Konzert auf Schloss Clemenswerth Eine Musikreise zurück in die Zeit des Rokoko

Von Daniel Lösker

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Gambistin Simone Eckert und Anke Dennert am Cembalo interpretieren als das Ensemble „Hamburger Ratsmusik“ Werke der Rokokozeit. Foto: Daniel LöskerGambistin Simone Eckert und Anke Dennert am Cembalo interpretieren als das Ensemble „Hamburger Ratsmusik“ Werke der Rokokozeit. Foto: Daniel Lösker

dloe Sögel. Das Ensemble Hamburger Ratsmusik hat auf Schloss Clemenswerth in Sögel ein Konzert mit Werken aus dem Rokoko gegeben.

Ob man es nun Spätbarock, Vorklassik, Galante oder Musik des Sturm und Drang bezeichnet, bleibt dem Hörer überlassen. Sicher ist, dass die Zeit des Rokokos heute musikpraktisch etwas stiefmütterlich behandelt wird. Solches zu ändern haben sich die Gambistin Simone Eckert und Anke Dennert am Cembalo vorgenommen. Gemeinsam sind sie das Ensemble Hamburger Ratsmusik.

Sie tun dies mit dem nötigen Engagement und den entsprechenden musikalischen Fertigkeiten. Und dennoch kann die vorhandene Meisterschaft nicht darüber hinwegtäuschen, dass so mancher ausgegrabene „Schatz“ den Weg in die musikgeschichtlichen Ruhmeshallen wohl eher zu Recht nicht geschafft hat.

Franz Xaver Hammers „Sonate D-Dur“ beispielsweise ist in der Partitur von einer gewissen Beliebigkeit überzogen. So, dass man kaum glauben kann, hier schreibt ein Komponist, der noch zu Lebzeiten des genialen Kontrapunktikers Johann Sebastian Bach geboren wurde und unter Joseph Haydn in der Esterházyschen Hofkapelle als Gambist große Erfolge feierte. Sicher, die für diese Ära stehende höfische Noblesse ist da, handwerklich kann man dem guten Bayern auch keine Vorwürfe machen, doch die drei Sätze der Sonate vergehen, ohne dass etwas Nachhaltendes bliebe.

Ganz anders verhält es sich mit Carl Philipp Emanuel Bachs Opus gleicher Gattung und Tonart. Des Tonsetzers Anliegen, Affekte direkt in Empfindungen umzusetzen und somit Unmittelbarkeit im Gehörten zu erreichen, wird hier meisterhaft umgesetzt. Eckert nutzt die Möglichkeiten für ihr Instrument, die ihr der „Berliner“ oder auch „Hamburger“ Bach liefert, genüsslich aus. Mehrstimmigkeit, Akkordbrechungen und Melodienreichtum werden im kongenialen Zusammenspiel mit dem Cembalo zu einem wahren Vergnügen voller Virtuosität, die aber nie Selbstzweck wird.

Der Österreicher Andreas Lidl, der im 18. Jahrhundert als Meister des Gambenspiels gerühmt wurde, ist der großen Mehrheit heutzutage kaum ein Begriff. Dabei hätten es seine Werke durchaus verdient, wieder näher in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Eckert und Dennert zeigen, welch wunderbaren Einfallsreichtum die Partituren des, wie Hammer, in Schloss Esterházy wirkenden Musikers, besitzen. So auch seine Sonate in der den Abend bestimmenden Tonart D-Dur. „Lidl lohnt sich“, sagt Eckert schmunzelnd, setzt sich, gibt ihrer gut aufgelegten Partnerin Dennert das Zeichen und schon beginnt der Reigen musikalischer Vielfalt, höchst meisterhaft in Szene gesetzt mit kontrapunktischen Finessen. Fast meint man, der Rokokozeit für einen Moment ganz nahe zu sein. Der Raum des wunderbaren Schlosses aus jener Epoche und die Interpretationen der Hamburger Ratsmusik verschmelzen zu einem Ganzen.


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