal in einer Tiefmoorfläche eingebrochen bin. Ich konnte mich aber selbst befreien, es blieb bei einer nassen Hose (lacht). Leider regelmäßig kommt es vor, dass wir größere Mengen abgeladenen Müll finden. Das zeigen wir dann bei der Polizei an.

Gibt es Nachwuchsprobleme bei den Förstern?

Derzeit sind die Chancen, angestellt zu werden, bei den Bundesforstbetrieben relativ gut. Das hat damit zu tun, dass viele Förster, die in den 1980er Jahren eingestellt worden sind so wie ich, jetzt bald in Pension gehen. Daher machen derzeit auch viele eine Ausbildung oder studieren im Bereich Forstwirtschaft.

Sind Sie eigentlich auch für die Jagd verantwortlich in Ihrem Revier?

Ja, die Jagd gehört auch zu meinen Aufgaben. Die Rehe und auch das Damwild müssen bejagt werden, damit der Wald sich natürlich verjüngen kann. Das Schwarzwild verursacht Schäden in der Landwirtschaft und vermehrt sich enorm. Für die Einzeljagd auf dem Schießplatz der WTD kann man sich beim Bundesforstbetrieb bewerben. Meine Aufgabe ist dann, die Jagdgäste auf die Hochsitze zu verteilen oder sie dorthin zu begleiten. Zwei Mal im Jahr findet zudem eine Bewegungsjagd statt, die ich mitorganisiere. Anschließend verkaufe ich das Wildbret, also das Fleisch, aber nur im ganzen Stück. Das ist hochwertiges Biofleisch. Meine Familie und ich essen es gern. Es lässt sich zum Beispiel wunderbar grillen.

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