Runder Tisch in letzter Phase Umspannwerk Merzen: Amprion muss Kritik einstecken

Blick auf die 220-kV-Leitung von Lingen nach Wehrendorf, im Hintergrund ist der Windpark „Fahlen Knüven“ in Merzen zu sehen Foto: Christian GeersBlick auf die 220-kV-Leitung von Lingen nach Wehrendorf, im Hintergrund ist der Windpark „Fahlen Knüven“ in Merzen zu sehen Foto: Christian Geers

jp/pm Merzen/Bersenbrück. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat im Medienforum Bersenbrück erneut gut vier Stunden lang intensiv mit den Teilnehmern des Runden Tisches über Stromtrasse und Umspannwerk gesprochen. Erstmals mit dabei auch die neu gegründeten Bürgerinitiativen aus Sögeln und Neuenkirchen-Vörden. Auf eine gemeinsame Pressemitteilung konnten sich die Teilnehmer am Ende aber nicht verständigen.

Themen wie eine rechtliche Verfahrenseinschätzung vom Amt für Landesentwicklung, Lastflüsse auf der 110kV-Ebene der Firma Westnetz sowie das Umweltgutachten des Planungsbüros Kortemeier Brokmann standen auf der Tagesordnung. Amprion hatte weitere Gutachten und Expertisen beigebracht und wollte damit den aus Unternehmenssicht transparenten und nachvollziehbaren Suchprozess nach dem bestgeeigneten Standort für die geplante Umspannanlage im Bereich Merzen unterstreichen.

Weitere Suchräume unter die Lupe nehmen

Das Büro Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten stellte die Ergebnisse seiner Umweltstudie vor. Laut Amprion in einer Tiefenschärfe, die der eines Raumordnungsverfahrens entspreche – wie für die Arbeit am Runden Tisch vereinbart. Das Gutachterbüro nahm für die sechs Suchräume eine Einstufung in Kategorien vor. In der Gesamtauswertung empfahl das Gutachterbüro die Suchräume „Höckeler Straße“ und „Hackemoor“ zur weiteren „Konkretisierung der Planung der Umspannanlage Merzen“. Allerdings, auch das machte Gutachter Michael Kasper deutlich, gebe es aus seiner Sicht für keinen der sechs Suchräume innerhalb des Amprion-Rechtecks ein Ausschlusskriterium. Amprion hatte mögliche Standorte außerhalb des Suchraumes, beispielsweise an der A1, nicht überprüfen lassen. Dieses Vorgehen war so nicht vereinbart und wurde, so die Bürgerinitiative Hackemoor unter Strom , insbesondere von den Vertretern des Landkreises Osnabrück kritisiert, da es die vereinbarte Ergebnisoffenheit für das Suchverfahren unterlaufe.

Vor wenigen Tagen wurden Amprion die von den Bürgerinitiativen der Region gesammelten 5000 Unterschriften mit einem Beschwerdebrief öffentlich überreicht. Nach Protesten der meisten Teilnehmer der Runde und unter Verweis auf die erst kürzlich eingereichten Unterschriften zugunsten eines Raumordnungsverfahren (ROV) hat sich Amprion bereit erklärt, die Standortbewertung dreier Standorte außerhalb des Suchraumes nachzuholen. „Auf Wunsch einiger Teilnehmer wird der Netzbetreiber aber weitere Untersuchungen für den Bereich südlich des Alfsees, unmittelbar östlich der A1 und am ehemaligen Nato-Flughafen beauftragen“, heißt es in der Amprion-Mitteilung.

Dass die Umspannanlage im Bereich Merzen dringend benötigt werde, habe, so Amprion, die Westnetz GmbH bei dem Treffen noch einmal deutlich gemacht. Schon die derzeit beantragten Anlagen würden die Kapazitätsgrenzen überschreiten. Darüber hinaus lägen Voranfragen für weitere Anlagen vor. „Durch den Netzengpass entstehen Kosten in Höhe von jährlich 17 Mio. Euro“, teilt Amprion mit. Und die müssten vom Stromkunden gezahlt werden.

Netzrelevante Daten gefordert

Wie die Bürgerinitiative Hackemoor unter Strom erklärt, habe der Landkreis Osnabrück allerdings in der Sitzung klargestellt, dass es vor Ausweisung der neuen Windvorranggebiete im Landkreis ein Gespräch mit der Firma Westnetz gegeben habe, in dem sie die Notwendigkeit eines Netzausbaus zur Umsetzung von geplanten Windparks verneint habe. Auch seien die Betreiber der geplanten Windparks bei den durch Westnetz erteilten Netzanschlusszusagen nicht auf bereits vorhandene Netzengpässe hingewiesen worden. Hackemoor unter Strom hat bereits vor Monaten die eigentlich öffentlichen, netzrelevanten Daten von den Firmen Westnetz und Amprion zur eigenen Überprüfung und Validierung angefragt. Bisher hat die BI aber keine Daten erhalten. „Da sich beide Firmen gegen einen transparenten Umgang mit den Netzdaten ausgesprochen haben, ist auch an dieser Stelle davon auszugehen, dass eine gutachterliche Überprüfung zu einem für die Argumentation der Firmen nachteiligen Ergebnis käme“, meint die Bürgerinitiative.

Genehmigungsverfahren offen

Das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) konnte sich beim Treffen nicht endgültig zum Thema Genehmigungsverfahren für das Umspannwerk positionieren. Es bleibt nach wie vor offen, ob es zu einem Raumordnungsverfahren unter Einbeziehung der Standortfrage des Umspannwerks in Merzen kommen wird, oder ob es bei dem von Amprion präferierten, vereinfachten Verfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz kommt. Dringende Unterlagen des Energiereferats des Niedersächsischen Umweltministeriums fehlten noch.

Bereits am 7. November kommt es zur finalen vierten Sitzung des von Amprion in Leben gerufenen Runden Tisches.


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