Sechs Prozent Dividende Niedrigzins belastet Volksbank Osnabrücker Nordland

Von Josef Pohl


Merzen/Fürstenau. Identifizieren sich die jungen Leute nicht mehr mit ihrer Bank? Diese Frage stellte sich nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Geers während der Generalversammlung der Volksbank Osnabrücker Nordland im Saal Dückinghaus in Merzen angesichts der Altersstruktur der anwesenden Mitglieder. Die Genossenschaftsbank präsentierte ihren Mitgliedern trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase ein insgesamt zufriedenstellendes Geschäftsergebnis und zahlt sechs Prozent Dividende.

Vorstandsmitglied Herbert Niemann ließ im Bericht des Vorstandes das vergangene Jahr zunächst in Form eines filmischen Rückblicks Revue passieren. Dann lenkte er den Blick auf die Entwicklung der Volksbank Osnabrücker Nordland. „Die Niedrigzinsphase hat sich in unsere Bilanz hineingefräst“, so der Vorstandsvertreter.

„Nie staatliche Hilfe benötigt“

In anderen Ländern sei die wirtschaftliche Entwicklung nicht so positiv wie in Deutschland verlaufen. Die italienischen Banken rückten immer wieder in den Vordergrund, dort seien staatliche Stützungsmaßnahmen erforderlich. „Wir Volks- und Raiffeisenbanken haben noch nie staatliche Unterstützung benötigt“, so Niemann.

Die Stimmung in der Deutschen Wirtschaft habe sich deutlich verbessert. Deutschland stelle die erfolgreichste Volkswirtschaft in der Europäischen Union. Der Preisauftrieb der Verbraucherpreise, sprich die Inflationsrate, sei angesichts der leicht erhöhten Energiepreise auf 1,4 Prozent gestiegen.

Kunden investieren in „Betongold“

Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen setzten die Kunden verstärkt auf „Betongold“, so dass die Volksbank im vergangenen Jahr ein außerordentlich hohes Maß an Immobilienkäufen und -verkäufen betreut habe. Dabei habe die Bank die Kunden nicht nur als Makler sondern auch als Finanzierer begleitet. In diesem Zusammenhang verwies Niemann darauf, dass der langjährige Prokurist Bernhard Rolfes Ende des Monats in Rente gehe. Er sei seit 49 Jahren bei der Volksbank tätig und habe in dieser Zeit habe er nach eigener Schätzung etwa 1000 Häuser vermittelt. Als Nachfolger übernehmen für den Anlagebereich Andreas Behner und für den Immobilienbereich Dominik Mersch die Aufgaben von Bernd Rolfes.

Revolution im Bankenwesen

Das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung und die Digitalisierung treffen auch die Banken auf dem Lande. „Wir stehen nicht vor, sondern sind mitten drin in der vielleicht größten Revolution im Bankenwesen, seit 50 Jahren“, stellte Niemann fest. „Wir als Bank zahlen für Einlagen bei unserer Zentralbank, der DZ Bank, mittlerweile 0,30 Prozent“, so Niemann. Das Niveau belaste nicht nur die Sparer, auch Versicherungen, Pensionskassen und Bausparkassen hätten mit diesem Phänomen zu kämpfen. Das Jahr 2016 sei für die Aktienmärkte ein wechselhaftes gewesen.

Fusion als logische Konsequenz

Als Folge der Schuldenkrise gebe es ständig neue Gesetze und Verordnungen. Diese vielen zusätzlichen Arbeiten würden enorme Zeit binden und somit viel Geld kosten. Die Fusion mit der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück sei die logische Konsequenz und die einzig sinnvolle Alternative, die nicht ungenutzt verstreichen sollte. Die Mitarbeiter beider Banken würden durch viele gemeinsame Projekte und Aktivitäten eine „Fusion schon leben“, die Mitglieder hätten darüber im kommenden Jahr zu entscheiden.

Im Zusammenhang mit den Aktivitäten im Jugendbereich dankte Niemann der Mitarbeiterin Julia Hochstetter. Das Engagement reiche vom Schulmalwettbewerb, der Unterstützung der Schülerfirma der OBS Berge bis hin zu Beteiligungen bei Projektwochen der IGS Fürstenau und OBS Berge. Seit 2011 biete die Volksbank Reisen an, im Jahr 2018 sei eine Reise nach Montenegro.

Der langjährige Prokurist Franz Stuckenberg sei zum Ende des Jahres 2016 nach fast 48 Jahren in den verdienten Ruhestand getreten. Johannes Mess werde Ende August die Volksbank verlassen.

Fast sechs Millionen Zinsüberschuss

Den vom Verband geprüften Jahresabschluss erläuterte Vorstandsmitglied Reinhard Lewandowski. Obwohl die Bank es mit einem harten Wettbewerb, Niedrigzinsniveau, Überregulierung und höheren Eigenkapitalanforderungen zu tun habe, zeichnete Lewandowski noch ein zufriedenstellendes Bild. Die Bilanzsumme der Volksbank Osnabrücker Nordland stieg um 10,6 Millionen Euro auf 257,17 Millionen. Die Forderungen an Kunden hätten sich um 10,9 Mio. Euro auf 190,8 Mio. Euro erhöht. Der Zinsüberschuss in der Gewinn- und Verlustrechnung belief sich auf 5,9 Millionen Euro. Angesichts des Bilanzgewinns von gut 427000 Euro empfahl der Vorstand eine Dividende von sechs Prozent an die Mitglieder auszuschütten, wofür sich auch die anwesenden Genossen aussprachen.

Zum Ende seiner Ausführungen blickte Lewandowski auf das aktuelle Geschäftsjahr. Er rechne mit einem „abgeschwächten aber durchaus noch recht zufriedenstellenden Betriebsergebnis“.

Zweimal Wiederwahl

Vorstand und Aufsichtsrat wurden von den Mitgliedern, die auch kritische Fragen in Sachen Wertpapierbestand der Bank stellten, einstimmig entlastet. Bernd Ortland aus Bippen und Hermann Nosthoff aus Berge wären eigentlich ordnungsgemäß aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden, beide wurden jedoch einstimmig wiedergewählt. Auf die Frage, warum keine Frauen im Aufsichtsrat sitzen, gab es eine einfache Antwort: „Entsprechende Vorschläge lagen nicht vor“.


Die Bilanzsumme der Volksbank Osnabrücker Nordland stieg zum Jahresende 2016 um 10,6 Millionen Euro auf 257,17 Millionen Euro. Der Anstieg resultiert hauptsächlich aus dem Anstieg der Kundenkredite ( gut 190 Mio. Euro) und der Kundeneinlagen (fast 175 Mio. Euro). Die Anzahl der Kunden beläuft sich auf 14392 mit insgesamt 25389 Konten. Die Volksbank betreut 424 Wertpapierdepots der Kinden. Der Bank gehören 5329 Mitglieder mit insgesamt 7995 Anteilen an. Das Eigenkapital beläuft sich auf 20,646 Millionen Euro, zudem stehen zehn Millionen im Fond für allgemeine Bankrisiken. In den fünf Bankstellen beschäftigt die Volksbank 54 Mitarbeiter, davon drei Auszubildende. Die Personalkosten beliefen sich 2016 auf 3,1 Millionen Euro. jp