Damenschießgruppe wird 40 Jahre 1977 erobern die Höckelerinnen eine Männerdomäne

Auf ihr 40-jähriges Bestehen blickt die Höckeler Damenschießgruppe „Gut Schuss“ zurück. Foto: Christian GeersAuf ihr 40-jähriges Bestehen blickt die Höckeler Damenschießgruppe „Gut Schuss“ zurück. Foto: Christian Geers

Voltlage. Im Schützenverein Höckel gibt es einen doppelten Grund zum Feiern. Vor zehn Jahren bezogen die Schützen des Voltlager Ortsteils ihre Schützenhalle. Und die Damenschießgruppe „Gut Schuss“ blickt auf ihr 40-jähriges Bestehen zurück.

1977 ist das Jahr, das als „Deutscher Herbst“ in die Geschichte eingeht. Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer wird von der Roten Armee Fraktion (RAF) entführt und ermordet, zeitgleich kapern palästinensische Terroristen ein deutsches Flugzeug, das später in Mogadischu von der GSG 9 befreit wird. 1977 ist das Jahr, das Schlagzeilen macht.

Kuchenbacken dürfen die Frauen

Für reichlich Gesprächsstoff in Höckel sorgt im selben Jahr gewiss auch das Ansinnen einiger Frauen. Deren Männer sind selbstverständlich Mitglied im Schützenverein Höckel Männer und Schützenverein – das ist nicht nur in Höckel eine gewachsene Beziehung, Frauen bleibt die Mitgliedschaft verwehrt. „Kuchenbacken durften sie aber fürs Schützenfest“, erinnert sich Anne Stricker. Ältestes Mitglied der Damenschießgruppe ist mit 55 Jahren übrigens Mechthild Ostermann.

Als 14 der 17 Mitglieder zwischen 22 und 55 Jahren an diesem Sonntagabend vor dem Vereinshaus zum Fototermin erscheinen, sind die Ereignisse vor vier Jahrzehnten natürlich ein Thema. In der Chronik des Vereins gibt es nur spärliche Hinweise, und auch zu den vergangenen Geburtstagen ist die Geschichte der Damenschießgruppe nur sporadisch aufgearbeitet worden.

Munition muss selbst mitgebracht werden

Überliefert ist, dass die Damen von einst den Widerstand der Herren erst brechen mussten. Die Ehefrauen von Karl-Heinz Niehaus und Friedel Kamper hatten sich 1976 in den Kopf gesetzt, einmal schießen zu wollen. Die Ehemänner holten die Erlaubnis beim damaligen Schützenpräsidenten Bernhard Klausing ein. Der ließ die Damen an die vereinseigenen Gewehre, nur bei der Munition zeigte er sich knauserig: Die mussten die Frauen selbst mitbringen. Danach etablierte sich eine Gruppe von Frauen, die sich regelmäßig zum Schießen trafen. Der Anfang war gemacht. Nur nebenbei: Etwas fortschrittlicher war der Schützenverein Ost- und Westeroden. Dort gründete sich die Damenschießgruppe bereits im Jahr 1972.

Satzungsänderung ermöglicht Mitgliedschaft

Bis 1986 waren die Frauen in Höckel „irgendwie für sich“, erinnert sich Anne Stricker. In der Jahreshauptversammlung gelang dann der Durchbruch: Der Schützenverein änderte seine Satzung und ermöglichte den Frauen die offizielle Mitgliedschaft. „Seitdem nehmen wir aktiv am Vereinsleben teil und sind nicht mehr wegzudenken“, ergänzt Karin Bloom. In den vergangenen 40 Jahren sind immer wieder am Schießsport interessierte Frauen dazugestoßen. Alle zwei Wochen, immer mittwochs um 19.30 Uhr, greifen die Damen zu den Gewehren und trainieren. Der Übungsbedarf sei allerdings nicht so groß, sagt Bernadette Ameling. Was so viel heißt: Die Frauen sind gut im Training. „Anders als die Männer, die sich jeden Donnerstag treffen müssen“, frozzeln die Damen, die im gleichen Atemzug auf ihre Erfolge bei Wettbewerben verweisen. Das Gesellige kommt auch nicht zu kurz: Neben Tagesausflügen gehört auch alle zwei Jahre ein Wochenendausflug zum Jahresprogramm dazu.

Sich den Weg zum Thron erkämpft

In den Protokollen des Schützenvereins ist eine weitere entscheidende Begebenheit festgehalten. Und die lautet wörtlich so: „Über den Antrag der Damenschießgruppe auf Zulassung zum Erringen der Königswürde mit allen Rechten und Pflichten, die es hier zu beachten gilt, wurde im Jahr 2009 mit großer Mehrheit der Versammlung zugestimmt.“ Soll heißen: Seit acht Jahren können die Frauen beim Schützenfest die Königswürde erringen. Zwei Schützenköniginnen und zwei Klotzköniginnen gingen bisher aus den Reihen der Damenschießgruppe hervor. Beide Geburtstage – zehn Jahre Schützenhalle und 40 Jahre Damenschießgruppe – nimmt der Schützenverein Höckel zum Anlass für ein Pokalschießen. Es soll vom 13. bis 17. November ausgetragen werden. Eine Einladung erhalten – natürlich – die Damenteams aus der Umgebung, aber auch Herren- und Jugendmannschaften.


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