„Hackemoor unter Strom“ Widerstand gegen Umspannwerk bei Merzen formiert sich

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Neuenkirchen/Merzen. 14 Bürger aus Neuenkirchen und Merzen haben den Verein „Hackemoor unter Strom“ aus der Taufe gehoben. Nach dem Willen der Gründungsmitglieder soll er zum Sprachrohr und zur Interessenvertretung aller Einwohner werden, die vom geplanten Umspannwerk bei Merzen betroffen wären. Im Januar möchte sich der Verein mit einer Infoveranstaltung einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Die Kritik des Vereins „Hackemoor unter Strom“ richtet sich gegen das Vorhaben des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Das Dortmunder Unternehmen plant nicht nur mit der Firma Tennet den Neubau einer 380-Kilovolt-Höchstspannungleitung von Conneforde nach Merzen. Hier, am Endpunkt der Stromtrasse, ist außerdem ein Umspannwerk geplant, wie Amprion im Sommer bekannt gab.

Für Umspannwerk werden zwölf Hektar benötigt

„Wir wollen die Einwohner aufklären und über die möglichen Auswirkungen informieren“, sagt Udo Biemann. Der Neuenkirchener ist in der Gründungsversammlung zum 1. Vorsitzenden bestimmt worden. Weitere Mitglieder des Vorstandes sind Tim Tobergte (2. Vorsitzender), Christian Ruberg (Kassierer) und Judith Abing (Schriftführerin). Biemann und seine Mitstreiter betrachten die Planungen rund um den Bau des Umspannwerkes südlich von Merzen mit größter Sorge. „Da wird kein kleiner Transformator mitten in die Landschaft gestellt.“ Für die Anlage würden bis zu zwölf Hektar Fläche benötigt, sagt er.

Vor allem die Größenordnung des Bauvorhabens im Hackemoor zwischen Merzen und Neuenkirchen schreckt die Vereinsmitglieder auf. „Wir müssen allen Bürgern im Suchraum das Ausmaß dieses Vorhabens deutlich machen“, ergänzt Tim Tobergte. Hier sei eine der größeren Anlagen in Deutschland geplant, die unmittelbaren Auswirkungen für Menschen und Natur seien noch gar nicht zu überblicken.

Eingriff in die Landschaft

Neben gesundheitlichen Risiken durch Elektrosmog stelle ein zwölf Hektar großes Umspannwerk an dieser einen tiefen Eingriff in das Landschaftsbild dar. „Die Anlage hat die Ausmaße eines Industriegebietes“, sagt Tobergte. Ein Standort im Hackemoor sei die falsche Wahl: Das Areal liege in einem Landschaftsschutzgebiet, sei wichtig für die Wassergewinnung. Anwohner müssten darüber hinaus noch mit finanziellen Einbußen rechnen, denn ihre Immobilien verlören durch das Umspannwerk „mindestens die Hälfte an Wert“.

Nicht nachvollziehen kann Udo Biemann die Vorgehensweise des Netzbetreibers. Amprion habe mitgeteilt, dass das Umspannwerk schon 2018 – und damit deutlich früher als die neue 380-kV-Leitung – in Betrieb gehen solle. Es sei zu fragen, wie Amprion auf dieser Grundlage planen könne, wenn der genaue Verlauf der Stromleitung noch gar nicht feststehe. Außerdem befürchtet der Vereinsvorsitzende, dass das geplante Umspannwerk nach 2035 noch deutlich vergrößert werden könnte. „Merzen wird ein strategischer Entwicklungspunkt bleiben“, sagt er. Deshalb müsse es das Ziel aller Beteiligten sein, „einen Standort innerhalb und außerhalb des Suchraums zu finden, der wirklich geeignet ist“.

Eine weitere Befürchtung des Vereins: Das Genehmigungsverfahren für den Bau des Umspannwerkes könnte „still und leise und ohne wirkliche Bürgerbeteiligung“ ablaufen. Während bei der Planung der neuen Stromtrasse eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung gebe, sei bei der Genehmigung des Umspannwerkes ein deutlich verkürztes Verfahren zu erwarten.

In den kommenden Wochen will der gerade gegründete Verein auf sich und sein Anliegen aufmerksam machen und Werbung in eigener Sache betreiben. Eine Internetseite ist bereits freigeschaltet, auf der regelmäßig über den Fortgang des Projektes berichtet werden soll. Zu wenige Menschen in Merzen und Neuenkirchen, so der Eindruck, ahnten bisher, „was da auf sie zukommt“.

Verein lässt sich beraten

Der Vorstand kündigt an, sich alle nötigen Informationen rund um den Bau des Umspannwerkes beschaffen zu wollen. „In technischer und juristischer Hinsicht, und vor allem von unabhängiger Seite“, so Udo Biemann. Auch eine anwaltliche Beratung werde der Verein bei Bedarf in Anspruch nehmen, um seine Interessen zu vertreten.

Ebenfalls in der Pflicht, die Bedenken und Befürchtungen der Bürger ernst zu nehmen und ihrerseits für Aufklärung zu sorgen, sieht der Vorsitzende auch die Gemeinderäte von Merzen und Neuenkirchen.

Infoabend am 21. Januar 2016 in Merzen

Am Donnerstag, 21. Januar, plant der Verein „Hackemoor unter Strom“ eine erste Informationsveranstaltung für alle interessierten Einwohner. Sie beginnt um 19 Uhr in der Gaststätte Maassmann in Merzen.Info/Kontakt: „Hackemoor unter Strom“, E-Mail: info@hackemoorunterstrom.de ; Internet: www.hackemoorunterstrom.de


Merzen ist aus Sicht der Netzbetreiber bereits heute ein wichtiger Knotenpunkt. Von Lingen führt eine 220-kV-Leitung nach Wehrendorf, in Merzen zweigt eine 220-kV-Leitung ab, die nach Westerkappeln führt. Deshalb bietet sich aus Sicht des Netzbetreibers Amprion das Leitungsdreieck Merzen an, um die 380-kV-Transportleitung in das bestehende Stromnetz einzubinden. Dazu sei der Bau einer Umspannanlage erforderlich, teilte das Unternehmen mit. Dafür ist ein Flächenbedarf in der Größenordnung von zwölf Hektar nötig. Das sind umgerechnet etwa 16 Fußballfelder. Der etwa fünf Kilometer breite Suchraum reicht vom westlichen Gemeindegebiet Merzens bis nach Thiene und Hesepe. Betroffen vom Bau der Anlage wären also die Gemeinden Merzen und Neuenkirchen sowie die Stadt Bramsche. Die Planungen von Amprion sehen so aus: Zurzeit sucht Amprion Grundstücke für den Standort des Umspannwerkes, als Tausch- und Ausgleichsfläche. Im zweiten Quartal 2016 sollen die Flächen zur Verfügung stehen. Bis Ende 2016 soll das genaue Aussehen der Anlage festgelegt werden, so dass im ersten Quartal 2017 das Genehmigungsverfahren starten kann. Baubeginn könnte nach jetzigem Stand im zweiten Quartal 2017 sein. Ende des Jahres 2018 soll das Umspannwerk in Betrieb genommen werden. cg

Info im Internet: www.amprion.net

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