„Sind nicht die Umweltpolizei!“ Grüne monieren Ausgleichsmaßnahmen in Merzen

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Gleich zwei Kopfweidenpflanzaktionen gab es im Jahr 2010 in Lechtrup. Zum einen wurde der Hegering Merzen-Voltlage aktiv, im Herbst noch einmal die Jagdgemeinschaft Merzen-Lechtrup (unser Bild). Foto: Magdalena Kormann/ArchivGleich zwei Kopfweidenpflanzaktionen gab es im Jahr 2010 in Lechtrup. Zum einen wurde der Hegering Merzen-Voltlage aktiv, im Herbst noch einmal die Jagdgemeinschaft Merzen-Lechtrup (unser Bild). Foto: Magdalena Kormann/Archiv

jp/pm Merzen. Fragen zur Kompensation der Eingriffe in die Natur bei Bebauungsplänen hat Josef Klausing nach einer Akteneinsicht an Merzens Bürgermeister Gregor Schröder gerichtet. Antworten gab es bereits in der jüngsten Sitzung des Bau-, Wege- und Umweltausschusses, doch beim Grünentreffen waren sie erneut Thema.

„Anlass sind Mängel, die mir bei Durchsicht der Unterlagen zu den Plänen Am Glinsboll, Kapellenweg und Meyers Esch aufgefallen sind“, erklärte laut Pressemitteilung Klausing als Fraktionsvorsitzender beim jüngsten Grünen-Treffen. Mit dem Bebauungsplan Nr. 14 „Am Glinsboll“ sei die Aufforstung mit standortgerechten einheimischen Laubgehölzen auf 16000 Quadratmetern in Lechtrup beschlossen worden.

Nachhaltige Pflege wichtig

Die entsprechende Kopfweidenanpflanzung sei bisher nicht gepflegt worden, mehr als die Hälfte der gepflanzten Kopfweiden seien schon eingegangen. Eine nachhaltige Pflege sei, so Klausing, auch nach jüngsten Äußerungen aus dem Landkreis ebenso wichtig wie das Anlegen selbst.

Zum Bebauungsplan Kapellenweg fragt Klausing nach der festgesetzten Sicherung der angrenzenden Gehölzstrukturen, Aufwertung der Voltlager Aa durch Anlage von Gewässerrandstreifen, Anlage eines ökologisch orientierten Dorfteiches mit Flachwasserzonen und ausgedehnten Ruhezonen, Umwandlung der vorhandenen Ackerfläche in extensiv genutztes Grünland, dem Erhalt der Einzelbäume und Feldhecken sowie der umfangreichen Ein- und Durchgrünung des Gebietes.

Flächennutzungsplan anzweifeln

Vorgesehen sei das Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern in sechs Meter Breite auf den Grundstücken an der Außengrenze des Baugebietes. Ob die festgesetzten Aufforstungen mit standortgerechten einheimischen Laubgehölzen auf den entsprechenden Flächen in Lechtrup durchgeführt wurden, wird im Schreiben an den Bürgermeister gefragt. Da parallel durchgeführt, müsse aus Klausings Sicht auch die Rechtmäßigkeit des Flächennutzungsplanes angezweifelt werden.

Nicht einfach abheften

Ein eingrünender Pflanzstreifen in drei bis fünf Meter Breite auf den Grundstücken an der Außengrenze des Baugebietes sei im Baugebiet „Meyers Esch“ vorgeschrieben worden, berichtete Klausing laut Mitteilung beim Grünentreffen. Für den Süden dieses Gebietes sei naturnahe Strauchbepflanzung in 20 Metern Breite und in einem weiteren Bereich ein naturnaher Laubwald festgesetzt. Zudem seien für Lechtrup die Anlage von zwei Fechtbiotope, einer Wallhecke und eine Aufforstung mit Laubgehölzen beschlossen worden.

Klausing äußerte Zweifel, ob alle Maßnahmen wie beschlossen ausgeführt wurden. „Es geht jedoch nicht, den Naturausgleich lediglich in die Akten zu heften“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen.

In der jüngsten Bauausschusssitzung habe er Josef Klausing bereits zu den Anfragen zu den Bebauungsplänen, die zum Teil vor mehr als 20 Jahren augestellt worden seien, Auskunft gegeben, erklärt Bürgermeister Gregor Schröder auf Nachfrage der Redaktion. In vielen Bereichen sei sogar mehr gemacht worden, als in den Bebauungsplänen gefordert. Bei den Kopfweiden habe es Probleme gegeben, gibt der Bürgermeister unumwunden zu, so dass noch einmal in einer zweiten Aktion in Lechtrup weitere gepflanzt worden seien.

„Wir sind nicht die Umweltpolizei!“, hält Bürgermeister Gregor Schröder auf Nachfrage wenig davon, bei dem einzelnen Bürger in den entsprechenden Baugebieten in den Garten zu schauen und zu kontrollieren, ob der Einzelne ganz genau die Auflagen eingehalten habe. Eine Ein- und Durchgrünung sei auch so in den einzelnen Baugebieten klar festzustellen.

Kein Thema im Rat

„Ja, Josef Klausing habe auch dafür gestimmt, diese Anfragen nicht auf die Tagesordnung in der nächsten Ratssitzung zu setzen“, bestätigt Bernhard Burbank (CDU) die Aussage des Ratsvorsitzenden. Eigentlich wäre das Thema aus Sicht der CDU-ler damit vom Tisch sein müssen, denn sie hätten in der Sitzung deutlich gemacht, dass die Auflagen zum Teil sogar übererfüllt seien, zum Teil sei die Kompensation zum Beispiel durch Biotope aber auch an anderer Stelle erfolgt. In anderen Fällen sogar bereits vorher.

Anscheinend ist Josef Klausing aber mit den im Ausschuss erhaltenen Auskünften nicht so zufrieden. Die Fachaufsicht des Landkreises sei gefragt, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen.


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