Antiquitätensprechstunde Erbstücke und andere Kuriositäten in Sögel

Von Marion Lammers


mls Sögel. Während der Antiquitätensprechstunde auf Schloss Clemenswerth begutachtete Kunsthistorikerin Ute Ina Kroll zahlreiche Familienerbstücke, Flohmarktfunde und skurrile private Schätze.

Rund dreißig Teilnehmer hatten am vergangenen Samstag ihre Familienerbstücke und privaten Kleinode zur Antiquitätensprechstunde auf Schloss Clemenswerth mitgebracht, um sie von der Kunsthistorikerin Ute Ina Kroll, bekannt aus der NDR-Fernsehserie „Lieb und teuer“, begutachten und schätzen zu lassen. „Wir haben heute eine bunte Mischung“, erklärte die Antiquitätenexpertin, nachdem alle Gegenstände von Porzellan über Schmuck bis hin zu Gehstöcken ausgepackt waren. Neben der Begutachtung der antiken Stücke war es Kroll ebenso wichtig, das Auge der Teilnehmer zu schulen, damit sie den Wert alter Gegenstände selber einschätzen können. Bei der Beurteilung von Porzellan sei das Ganze wichtig. „Man muss den Scherben sehen, dann kommen noch die Marke, das Dekor und die Glasur hinzu. Wenn alles alt anmutet, dann kann es alt sein“, so Kroll. Anhand einer Schale, die sich laut Besitzerin schon lange in Familienbesitz befinde, erklärte Kroll, dass Gebrauchsspuren wichtig für die Authentizität der Stücke seien. Beim Kauf von antikem Porzellan sei wichtig, dass es ohne Bestoßungen sei. Ob ein Stück handbemalt oder bedruckt sei, könne man mit einer Lupe erkennen. „Wenn Sie kleine Punkte sehen, ist das Porzellan bedruckt.“

Gemalte Insekten im Meissner Porzellan

Im Vergleich mit einer Schale aus der Porzellanmanufaktur Meißen, die die Expertin mitgebracht hatte, wurden die Qualitätsunterschiede der beiden Stücke für die Teilnehmer deutlich. „KPM Berlin und Meißen sind die Manufakturen, dann kommt lange nichts.“ Meißener Porzellan sei erkennbar durch die Signatur mit zwei gekreuzten Schwertern. „Sehen Sie den kleinen schwarzen Punkt in der Glasur?“, fragte sie anschließend das Publikum. „Das ist Flugasche, die beim Brennen in der Glasur eingeschlossen wurde.“ Um dies zu kaschieren, wurden in Meißen kleine Insekten darüber gemalt. Dies kam so gut an, dass diese später ins Dekor übernommen wurde, erklärte sie weiter.

Hirsch gibt Rätsel auf

Ein Hirsch aus Zinnguss gab auch der Kunsthistorikerin Rätsel auf. Dieser war aus zwei Teilen zusammengesetzt und wurde mit zwei groben Schrauben auf der Rückseite zusammengehalten. „Vielen Dank, dass Sie dieses skurrile Stück mitgebracht haben. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen.“ Interessant sei das Innere des Stückes, um beurteilen zu können, warum der Hirsch aus zwei Teilen zusammengesetzt sei. „Es könnte auch ein Modell, eine Vorlage sein, um den Hirsch aus anderen Materialien herstellen zu können“, vermutete sie. „Oder er war ein Teil eines Ensembles, mit dem er verbunden war.“ Sie empfahl dem Besitzer, den Hirsch in einem Auktionshaus beurteilen zu lassen, um dessen Funktion und den Wert festzustellen.

Anne Behnen aus Sögel hatte drei beeindruckend gearbeitete Gehstöcke aus dem Besitz der Familie mitgebracht. Alle drei Gehstöcke wurden individuell in Handarbeit hergestellt. Während ein Gehstock aus Kuhhornscheiben, die auf einer Metallstange aufgefädelt waren, bestand, wurde ein weiterer aus Holz gefertigt und aufwendig mit feinen bunten Intarsien verziert. Kroll zeigte sich beeindruckt von den drei Unikaten.

Die „Punzierung“ von Silber

Das älteste Stück war eine sakrale Figur aus Holz, die ein Sammler solcher Figuren mitgebracht hatte. Seine Vermutung, die Figur könne aus der Zeit des Bildersturms im 16. Jahrhundert stammen, widerlegte Kroll nach ihrer Begutachtung. Der beseelte Ausdruck und die Haltung der Figur würden eher auf das 17. bis 18 Jahrhundert hindeuten. Die Gebrauchsspuren seien an der richtigen Stelle. Auch eine gewisse Überproportion des rechten Armes der Figur weise auf diese Zeit hin. „Die Figur ist so unperfekt, wie sie sein muss.“

Ein kleines silbernes Tablett, das die Besitzerin zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen hatte, wurde in der Runde weitergereicht, um die Kennzeichnung von Silber zu erklären. Anhand der Punzierung seien die Herkunft und die Reinheit des Silbers erkennbar. Deutsches Silber sei, wie im Falle des Silbertabletts, mit einem Halbmond und einer Krone gekennzeichnet. Die Reinheit des Silbers sei durch die Bezifferung ausgewiesen, reines Silber erhalte beispielsweise die Zahl 800.