Gegen das Insektensterben Sögeler Blühwiesen-Initiative nimmt Fahrt auf

Von Christian Belling


Sögel. Ludwig Koopmann kann sein Glück kaum fassen. Was vor gut einem halben Jahr im Gespräch mit seinem Nachbarn seinen Ursprung hatte, entwickelt sich mittlerweile zum Selbstläufer. An immer mehr Stellen in Sögel werden Blühwiesen geschaffen, die dem Insektensterben entgegenwirken sollen.

„Es ist schon erstaunlich, wie sich in kurzer Zeit die Blühflächen-Aktion von unabhängig voneinander agierenden Akteuren verselbstständigt hat“, so Koopmann. An verschiedenen Stellen im Gemeindegebiet sind nach seinen Worten auf bislang mehr als 5000 Quadratmetern Flächen angelegt worden, auf denen es im Sommer blühen soll. „Es zeichnet sich in Anfängen ein Blüh-Netzwerk ab, das Insekten als Nahrungsquellen dienen wird“ freut sich Koopmann. Er ist einer der Initiatoren der Blühwiesen-Initiative in der Hümmlinggemeinde. Mittlerweile koordinieren rund 15 Helfer die Aktivitäten im Ort. Dazu zählen außer Privatpersonen auch Ratsmitglieder, Unternehmer und Feuerwehrleute. „Das ist keine Ein-Mann-Show, sondern die Leistung eines ganzen Teams“, macht Koopmann deutlich.

Viele Sögeler ziehen nach

Im Herbst letzten Jahres führte er mit einem Nachbarn ein Gespräch, das sich mit dem zunehmenden Insektensterben beschäftigte. „Das wurde damals erstmals öffentlich thematisiert und wir wollten ein Zeichen setzen und dem entgegenwirken.“ Schnell einigten sich die beiden darauf, gemeinsam eine Blühwiese anzulegen. Doch bei der einen sollte es nicht bleiben. „Viele Sögeler haben davon Kenntnis genommen und ziehen mit weiteren Blühstreifen nach“, so CDU-Ratsherr Niels Gepp. Als Beispiele nennt er Flächen im Kossenkamp, am Kreisel zum Gewerbegebiet Püttkesberge, Am Hohen Esch, am Friesenweg sowie in zahlreichen kleineren Gärten. Auch Institutionen wie der Kindergarten, die Gemeinde und die Feuerwehr haben Flächen zur Verfügung gestellt. Koopmann: „In wenigen Wochen wird es dort blühen und es wird summen und brummen.“

„Wo gibt es Baulücken, was liegt aktuell brach?“

Für Gepp ist diese Entwicklung ein Paradebeispiel dafür, dass es nicht immer ein Förderprogramm brauche, um etwas in die Wege zu leiten. „Einer fängt und an weitere folgen. Wie groß die Wiese ist, die bereit gestellt wird, ist völlig egal.“ Auch eine vorübergehende Nutzung als Blühwiese ist denkbar. „Wo gibt es Baulücken, was liegt aktuell brach? Überall dort könnten Wiesen angelegt werden“, erklärt Gepp. Ebenso wichtig wie die Blühwiesen ist auch das Bereitstellen von Rückzugsorten für die Insekten. Aus diesem Hintergrund baute die Tischlerei Dübra ein großzügiges Insektenhotel.

Magere Böden am besten geeignet

Da die Gruppe mit ihrem Anliegen größtenteils Neuland betrat, hat sie sich im Vorfeld unter anderem in Melle im Landkreis Osnabrück sowie in Neubörger informiert, wo es bereits ähnliche Initiativen gibt. „Mit denen haben wir uns unter anderem hinsichtlich der Qualität und der Menge des Saatgutes sowie der Bodenbeschaffenheit ausgetauscht“, erklärt Koopmann. „Auch wir müssen noch lernen, weil es für uns in diesem Jahr eine Premiere ist.“ Mittlerweile wisse das Team aber, dass magere Böden die besten sind. „Und düngen sollte man überhaupt nicht.“ Im Herbst wollen die Helfer ein Fazit ziehen und daraus Erkenntnisse für das nächste Jahr ziehen.

Saat noch schnell in die Erde bringen

Wer in diesem Jahr noch eine Blühwiese anlegen möchte, sollte sich beeilen. Bis spätestens Ende des Monats sollte die Saat im Boden sein, um im Sommer den gewünschten Effekt zu erreichen. „Uns hat dabei auch sehr das aktuelle Saatgut-Programm des Landkreises geholfen“, so Koopmann.

Auch Jugendfeuerwehr beteiligt sich

Derzeit sind auch die Jugendfeuerwehren im Kreisgebiet dabei, rund 2 Hektar der Gesamtfläche mit Saatgut einzusäen, um heimischen Insekten, Schmetterlingen und Wildbienen eine Futterquelle zu bieten. Die Sögeler Jugendfeuerwehr sät etwa 1000 Quadratmeter auf zwei Flächen aus. Ein davon ist ein Grünstreifen der Gemeinde im Industriegebiet gegenüber dem Gerätehaus. Die zweite Fläche befindet sich auf einer Ackerfläche am Forstgraben im südlichen Gemeindegebiet.