Neue Spuren nach über 22 Jahren Sögel: Polizei rollt Mordfall Elke Sandker neu auf

Von Christian Belling und Gerd Schade

Vor mehr als 22 Jahren wurde Elke Sandker ermordet. Mit diesem damals auch in unserer Zeitung veröffentlichten Foto der Sögelerin startete die Polizei Zeugenaufrufe. Foto: Polizei/Repro: Christian BellingVor mehr als 22 Jahren wurde Elke Sandker ermordet. Mit diesem damals auch in unserer Zeitung veröffentlichten Foto der Sögelerin startete die Polizei Zeugenaufrufe. Foto: Polizei/Repro: Christian Belling

pm/gs/bell Sögel. Mehr als 22 Jahre nach dem Mord an Elke Sandker aus Sögel rollt die Polizei den Fall neu auf. Grund sind nach Angaben der Beamten DNA-Spuren an der Bekleidung des Opfers, die nach neuesten Untersuchungsmethoden gesichert werden konnten.

Wie die Polizei am Montag weiter mitteilte, hoffen die Ermittler durch Auswertung der Spuren auf den entscheidenden Durchbruch, um den Mord an der damals 24-jährigen Rechtsanwaltsgehilfin doch noch aufklären zu können. Die Mordkommission werde in den kommenden Wochen und Monaten zunächst alle Menschen aufsuchen, die damals in den Fokus der Ermittlungen geraten waren. „Darüber hinaus existieren weitere Ermittlungsansätze, zu denen aktuell aus kriminaltaktischen Gründen keine weiteren Auskünfte erteilt werden können“, erklärt die Polizei in einer Pressemitteilung.

Erdrosselt auf einem Stoppelfeld gefunden

Elke Sandker, die aus der Bauernschaft Waldhöfe bei Sögel stammte, wurde am 22. August 1995 in der Nähe ihres Wohnortes ermordet aufgefunden. Sie hatte in der Nacht zuvor gemeinsam mit Freunden auf der Sögeler Kirmes gefeiert. Gegen etwa 1 Uhr wurde sie in einer örtlichen Gaststätte letztmalig lebend gesehen. Sie hatte sich von dort aus vermutlich allein auf den Heimweg gemacht. Nachbarn entdeckten die junge Frau am darauf folgenden Nachmittag, unweit ihres Wohnhauses, erdrosselt in einem Stoppelfeld. Trotz intensivster Ermittlungen konnte der Täter bislang nicht gefasst werden.

Nun haben die Staatsanwaltschaft Osnabrück und die Mordkommission der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim neue Ermittlungsansätze.

Ehemaliger Bürgermeister erinnert sich

Einer, der sich noch genau an jenen Tag im August 1995 erinnern kann, ist Heiner Wellenbrock. Er war zu dieser Zeit Bürgermeister der Gemeinde Sögel und weilte an dem Tag der Todesnachricht mit einem Fernsehteam auf der Kirmes. „Ich weiß noch genau wie ich damals in die Kamera sagte, was Sögel doch für ein friedlicher Ort sei“, berichtet Wellenbrock im Gespräch mit unserer Redaktion. Kurze Zeit später überbrachte Ehefrau Marianne dem Bürgermeister die Nachricht vom Mord an Elke Sandker. „Es war für alle ein Schock“, so Wellenbrock. Als Realschullehrer kannte er die junge Frau gut, da er sie im Unterricht als Schülerin hatte.

