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Nach Kauf durch Tönnies Gewerkschaft fordert Arbeitsplatzerhalt bei Bell in Börger

Von Daniel Gonzalez-Tepper und PM | 23.07.2019, 15:15 Uhr

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert nach dem Verkauf des Wurstwerkes der Bell Food Group in Börger an die Tönnies-Gruppe (Zur-Mühlen) eine sogenannte "Patronatserklärung“. Diese soll die Arbeitsplätze unter anderem in der Gemeinde im nördlichen Emsland sichern.

Die Gewerkschaft bezeichnet die Entscheidung von Bell Deutschland, die Werke in Börger und Suhl in Thüringen an den Fleischkonzern aus Rheda Wiedenbrück zu verkaufen, in einer Mitteilung als "Zumutung" für die rund 400 Beschäftigten in den beiden Werken. Wörtlich heißt es von Thomas Bernhard, Leiter des NGG-Referats Fleischwirtschaft: "Die Beschäftigten befürchten, dass ihre Standorte nicht lange überleben, sondern einer Unternehmenskonsolidierung zum Opfer fallen werden. Der Verkauf der beiden Werke mag für Bell Deutschland wirtschaftlich sinnvoll sein. Für die Beschäftigten ist er eine Zumutung." Die Kaufabsichten hatten beide Unternehmen im Juni 2019 verkündet. 

Seit Jahren würden die Betriebsräte dem NGG-Fachmann zufolge mit der Unternehmensleitung vergeblich über wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze diskutieren. "Leider trafen deren Vorschläge auf taube Ohren. Es kann und darf nicht sein, dass sich Bell Deutschland aus der sozialen Verantwortung für seine Beschäftigten stiehlt“, so Bernhard weiter. Bell habe bei den Verkaufsgesprächen mit Tönnies ausschließlich die Sparte Schinken im Visier. "Dort scheint es unternehmerisch besser zu laufen", mutmaßt die NGG.

(Weiterlesen: Trocken und traditionell: Beef Jerky aus Börger)

Zugekaufte Betriebe schnell geschlossen?

In der Mitteilung spricht die Gewerkschaft auch von einer "erpresserischen Preisgestaltung der vier großen Einzelhandelskonzerne", unter welcher die deutsche Fleischwirtschaft seit Jahren leiden würden. Deshalb mussten bereits mehrere Unternehmen Insolvenz anmelden, stellt die Gewerkschaft fest. Einige dieser insolventen oder kurz vor der Insolvenz stehenden Unternehmen habe sich die Zur-Mühlen-Gruppe gesichert, um ihren Marktanteil auszubauen. "Zuletzt war dies mit der Lutz-Gruppe im Jahre 2018 der Fall. Nicht selten werden zugekaufte Betriebe von der Zur-Mühlen-Gruppe unmittelbar geschlossen oder der Produktionsbetrieb wird stark eingeschränkt", stellt NGG-Referatsleiter Bernhard fest.

Die Schweizer Aktiengesellschaft Bell ist seit Oktober 2008 Mehrheitsgesellschafter der früheren Zimbo Fleisch- und Wurstwaren GmbH und Co. KG. Den Herstellungsbetrieb für regionale Wurst-Spezialitäten in Börger in der heutigen Samtgemeinde Sögel gründete 1976 Reinhold Zimmermann, der Sohn des Zimbo-Firmengründers Max Zimmermann, der 1953 die Marke zim.bo (für Zimmermann Bochum) eintragen ließ. Später stieg auch Reinholds Sohn Patrick Zimmermann in die Geschäftsführung ein. Zimbo bezeichnet sich selbst als einen der führenden Fleisch- und Wurstwaren-Marken in Deutschland.

Die Übernahme der Produktionsstätten in Börger und Suhl durch die Tönnies-Tochter Zur-Mühlen steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.