Modellprojekt „Drehscheibe“ Fördermittel des Bundes fließen nach Neuenkirchen



Neuenkirchen. „Wir bringen’s zusammen“ – so lautet die Botschaft des Modellprojektes „Drehscheibe“ in der Samtgemeinde Neuenkirchen. Gefördert wird das auf drei Jahre ausgelegte Vorhaben mit 99000 Euro aus Bundesmitteln. Weitere 46000 Euro muss die Samtgemeinde selbst aufbringen.

Statt Versorgungslücken und den zunehmenden dörflichen Identitätsverlust hinzunehmen, versucht die Plattform „Drehscheibe“, Menschen und Dienstleistungen wieder neu zusammenzubringen. Sowohl der Fachausschuss als auch der Rat der Samtgemeinde gaben für das Vorhaben grünes Licht, auch wenn es kritische Stimmen seitens der Merzener CDU-Vertreter gab. Ruth Klaus-Karwisch vom Fachbereich Bildung und Erziehung der Samtgemeinde koordiniert das Projekt vor Ort, Uwe Hummert soll es in die Tat umsetzen.

Das Projekt „Drehscheibe“ ist für drei Jahre angelegt und soll bereits in der Modellphase auf weitere Gemeinden im Landkreis Osnabrück über die Instrumente der integrierten ländlichen Entwicklung und interkommunale Zusammenarbeit transferiert werden. Durch den Fokus des Modellprojektes, Menschen „neu“ wieder zusammenzubringen und die Einbindung der lokalen Akteure tritt das Projekt nicht in Konkurrenz, sondern immer als Ergänzungs- und Netzwerkangebot auf. Diese Botschaft, mit dem örtlichen Gewerbe und den dörflichen Vereinen nicht zu konkurrieren, sondern zu kooperieren, soll die nachhaltige Verankerung des Projektes auch in weiteren Gemeinden ermöglichen.

Dörflicher Charakter

Mit einer Bevölkerungsdichte von 66,4 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Samtgemeinde Neuenkirchen die am dünnsten besiedelte im Landkreis Osnabrück und liegt weit unter dem niedersächsischen Landesdurchschnitt von 163 Einwohnern pro Quadratkilometer. Trotz ihrer peripheren Lage, abseits von den zentralen Verkehrsachsen und ohne Anschluss an das Bundesautobahnnetz, ist laut der im Ausschuss und Samtgemeinderat vorgestellten Bestandsanalyse die Arbeitslosigkeit gering und der gesellschaftliche Zusammenhalt in den Mitgliedsgemeinden stark. Durch die drei Gemeinden Neuenkirchen (4500 Einwohner), Voltlage (1800) und Merzen (3900) verfüge die Samtgemeinde über einen typisch dörflichen Charakter und stehe beispielhaft für viele Kommunen im wirtschaftlich starken nord-westlichen Niedersachsen.

Als problematisch wird bei der Betrachtung der Ausgangslage jedoch die sogenannte „Bildungswanderung“ junger Fachkräfte bewertet. Die gravierenden Veränderungen der Alters- und Erwerbsstruktur der Bürgerinnen und Bürger führten zu einem zunehmend eingeschränkten Dienstleistungsangebot in Sachen Mobilität, Grundversorgung oder medizinischen Leistungen. Beschleunigt werde diese Entwicklung durch das „Aussterben“ sozialer Kontaktpunkte wie Gaststätten, Einzelhändlern oder Arztpraxen.

„Eine Breitbandversorgung mit mindestens 30 Mbit/s, die das Land Niedersachsen bis zum Jahre 2020 landesweit verfügbar machen möchte, ist in der Gemeinde Voltlage nicht einmal für jeden zehnten Haushalt möglich“, heißt in der Bestandsanalyse weiter. Ein attraktives Angebot eines öffentlichen Personennahverkehrs könne bisher nicht etabliert werden, da eine kritische Masse an Fahrgästen bei weiten Entfernungen zwischen den Gemeinden nicht erreicht werden könne.

Soziale Dienstleistungen

Das Modellprojekt „Drehscheibe“ will vor Ort sowohl dem abwanderungsbedingt schwindenden Selbsthilfepotenzial in den Familien als auch den wegbrechenden Solidarstrukturen in den ländlichen Regionen begegnen. Menschen sollen mit ihren Talenten und Bedarfen wieder neu zusammengebracht werden, um soziale Dienstleistungen zu entwickeln und modellhaft zu erproben. Hierzu soll vornehmlich eine Brückenfunktion zu bestehenden Angeboten hergestellt werden, um Dienstleistungen zielgerichteter vermitteln zu können, bevor diese im Projekt selbst erbracht werden.

Doch wie kann die Umsetzung vor sich gehen? Die Konkretisierung wird als Kooperationsprojekt der Samtgemeinde Neuenkirchen mit dem Caritasverband Osnabrück durch eine Steuerungsgruppe erarbeitet und begleitet.

Dem „One-Stop-Shop“-Ansatz folgend, soll das Projekt in einem leer stehenden Ladenlokal in der Gemeinde Neuenkirchen als „Drehscheibe“ bürgerschaftlichen Engagements angesiedelt werden. Gedacht ist an bedarfsgerechten Aufbau, der auf drei Säulen beruht.

Eröffnung im Mai

Zum einen der Vermittlung professionaler Dienstleistungsangebote wie Internet-Hotspot oder Leerstandsmanagement. Auf der anderen Seite soll es aber passgenaue Ergänzungen zum örtlichen Einzelhandel geben wie zum Beispiel Direktvermarktung regionaler Produkte. Außerdem soll eine Clearingstelle mit sozialer Beratung in der „Drehscheibe“ eingerichtet werden.

Kickoff-Veranstaltung

Der Zeitplan sieht so aus, dass zuerst die Analyse der bestehenden Angebote und des Bedarfs abgeschlossen wird, parallel erfolgt die Konstituierung des Steuerungskreises. Im April soll es eine Kick-off-Veranstaltung geben, bei der das Modellprojekt der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird. Bis dahin sollte auch das erforderliche Ladenlokal angemietet und eingerichtet sein. Zudem geht es bereits auf die Suche nach geeigneten Kooperationspartnern. Im Mai dieses Jahres soll die „Drehscheibe“ laut dem im Samtgemeinderat vorgestellten Arbeitsplan eröffnet werden.


Attraktive, lebenswerte und vitale ländliche Regionen zu schaffen und zu erhalten ist ein wichtiges Ziel der Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag spricht sich die Regierung für gleichwertige Lebensverhältnisse in Städten und ländlichen Räumen aus. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nimmt sich dieser Aufgabe an und setzt sich für die ländlichen Regionen ein.

Ein Instrument des BMEL für die nachhaltige Gestaltung der ländlichen Regionen ist das 2015 einLändliche Regionen als attraktive und vitale Lebensräume zu erhalten – dafür setzt sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein.

Wichtiger Teil dieser Initiative ist das Bundesprogramm „Ländliche Entwicklung“, welches Modell- und Demonstrationsvorhaben, Wettbewerbe, Forschungsaktivitäten und Kommunikationsmaßnahmen bündelt.

Ab 2017 stehen jährlich 55 Millionen Euro allein für diese Initiative zur Verfügung. Das BMEL koordiniert die Aktivitäten und ist die Vernetzungsstelle für die Zukunftsperspektiven des ländlichen Raums.

So sollen beispielsweise mit unterschiedlichen Modell- und Demonstrationsvorhaben innovative Lösungen für die ländliche Entwicklung erarbeitet werden.

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