„Ich habe sie am Abend vorher auf der Kirmes noch gesehen“

Auch Marianne Wellenbrock erinnert sich an die damals 24-Jährige. „Ich habe sie am Abend vorher auf der Kirmes noch gesehen und wollte es zunächst nicht wahrhaben, dass sie tot sein soll.“ Noch heute fahre sie oft durch Waldhöfe und denkt an die Verstorbene. „Wir können jetzt nur hoffen und wünschen, dass sie jetzt Erfolg haben und den Täter finden.“

Polizist aus Papenburg: So etwas vergisst man nicht

Das wünscht sich auch Bernhard Lange. Der ehemalige Polizist aus Papenburg, der Ende vergangenen Jahres nach 44 Dienstjahren in den Ruhestand ging, gehörte der Mordkommission im Fall Elke Sandker an. Auch er kann sich im Gespräch mit unserer Redaktion noch genau an die Einzelheiten erinnern. „So etwas vergisst man nicht.“ Lange war damals im Kriminal- und Ermittlungsdienst eingesetzt und gehörte der Mordkommission vom Anfang bis zur Auflösung an. „Über etliche Wochen bin ich mit meinen Kollegen früh morgens nach Sögel gefahren. Leider erfolglos.“

„Den Fall nicht lösen zu können, war für alle sehr frustrierend“

Zwar habe man Spuren gesichert und „alles abgearbeitet, was ging“, habe aber zu der Zeit nicht die Untersuchungsmethoden gehabt, die es heute gibt. „Den Fall nicht lösen zu können, war für alle sehr frustrierend“, erinnert sich Lange. Er bezeichnet dies als einen Tiefpunkt seiner beruflichen Laufbahn. „Es hat uns sehr bewegt und war keine einfache Situation, nicht ein zufriedenstellendes Ergebnis liefern zu können.“

In der Nacht von der Clique verabschiedet

Wie unsere Redaktion damals unter Berufung auf Angaben der Polizei berichtete, hatte sich Elke Sandker zwischen 0.30 und 1 Uhr in der Nähe der Cafeteria „Joy“ an der Sigiltrastraße von ihrer Clique verabschiedet. Danach verlor sich ihre Spur. Offenbar begegnete sie auf dem Weg nach Hause ihrem Mörder.

Am nächsten Morgen wurde die junge Frau zu Hause vermisst. Eltern, Geschwistern und Bekannte machten sich auf die Suche. Am Nachmittag desselben Tages entdeckten Nachbarn die Tote von einer Straße aus etwa 30 Meter entfernt auf einem Stoppelfeld in der Gemarkung Waldhöfe. Die Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin für den Abend eine Obduktion im Gerichtsmedizinischen Institut in Oldenburg an. Dort stellte sich heraus, dass die junge Frau erdrosselt worden ist. Unklar blieb zunächst, ob die 24-Jährige einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen ist.

Zeugenaufrufe laufen ins Leere

Zeugenaufrufe der Polizei in den folgenden Tagen und Wochen liefen weitgehend ins Leere. Jedenfalls war ein entscheidender Hinweis zur Überführung des mutmaßlichen Täters nicht dabei. Auch die zwölfköpfige Mordkommission, die von der Polizei seinerzeit sofort gebildet worden ist, fand keine heiße Spur.

Ermittler rekonstruieren Abend

Die Ermittler hatten versucht, den den exakten Ablauf des Abends so genau wie möglich zu rekonstruieren. Wie sich dabei herausstellte, war ein junger Mann aus der Clique von Elke Sandker wegen einer Beinverletzung auf Gehhilfen angewiesen. Er wurde von einem Freund huckepack genommen. Nahe einer Verkehrsinsel auf der Sigiltrastraße stürzte das Duo. Die Polizei glaubte damals, dass dieser Vorfall von Gästen des „Joy“ beobachtet worden ist, weil sie die Szene offensichtlich mit Gelächter quittierten.

Opfer wollte nach Hause

In Höhe der Zufahrt zu einem Parkplatz nahe der Cafeteria blieben Sandker und der gehbehinderte junge Mann zurück und unterhielten sich, während ihre Begleiter in das Café marschierten. Wenige Minuten später sei der junge Mann von seinem Freund in das Lokal gerufen worden und sei mit seinen Gehhilfen hineingehinkt. Fest stand, dass Elke Sandker nach Hause wollte. Laut Polizei hatte sie bereits zuvor einen Bekannten wegen einer Mitfahrgelegenheit angesprochen.


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