Kapuziner in Sögel noch zu zweit Pater Fidelis hat Schloss Clemenswerth verlassen

Von Ingrid Cloppenburg

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Mit Pater Fidelis (3. von links) Geburtstag gefeiert haben (von links) Bruder Bernd, Bruder Michael Mayer, Roswitha Bowen, Pater Franz, Hermann Brachem und Adolf Jelges Foto: Ingrid CloppenburgMit Pater Fidelis (3. von links) Geburtstag gefeiert haben (von links) Bruder Bernd, Bruder Michael Mayer, Roswitha Bowen, Pater Franz, Hermann Brachem und Adolf Jelges Foto: Ingrid Cloppenburg

Sögel. Pater Fidelis vom Kapuzinerorden auf Schloss Clemenswerth hat Sögel verlassen. Er musste aufgrund von Altersschwäche das Kloster kurzfristig verlassen und zum Kapuzinerkloster nach Münster wechseln.

„Die Beine wollten nicht mehr“, erklärte Pater Fidelis. Schwer sei ihm dieser Entschluss gefallen, gesteht Fidelis, als Freunde ihn am Dienstag anlässlich seines bevorstehenden 90. Geburtstags in Münster gemeinsam mit Pater Franz und der Haushälterin Roswitha Bowen besuchten. Aufgrund seines kurzfristigen Einzugs fand die offizielle Feier bereits einen Tag vor seinem Geburtstag, der am Mittwoch ist, statt.

Fidelis Schwarz war der Senior der Kapuzinergemeinschaft auf Schloss Clemenswerth. Er lebte bereits seit 16 Jahren im Kloster des ehemaligen Jagdschlosses. Gemeinsam mit Pater Edmund Kesenheimer, Pater Franz Breer und Bruder Nikolaus Horschler bildeten sie seit vielen Jahren wieder ein Großkonvent. Bruder Nikolaus verweilte nur kurz in Sögel und ist seitdem ebenfalls in der Pflegestation des Kapuzinerkloster Münster untergebracht.

„Jetzt sind wir nur noch zu zweit“, bedauerte auch Pater Franz den Auszug seines Mitbruders. Das Kloster sei leider nicht barrierefrei eingerichtet, die Wohn- und Schlafzimmer der Patres im Obergeschoss nur über eine alte Holztreppe zu erreichen.

Zu Pater Fidelis Aufgaben zählte in Sögel u.a. die Abnahme der Beichte. Mit seinen Mitbrüdern kümmerte er sich zudem um die Seelsorge. Wenngleich diese Aufgabe mit zunehmenden Alter auf seine jüngeren Mitbrüder überging, nahm er weiterhin reges Interesse an die Geschehnisse der Sögeler Familien. Lange Jahre hat er die Gottesdienste auf Clemenswerth, in Eisten und in der Sögeler Krankenhauskapelle zelebriert. Auch in den letzten Jahren verging kaum ein Gottesdienst, an dem er nicht auf seinem Platz direkt am Altar saß und das Gebet sprach – immer barfuß in Sandalen.

Die Männer hatten sich mit dem Eintritt in den Kapuzinerorden einem Leben in Bescheidenheit und Stille verschrieben, dennoch wird viel miteinander gesprochen. Für Pater Fidelis war die abendliche „Rekreation“ mit seinen Mitbrüdern eine besondere Bereicherung des Tages. Dann trafen sich die Brüder im sogenannten Refektorium, einer Art Wohnzimmer. „Bei einem Glas Wein oder Bier wurde dann über dies und jenes gesprochen“, berichtete Pater Franz.

Aufgrund des unverzüglich notwendigen Umzugs von Pater Fidelis haben Freunde und Kirchenbesucher kaum Gelegenheit gehabt, sich persönlich zu verabschieden. Aus diesem Grund haben wir ein Grußheft in der Kapelle ausgelegt, in dem sich jeder der mag, mit persönlichen Worten verabschieden darf oder Geburtstagsglückwünsche übermitteln kann, berichten seine Freunde.

Die Kapuziner (Orden der Minderen Brüder Kapuziner) gingen als Reformbewegung aus den Franziskanern (nach Franz von Assisi) hervor und sind bekannt für eine schlichte und strenge Lebensform.

Organisiert sind die Kapuziner in der Deutschen Kapuzinerprovinz mit Sitz in München. Die Provinz umfasst 18 Niederlassungen. Neben Clemenswerth gehörten dazu das Kapuzinerkloster Altötting, das Citykloster an der Liebfrauenkirche in Frankfurt am Main sowie eine Niederlassung an der Philosophisch-Theologischen Ordenshochschule in Münster (Westfalen).

Heute gibt es weltweit etwa 11.000 Kapuziner, die nach der Regel des heiligen Franz von Assisi leben. Ihr besonderes Charisma sehen die Kapuziner in der Betonung des besinnlichen Gebetslebens gepaart mit der Nähe zu den Menschen, insbesondere Armen, Schwachen und Kranken.


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