Aktuelle Mundspeichelproben Neue Mordkommission in Sögel im Fall Elke Sandker

Von Maike Plaggenborg


Sögel. In den Fall der vor knapp 23 Jahren in Sögel getöteten Elke Sandker kommt weiter Bewegung. Aktuell hat die Polizei eine neue Mordkommission in Sögel eingerichtet und einige Mundspeichelproben von denjenigen genommen, die bereits damals überprüft wurden.

Dieter Schmidt, Erster Kriminalhauptkommissar der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, spricht über die 1995 ermordete Frau wie über einer alte Bekannten. Er nennt sie beim Vornamen, sagt, dass sie bekannt und sehr beliebt war, berichtet aus den letzten Stunden ihres Lebens – alles rekonstruiert, doch Schmidt ist dennoch nah dran an dem Geschehenen. Es ist damals der erste Mord seiner Laufbahn, wie er sagt, und bis heute der einzige, den der inzwischen leitende Ermittler der „Mordkommission Elke Sandker II“nicht aufklären konnte. Aufrecht bleibt seitdem der Kontakt zur Familie. Mal mehr, mal weniger intensiv. Seit Jahresanfang 2018 aber nimmt dieser wieder zu, und es wächst die Hoffnung, den Täter zu finden. Denn im Januar können Kollegen vom Landeskriminalamt DNA-Spuren auf der Kleidung Sandkers extrahieren. „Wir haben die Opferkleidung immer wieder untersuchen lassen, aber noch nie mit so einem positiven Ergebnis“, sagt Schmidt. Der Fall wird neu aufgerollt. Das war passiert: Die damals 24 Jahre alte Rechtsanwaltsgehilfin kommt nach einem Kirmesbesuch in Sögel nicht nach Hause. Am Tag darauf – es ist der 22. August 1995 – finden ihre Freunde Sandker erdrosselt auf einem Feld. Feststeht: Sie wurde nicht vergewaltigt.

Wenn jemand verweigert, „gucken wir genauer hin“

Seit Mitte Juni gibt es die neue Ermittlungseinheit in der Polizeistation Sögel. Wie viele Leute darin mitarbeiten, will Schmidt nicht sagen. Sie beschäftigt sich fortan täglich nur mit diesem Fall, arbeitet Hinweise nach frischen Berichterstattungen der vergangenen Wochen ab und geht das Thema Speichelproben an, erklärt Schmidt. Wer schon damals ohne Alibi ist, steht auch heute wieder auf der Liste der ermittelnden Mordkommission. Alle bereits 1995 überprüften Personen werden auch heute wieder aufgesucht und um die Probe gebeten. Schmidt und Kollegen setzten auf Freiwilligkeit. Und Eigeninitiative. „Das würde uns helfen.“ Und wenn jemand verweigert? „Da gucken wir genauer hin“, sagt Schmidt und meint: „Ich wüsste nicht, warum man die Arbeit der Polizei nicht unterstützen will.“ Bisher haben alle mitgemacht, sagt er. Auch diese Anzahl will er nicht verraten. Wie es aussieht, werden noch viele folgen. „Wir haben damals viele überprüft“, sagt Schmidt, und nicht nur wegen der Masse ist die Suche nach probengebenden Kandidaten schwierig. Nach einer Zeitspanne von fast 23 Jahren müssen zunächst die Meldedaten überprüft werden. Und: „Einige sind verstorben.“ Weitere Maßnahmen müssen dann gut begründet werden, denn kommt das Thema Exhumierungen auf den Tisch, brauche es einen richterlichen Beschluss.

Kommt es zu einem Reihengentest?

Wenn alles nicht hilft, muss der letzte Fahndungsweg in Sachen Wattestäbchen ran. Ein Reihengentest wäre eine Überlegung, die neue Schwierigkeiten hervorbringt: Auf welche Region beschränkt man den Test? Die Kirmes, die Sandker damals in besagter Nacht besuchte, hatte ein großes Einzugsgebiet. Welche Altersgruppe kommt in Betracht? Bei allen 20- bis 60-jährigen Männern verpasst man den möglichen Täter, der damals auch 19 oder 61 Jahre alt gewesen sein könnte.

Eine weitere Hoffnung hat der Kommissar auf Hinweise, die sich aus dem „dynamischen Kampfgeschehen“ zwischen Sandker und ihrem Mörder ergeben. Dafür gebe es Anhaltspunkte – verdreckte Kleidung etwa. Die Ermittler haben damals zwar kein Blut auf dem Stoppelfeld an der Werlter Straße nahe der Nordradde, also dem Fundort der Toten, gefunden, aber: „Eventuell hatte jemand nach der Tat Verletzungen, denen ein Zeuge keine Bedeutung zugemessen hat“, sagt Schmidt und hofft auf Meldung aus der Bevölkerung. Bis dahin verkündet der heute 55-Jährige: „Ein paar Jahre habe ich noch“ mit Blick auf seinen in sechs Jahren anstehenden Ruhestand. Er verspricht: „Wir hören nicht auf“.

Wer Hinweise zum Fall der 1995 getöteten Elke Sandker hat, kann sich bei der Polizei in Lingen unter Telefon 0591/870 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle melden.