Trotz Krankschreibung zur Arbeit? Subunternehmer des Sögeler Schlachthofs in der Kritik

Subunternehmern des Sögeler Schlachthofes Weidemark wird unter anderem vorgeworfen, Werkvertragsarbeiter trotz Krankschreibung zur Arbeit zu zwingen. Foto: Kuntze/ArchivSubunternehmern des Sögeler Schlachthofes Weidemark wird unter anderem vorgeworfen, Werkvertragsarbeiter trotz Krankschreibung zur Arbeit zu zwingen. Foto: Kuntze/Archiv

Sögel. Dienstleistern des Sögeler Schlachthofs Weidemark wird vorgeworfen, Werkvertragsarbeiter trotz Krankschreibung zur Arbeit gezwungen zu haben. Zudem erhebt Raluca-Florina Gheorghe Beraterin beim DGB-Projekt „Faire Mobilität“ weitere Kritik. Der Schlachthof weist diese zurück. Das Kolping-Europabüro vor Ort bestätigt die Vorwürfe indes zum Teil.

„Vor einer Woche wurde ich von einer Gruppe Rumänen kontaktiert, die über einen Subunternehmer bei Weidemark beschäftigt sind“, teilt Gheorghe im Gespräch mit unserer Redaktion mit. Dabei sei ihr berichtet worden, dass der Vorarbeiter die Werkvertragsarbeiter auffordere, trotz einer Krankschreibung zur Arbeit zu kommen. So soll der Vorarbeiter persönlich in die Unterkünfte der Mitarbeiter gehen und sie zwingen, zum Dienst zu erscheinen.

Nicht mehr zur Arbeit aufgefordert

Bei einem weiteren Dienstleister bestünde Gheorghe zufolge indes das Problem, dass mehrere Arbeiter seit einem Monat nicht mehr zur Arbeit aufgefordert worden seien. „Jetzt besteht natürlich die Sorge, ob der Lohn gezahlt wird für den Zeitraum, in dem nicht gearbeitet wurde.“ Einige der Mitarbeiter seien nach Angaben der Beraterin mündlich vom Vorarbeiter gekündigt worden. Andere, die im Mai selbst gekündigt hätten, sollen den Lohn für den Monat April noch nicht erhalten haben.

Keine Informationen zu vorgetragenen Vorwürfen

Markus Eicher, Sprecher der Tönnies Lebensmittel GmbH, dessen Tochter Weidemark ist, weist die Vorwürfe zurück. Vom Kolping-Europabüro, das in Sögel als Ansprechpartner und Anlaufstelle für Fragen von Werkvertragsarbeitern fungiert, habe es keine Information oder Rückmeldung zu den vorgetragenen Vorwürfen gegeben. „Wenn es konkrete Probleme gibt, bekommen wir immer direkt eine entsprechende Rückmeldung des Kolping-Büros“, erklärt Eicher auf Anfrage unserer Redaktion.

Nach seinen Worten sei sogar das Gegenteil der Fall. „Bei der letzten Arbeitssitzung am 8. Mai berichteten die Vertreter des Kolping Werkes davon, dass Probleme in Bezug auf die Arbeitsverhältnisse nur noch in seltenen Einzelfällen auftreten.“

Genannte Firmen sind bekannt

Für Hans-Hermann Hunfeld, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks im Diözesanverband Osnabrück, stellt sich der Sachverhalt indes anders dar. „Die Arbeiter waren bei uns und haben von ihren Problemen mit den Subunternehmern des Schlachthofes berichtet“, teilt Hunfeld im Gespräch mit unserer Redaktion mit. Die dabei genannten Firmen seien nach seinen Worten bereits seit Längerem auffällig.

Kontakte vermitteln

Die Aufgabe des Kolping-Europabüros bestehe nach seinen Worten nun darin, die Vorgänge zu prüfen und Kontakte zu übergeordneten Stellen zu vermitteln. „Wir arbeiten eng mit dem DGB zusammen, der auch eine Rechtsberatung anbieten darf“, so Hunfeld. Auch mit der Samtgemeinde Sögel sei das Büro stetig im Austausch. Direkt mit Weidemark ist das Kolping-Werk hingegen selten im direkten Kontakt. „Einmal im Jahr findet ein großer Tisch statt“, berichtet der Geschäftsführer.

„Situation hat sich verbessert“

Nach seinen Worten habe sich die Arbeit des Kolping-Europabüros, das in Sögel 2013 an den Start ging, bewährt. „Wir glauben, dass sich die Situation der Werkvertragsarbeiter dadurch generell verbessert hat.“ Hunfeld zufolge haben bislang knapp 1400 Menschen das Büro aufgesucht. Die Ratsuchenden kommen vornehmlich aus Rumänien, Ungarn und Polen. „Dabei muss es nicht immer um arbeitsrechtliche Belange handeln. Die Arbeiter kommen auch mit ganz alltäglichen Dingen zu uns.“

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