Offene Türen im Museum Merzener Traktorenfreunde heizen wieder die Esse an

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Mit Hammer und Amboss versteht Helmut König umzugehen. Am Wochenende gibt er während des Treckertreffens einen Einblick in eine schweißtreibende Arbeit. Foto: Christian GeersMit Hammer und Amboss versteht Helmut König umzugehen. Am Wochenende gibt er während des Treckertreffens einen Einblick in eine schweißtreibende Arbeit. Foto: Christian Geers

Merzen. Mit der Anreise der Teilnehmer beginnt am Freitagnachmittag die fünfte Auflage des Treckertreffens in Merzen. Fast alle Teilnehmer reisen dazu auf eigener Achse an. Hinter den Kulissen haben die Traktoren- und Raritätenfreunde als Veranstalter bis zuletzt geschmiedet und geschraubt.

Das Gras ist frisch gemäht auf dem Platz rund um das Vereinshaus in Lechtrup, die Maschinen sind geölt, die Traktoren geputzt – alles blitzt und blinkt für die alle zwei Jahre stattfindende Open-Air-Veranstaltung. Die steht wieder ganz im Zeichen der Acker-Oldies, die bestaunt und bewundert werden. Am Samstag und Sonntag werfen die Traktorenfreunde nicht nur die alten Schlepper an, sondern zeigen auch altes Handwerk.

Dazu gehört neuerdings auch die Herstellung von Seilen. Zumindest will der Verein zeigen, wie dieses bis heute unverzichtbare technische Hilfsmittel einst hergestellt wurde. Die „Maschine“ ist eigentlich relativ einfach konstruiert, das Seilgeschirr besteht aus mehreren Haken, die sich um sich selbst drehen. Daran werden – je nach gewünschter Dicke – drei bis vier dünne Seile aus Hanf eingehängt, die mithilfe eines Führungsdorns nochmals miteinander verdreht werden.

Helmut König schmiedet die Ersatzteile

Dass das Seilgeschirr überhaupt wieder funktioniert, ist auch Helmut König zu verdanken. Der schmiedete nämlich die fehlenden Haken und kümmerte sich um die Reparatur des Antriebs: Mit einer Kurbel wird nun der Mechanismus in Gang gesetzt, nicht mehr wie bisher mit einem Elektromotor. König, der gebürtig aus Hamburg stammt und seit 17 Jahren in Merzen lebt, ist gelernter Schmied. Und weil er direkt neben dem Vereinsgelände wohnt, war der Weg zu den Traktoren- und Raritätenfreunden nicht weit. Auch wenn er keinen alten Schlepper sein Eigen nennt, so steht er dem Verein mit Rat und Tat zur Seite. Denn zu reparieren gibt es immer irgendwas auf dem Gelände.

Am kommenden Wochenende wird sich Helmut König wieder vorwiegend in der Schmiede aufhalten, das Feuer in der Esse anheizen und dabei ordentlich ins Schwitzen kommen. Ob massive Haken oder kunstvoll geschwungene Gitter oder Griffe – wenn König zum Hammer greift und das heiße Eisen auf dem Amboss in Form bringt, gelingt dies nur aus einer Kombination aus Kraft und Fingerspitzengefühl. „Gerade beim Kunstschmieden kommt es auf Genauigkeit an“, erklärt er.

Schneiderwerkstatt Grüter steht nun im Museum

Zu sehen gibt es in dem kleinen Museum der Traktoren- und Raritätenfreunde aber noch mehr: In einer bisher nicht genutzten Ecke steht nun eine Schneiderwerkstatt. In der fertigte einst Merzens Schneider Paul Grüter Bekleidung nach Maß. Schneidertisch, Nähmaschinen und Scheren stehen hübsch gruppiert nebeneinander, so als sei die Arbeit eben erst beendet worden; dazu alte Schnittmuster und Schablonen aus Karton und sogar Krawatten, deren Form und Farbe eines Tages gewiss wieder in Mode kommen dürften. Dass Paul Grüter ein Meister seines Fachs war, dokumentiert nicht nur die Kopie des Meisterbriefs an der Wand, eine Urkunde aus dem Jahr 1962 bescheinigte ihm, während eines mit der Note „gut“ absolvierten Zuschneidelehrgangs für Kostüme und Mäntel „sich mit den neuesten Erkenntnissen und Techniken moderner Zuschneidekunst vertraut gemacht“ zu haben.

Altes Handwerk und Arbeiten mit alten landwirtschaftliche Maschinen zeigen die Traktoren- und Raritätenfreunde Merzen während des 5. Treckertreffens. Vorführungen gibt es am Samstag, 26. August, und Sonntag, 27. August, jeweils ab 14 Uhr. Das Museumscafé ist an beiden Tagen zwischen 14 und 17.30 Uhr geöffnet.


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