Zuspruch für Bürgerinitiative Geballter Gegenwind gegen Umspannwerk Merzen

Von Ulrike Havermeyer


Merzen. Sein erstes Ziel hat der Verein „Hackemoor unter Strom“ zweifellos erreicht: Möglichst viele Menschen wollte die Initiative über die Auswirkungen des von der Firma Amprion in Merzen geplanten Umspannwerkes aufklären.

Dass der Saal der Gaststätte Maassmann bei der ersten Informationsveranstaltung mit mehr als 300 Besuchern allerdings förmlich aus den Nähten zu platzen drohte – damit hatten wohl selbst die kühnsten Optimisten im Vorstand nicht gerechnet.

Nicht mit Polemik, sondern durch sachliche Informationen wolle der Verein den Bau des insgesamt rund zwölf Hektar großen Umspannwerks im Merzener Landschaftsschutzgebiet „Hackemoor“ verhindern, betonte Vereinsvorsitzender Udo Biemann. Die Lösung könne allerdings nicht darin liegen, das ungeliebte Bauprojekt den Bürgern der benachbarten Gemeinden „vor die Nase zu setzen“, sondern: „Wir wollen gemeinsam einen alternativen und für die gesamte Region akzeptablen Standort zu finden“, betonte er.

Militärgelände als Alternative?

Als Alternative brachte Biemann das ehemalige Militärgelände in Neuenkirchen-Vörden ins Spiel: „200 Hektar unbebaute Fläche in unmittelbarer Nähe zur Autobahn – keine Häuser, keine Kindergärten, keine Menschen. Das scheint uns ideal.“ Zumal diese Lage wohl auch einer Trassenvariante für die ebenfalls geplante 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung entlang der Autobahn in die Karten spielen würde. Aber wie geht man vor, wenn man als Bürgerinitiative die Pläne eines gigantischen Unternehmens wie die des Netzbetreibers Amprion durchkreuzen will?

Wenn Gegner zu Dialogpartnern werden

Dass so etwas gelingen kann, verdeutlichte Energieberaterin Anne Stamm vom Verein „Menschen unter Strom“ aus Garenfeld in der Nähe von Dortmund. Auch in ihrer Gemeinde hatte die Firma Amprion vor drei Jahren ein Umspannwert – in zentraler Lage – geplant. Doch durch das Engagement einer Bürgerinitiative, in der sich binnen zwei Wochen rund 1800 Mitglieder formierten, wurde dessen Bau verhindert und an einem weniger umstrittenen Standort realisiert. „Als wir in den Dialog mit der Firma Amprion eingetreten sind, haben wir uns zunächst gefühlt, als säßen wir dem Feind gegenüber“, berichtete Stamm. „Aber dann haben wir festgestellt, dass auch Amprion mit sachlichen Argumenten arbeitet und gegenüber dem von uns erarbeiteten Kriterienkatalog durchaus aufgeschlossen war.“ Im Laufe der Zusammenarbeit sei dann „tatsächlich so etwas wie Vertrauen entstanden.“

Politiker zeigen sich solidarisch

Nicht nur die Einwohner, auch die Vertreter der Politik – neben Bürgermeister Gregor Schröder aus Merzen waren seine Kollegen Christoph Lührmann (Neuenkirchen), Bernhard Egbert (Voltlage) und Detert Brummer-Bange (Ankum) sowie auch weitere Ratsmitglieder anwesend – signalisierten ihre Solidarität gegenüber den Zielen des Vereins. Lührmann wies auf eine grundsätzliche Dialogbereitschaft hin, auf die er bei den Mitarbeitern der Firma Amprion bisher gestoßen sei und bot der Bürgerinitiative an, den Kontakt zwischen ihr und dem Unternehmen herzustellen.

Kostenloser Beitritt in den Verein

„Wir haben nur diese eine Chance: In den nächsten sechs Monaten mit Amprion ins Gespräch zu kommen“, fasste Udo Biemann zusammen. Je mehr Mitglieder der Verein bis dahin habe, desto schwerer wiege seine Stimme. Der Beitritt sei kostenlos, Spenden erwünscht, Beitrittsformulare könnten unter www.hackemoorunterstrom.de heruntergeladen werden. Einige man sich mit dem Netzbetreiber auf keinen alternativen Standort für das Umspannwerk , erwäge der Verein dann allerdings auch die Möglichkeit einer Klage, kündigte Biemann an.


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