Den Gefühlen Jesu auf der Spur Kreuzigungszyklus des Neuenkirchener Künstlers Rohlfs

Von Alexandra Lüders

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Neuenkirchen. Was hat Jesus von Nazareth am Kreuz erlebt?“ Diese Frage hat sich der Künstler Udo Rohlfs aus Neuenkirchen/Bramsche gestellt. Entstanden ist ein beeindruckender Zyklus von 15 Gemälden.

Die Bilder sind in bis zu 30 einzelnen Arbeitsschritten aus der Komposition verschiedener Materialien und Techniken kreiert worden. Die Reihe ist eine Huldigung an die Opferbereitschaft Jesu und lädt zur kontemplativen, meditativen Auseinandersetzung in der Passionszeit ein. Es werden verschiedene, emotionale Zustände des gekreuzigten Jesu gezeigt, die er möglicherweise, ans Kreuz geschlagen, erlebt hat.

Für die Wurftechnik entschieden

„Wenn man ein Bild gemalt hat, bekommt man Ideen für das nächste Bild. Ich wollte mit dem Kreuzigungsthema an eine „Tatortserie“ anknüpfen, die ich mit Ende zwanzig gestaltet habe. In dieser Serie war die Kreuzigung der ultimative Abschluss meiner dargestellten Tatorte. 2015 habe ich das Kreuzthema wieder aufgegriffen. Ursprünglich sollte es nur ein Bild werden. Ich habe aber gespürt, dass der Gehalt des Themas für ein Bild viel zu komplex war. Das konnte ich nicht nur in einem Gemälde ausdrücken“, verrät Udo Rohlfs (47). Dank der Auseinandersetzung mit dem Action-Painter Jackson Pollock hat der Neuenkirchener sich für die Wurftechnik in verschiedenen Variationen entschieden.

Androgyne Figur als Interpretationsangebot

Wer Rohlfs in der Bilderausstellung live erlebt, spürt, dass diese dynamische Arbeitsweise seinem Temperament entgegenkommt. „Es gab einen Innen- und Außenbereich, den ich füllen wollte. Daraus entwickelte sich das Aufsplittern der möglichen Zustände und Emotionen des gekreuzigten Jesus. In der Planung hatte ich erst ganz andere Gefühle aufgelistet. Während der Arbeit fand aber eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema statt und es haben sich andere Emotionen herauskristallisiert“, schildert Rohlfs seinen Schaffensprozess. Beeindruckt von der Klarheit einer Kreuzigungsdarstellung des Malers Nicolas Tournier (1635/Louvre), wählte der Künstler eine schlanke androgyne Figur als Interpretationsangebot für weibliche und männliche Betrachter.

Auch Glasstaub in die Bilder integriert

In eineinhalb Jahren hat sich der Kunstlehrer am Gymnasium Bersenbrück in seiner Garage dem Kreuzigungs-Zyklus gewidmet. In dieser Zeit konnte er seine „Wurftechnik“ verfeinern sowie außer Lack und Acrylfarbe auch Glasstaub in seine Bilder integrieren. „Hier musste ich viel lernen: Welche Strukturen und Farbeffekte sich durch die Kombination von Lack- und Acrylfarbe ergeben. Die Konsistenz der Farbe variierte mit der Temperatur. Deshalb habe ich die Farben in heißes Wasserbad gestellt. Dünnflüssige Farbe ergibt ja ganz andere Würfe aus dem Handgelenk oder Unterarm heraus. Auch den Glasstaub habe ich selbst zerstoßen und mit Klarlack eine Melange gebildet. Dazu habe ich alle Leinwände selbst gebaut und Schablonen gefertigt. Der Prozess war insgesamt sehr spannend und experimentell. Trotzdem war in dieser Serie kein Fehlversuch dabei. Das klappt leider nicht immer“, schildert Rohlfs. Er konnte jeweils nur einen Arbeitsschritt machen bis die Farbe getrocknet war, dann folgten die nächsten Schablonen.

Kontrastreich in grün-roter Farbe

Erst ganz zum Schluss lüftete Rohlfs das Geheimnis jenes Bildes, welches er „Hochzeit“ nannte. „Der schönste Moment war, als ich zum ersten Mal das ganze Bild sehen konnte“, gesteht der Neuenkirchener. Als Format wählte der Aktionskünstler das stabile Format eines Quadrates, nur für das Auftakt- und Schlussbild arbeitete er nach dem Goldenen Schnitt in der Größe 1,25 mal 2 Meter. Hier sind Judas und Maria Magdalena in abstrahierter Form als Auftakt und Ausklang der Serie entstanden. Zwei Epilogbilder symbolisieren die Auferstehung Jesu, während die Bilder dazwischen die Gefühle Schmerz, Akzeptanz, Kontrolle, Nächstenliebe, Erschöpfung, Kontrollverlust, Isolation, Wut, „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Anklage/Trauer), Erlösung 1 und Freiheit (Erlösung 2) repräsentieren sollen. „Die Erlösung 1 ist in Bezug auf die Kreuzigung das persönlichste Bild für mich. Hier habe ich Jesus im grünen See schwimmen lassen und den Hintergrund schwarz gemalt. Auch das Bild von Maria Magdalena habe ich sehr kontrastreich in grün-roter Farbe gestaltet. Die Trauernde wird Leben und Hoffnung weitergeben, die Jesus gesät hat. Denn Frauen haben für Jesus nicht nur unter dem Kreuz eine große Rolle gespielt“, verweist Rohlfs auf seine Lieblingsbilder.

Huldigung der göttlichen Leistung

Der ganze Zyklus sei eine Huldigung an die göttliche Leistung des Menschen Jesus Christus, der die Kreuzigung provoziert und gewollt habe, um die Menschen durch seine Auferstehung zu erlösen. „Genau wie es unmöglich ist, mit dieser Technik ein Bild zwei Mal zu gestalten, ist es ebenso unmöglich die Nächstenliebe Jesu so konsequent zu leben wie er“, lautet Udo Rohlfs finale Erkenntnis. Kontakt und Infos unter www.udo-rohlfs.de oder per Telefon 05465/203204. Noch bis zum 5. Mai sind Bilder von Udo Rohlfs im Neuenkirchener Rathaus und im Juli im Ankumer Marienhospital (Nils-Stensen-Klinik)zu sehen.


Das Kreuz

Im Christentum symbolisiert das Kreuz die Verbindung zwischen Gott und dem Menschen. Es wurde 431 nach Christi Geburt durch das Konzil von Ephesos offiziell als christliches Zeichen eingeführt. Es leitet sich von der Kreuzigung Christi ab und wird theologisch eng mit der Thematik Schuld und Sühne verknüpft. Das Kreuz ist als Grabschmuck auf christlichen Gräbern häufig zu finden und gilt als Methypher für Tod, Krankheit und Bürde, aber auch für Frieden und Erlösung. Erst seit der Romanik ( frühes Mittelalter) ist die Kreuzigung Christi ein zentrales Thema der Christlichen Kunst. Im britischen Museum in London zeigt ein oberitalienisches Elfenbeinkästchen die älteste Wiedergabe der Kreuzigung aus dem Jahre 420. Wie aus archäologischen Funden bekannt, war das Kreuz schon bei den frühen Menschen in der Steinzeit ein Kultgegenstand. Europaweit stellen Kreuze in Kulthöhlen die ältesten Felsritzungen dar, die vermutlich als religiöse Welformel gedeutet werden können. alü

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