Strenge Trennung von Milch und Fleisch Gläubige Juden aus Sögel und Lathen leben koscher

Von Katharina Preuth


Sögel/Lathen/Osnabrück. Die koschere Ernährung ist für religiöse Juden ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Religion. Neben dem Verzicht auf Schweinefleisch steht dabei vor allem die Trennung von Milch und Fleisch im Vordergrund. Michael Grünberg aus Sögel hält sich streng an die Regeln. Seine Frau Ruth de Vries sieht es etwas lockerer. Teil 3 der Serie „Religiöse Speisevorschriften“.

Es ist Freitagnachmittag. Bis um 18 Uhr will und muss das Ehepaar Grünberg /de Vries die Vorbereitungen für Sabbat abgeschlossen haben. Am Samstag, dem jüdischen Ruhetag, verbietet ihnen ihre Religion zu arbeiten. Dazu zählt auch die Zubereitung von Essen. Da der Sabbat bereits am Vorabend beginnt, herrscht am Freitag emsiges Treiben in der Küche ihrer Osnabrücker Wohnung. Gebürtig kommt Michael Grünberg aus Sögel. Ruth de Vries ist in Lathen aufgewachsen. Heute wohnen sie auf dem Gelände der jüdischen Gemeinde.

Trennung von Milch und Fleisch

Erst auf dem zweiten Blick unterscheidet sich die Küche der beiden von anderen Küchen. Ihr Waschbecken ist zweigeteilt. Doch das sei nicht die einzige Trennung in diesem Raum, erklärt Grünberg. Auch gebe es zwei Kühlschränke, zwei Öfen und sowohl doppelte Geschirr- als auch Bestecksets. Während er erklärt, was es damit auf sich hat, rührt Grünberg mit einem Löffel im Scholent. Dieser Eintopf ist seine Spezialität. Gekochte Eier, Bohnen, Kartoffeln und Rindfleisch schwimmen in einer Flüssigkeit. Das sei diese Woche ihr Sabbatmahl, freut er sich. In einem koscheren Haushalt dürfen sich fleischiges und milchiges nicht vermischen, weist Grünberg auf die Aufteilung seiner Küche. Dementsprechend werde bei ihnen auf der linken Seite ausschließlich Fleisch zubereitet und in den Schränken stehe Geschirr nur für fleischiges. Die rechte Seite der Küche ist dagegen den Milchprodukten vorbehalten.

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Koscheres Fleisch

Ihr Fleisch beziehen die beiden gläubigen Juden von Lieferanten aus Dortmund und Belgien. Die koschere Schächtung wird durch eine religiöse Gruppe überwacht. Da es den Juden, wie auch den Moslems, nicht erlaubt ist, das Blut der Tiere zu verzehren, müssen die geschlachteten Wiederkäuer vor der Weiterverarbeitung ausbluten. Außerdem ist es verboten, Tiere zu betäuben, stattdessen werden ihnen mit einem scharfen Messer die Kehle durchgeschnitten. Alle veganen Lebensmittel hingegen, wie Gemüse und Obst, sind parve (neutral) und dürfen sowohl mit Milch oder Fleisch verzehrt werden. „Für eine jüdische Frau bedeutet koscher viel Planung“, so de Vries. Nach einer Mahlzeit mit Fleisch dürfen Juden erst nach drei Stunden wieder Milch zu sich nehmen. Ein Milchkaffee nach der Rindfleischsuppe ist verboten. Andersherum darf Fleisch nach dem Verzehr von Milch bereits nach 15 bis 20 Minuten gegessen werden.

Unter der Wochen ernähren sich Grünberg und de Vries hauptsächlich vegetarisch. Der Einfachheitshalber, aber auch, weil es beiden keine Probleme bereitet auf Fleisch zu verzichten, erzählt Grünberg. Im Haushalt der beiden Exil-Emsländer wird streng auf koschere Ernährung geachtet. „Wir haben oft religiöse Gäste, die verlassen sich darauf, dass bei uns alles koscher ist“, so der gläubige Jude.

Kein Feuer entzünden an Sabbat

Außerhalb der eigenen vier Wände sieht es Ruth de Vries etwas lockerer. „Aber meinem Mann ist das wichtig, also halte ich mich zu Hause daran.“ Sie schneidet gerade Zitronen in Scheiben und legt sie zu Hähnchenschenkeln und Oliven auf ein Backblech. De Vries bereitet die Mahlzeit für den Abend vor. Bevor der Sabbat offiziell beginnt, muss der Backofen eingeschaltet sein. Es ist ihnen nicht gestattet, an Sabbat ein Feuer zu entzünden, dazu zählt auch das Betätigen des Lichtschalters oder das Einschalten des Backofens. Viele der elektrischen Geräte haben Zeitschaltuhren, sodass sie warmes Essen haben und nicht im Dunkeln sitzen müssen. „Gott hat uns nicht gesagt, wir dürfen kein Licht haben, wir dürfen es nur nicht einschalten“, so Grünberg. Das Scholent köchelt derweil auf einem speziellen Kocher. Das Gericht benötige 25 Stunden und sei darum perfekt für Sabbat, so der Hausherr.

(Weiterlesen: Teil 2 „Religiöse Speisevorschriften“: Oberlangener Pfarrer erklärt, warum Christen alles essen dürfen)