Für schwerkranke Kinder und Familien da Palliativbegleiter aus Sögel „bringen nicht den Tod ins Haus“

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Sögel. Seit rund eineinhalb Jahren bietet der Palliativstützpunkt am Hümmling-Hospital in Sögel eine spezialisierte Versorgung von schwerkranken Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien an. Bei ihrer schwierigen Arbeit schlägt dem vierköpfigen Team gerade zu Beginn häufig Skepsis und Zurückhaltung entgegen.

„Für viele ist die Palliativarbeit gleichbedeutend mit dem Tod. Dabei will unser Dienst deutlich früher ansetzen. Wir kümmern uns nicht um sterbende Menschen, sondern um die, die sterben werden. Das ist ein großer Unterschied“, erklärt Ilona Konken, Stützpunkt-Koordinatorin für die ambulante Versorgung. Ihre Kollegin Anke Borchert ergänzt. „Wir bringen nicht den Tod ins Haus.“

Bedarf und Nachfrage ist da

Seit Juni 2007 ist am Hümmling Hospital Sögel der vom Land Niedersachsen anerkannte Palliativstützpunkt Nördliches Emsland angesiedelt. Im Herbst 2016 kam die spezialisierte Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen hinzu. „Der Bedarf und Nachfrage ist da. Vorher gab es nichts in diesem Bereich“, berichtet Konken. Für die Palliativversorgung von Kinder und Jugendlichen gelten nach ihren Worten zahlreiche Besonderheiten gegenüber der Begleitung von schwerkranken Erwachsenen.

Sechs Teams in ganz Niedersachsen

Die Fachkräfte vom Hümmling-Hospital decken als eines von insgesamt sechs Teams in ganz Niedersachsen die ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen ab. „Wir sind im gesamten Landkreis Emsland sowie in Teilen der Grafschaft Bentheim und dem Landkreis Osnabrück unterwegs“ teilt Borchert mit. Aktuell betreut das Team sechs schwerkranke Kinder und deren Familien.

Diagnose des Arztes erforderlich

Doch bevor ein Patient zu einem Palliativpatienten wird, muss eine entsprechende Diagnose des Facharztes gestellt werden. „Wir dürfen aber auch schon im Vorfeld tätig werden“, erklärt Konken. Krankheitsbilder können nach ihren Worten unter anderem Tumorerkrankungen, Fehlbildungen oder Herzprobleme sein. Tätig wird das Team aus Sögel nach entsprechender Kontaktaufnahme. Diese kann entweder über den behandelnden Arzt oder direkt durch die Familie erfolgen.

„Intensive“ Aufnahmegespräche

Umgehend werde darauf ein Termin für ein Aufnahmegespräch ausgemacht. „Diese finden bei der Familie statt. Die Gespräche sind oft sehr intensiv und dauern auch schon mal zwei Stunden“, so Borchert. Nach ihren Worten werde dabei herausgefunden, was das Kind und die Angehörigen beschäftigt und welche Strukturen für die Versorgung bereits vorliegen.

„Verstehen uns als Netzwerker“

Die eigentliche Arbeit für Fachkräfte vom Hümmling-Hospital beginnt nach dem Gespräch. „Wir übernehmen nicht die Grundpflege, sondern verstehen uns als Netzwerker, die Verbindungen herstellen“, führt Borchert weiter aus. Nach dem Austausch mit der Familie werde der Kontakt zu behandelnden Ärzten, Pflegediensten oder Sanitätshäusern gesucht. „Nicht selten müssen wir dabei auch schnell handeln und für eine Umsetzung von Maßnahmen in ein bis zwei Tagen sorgen.“

Aus Zurückhaltung wird Dankbarkeit

Die bei den Familien anfängliche Skepsis legt sich Konken zufolge nach dem ersten Kontakt schnell. „Aus der Zurückhaltung wird dann Dankbarkeit, weil gesehen wird, dass wir uns kümmern.“ Bei vielen Betroffenen sorge dies für eine gewisse Sicherheit. „Es kommt jemand, der ihnen zuhört und auf vielfältige Art Hilfestellung anbietet in einer Zeit, die für die Familien extrem belastend ist“, weiß die Stützpunkt-Koordinatorin. Wichtig ist ihr dabei, dass sowohl das schwerkranke Kind als auch die Familienmitglieder begleitet werden. „Großeltern beispielsweise nimmt die Situation ebenfalls extrem mit, weil sie das Enkelkind und das eigene Kind leiden sehen“, so Konken. Hier gilt es dann, eine psychologische Betreuung zu organisieren.

Schicksale oft schwer zu ertragen

Auch für Sögeler Fachkräfte selbst, sind die Schicksale oft schwer zu ertragen. „Wir erleben natürlich auch grenzwertige Situationen und Extremfälle“, berichtet Borchert. Wichtig sei, die Erfahrungen im Team zu besprechen. Doch gerade wenn es bereits über Jahre einen Kontakt zur Familie gegeben hat, fällt es nach ihren Worten besonders schwer, den dann eintreffenden Tod des Kindes zu verarbeiten. „Die Bestätigung unserer Arbeit ist dann das Wissen zu haben, alles für die Familie und das Kind getan zu haben“, führt Borchert fort.

Auch nach dem Tod mit der Familie in Kontakt

Mit dem Tod eines Kindes endet aber nicht abrupt der Kontakt zu den Angehörigen. „Die Nachbetreuung ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit“, so Konken. Mit ein wenig Abstand zeigen die Familien den Palliativbegleitern noch mal ihre Dankbarkeit für das Geleistete. „Oft passiert dies aber erst nach der Bewältigung des Trauerjahres, wenn das erste Osterfest, das erste Weihnachten sowie der erste Geburtstag nach dem Tod des Kindes hinter der Familie liegen.“

Weitere Informationen zur Arbeit des Palliativstützpunktes in Sögel gibt es im Internet oder unter Telefon 05952 / 2092580.


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