Für Ernstfall gewappnet Einsatz nach Drehbuch auf Bauernhof in Voltlage

Von Bjoern Thienenkamp


Voltlage. Drei Menschen im vernebelten Gebäude, eine unter einem landwirtschaftlichen Anhänger, ein Gastank in Brandnähe – und dann wird auch noch ein Feuerwehrmann vermisst. So sah der Ernstfall am Freitagabend in Voltlage aus. Der war allerdings nur gespielt, denn es handelte sich dabei um eine Übung der drei Feuerwehren in der Samtgemeinde Neuenkirchen.

Um 19 Uhr alarmiert die Rettungsleitstelle zu einem Einsatz in der Straße Moorriede in Voltlage . Was kurz darauf bei Landwirt Josef Sander passiert, das sehen sich nicht nur Ida und Charlotte, die beiden sehr jungen Damen des Hofes, sehr genau an.

Blaulicht blitzt durch den Himmel

Die Sirene aus dem Dorf schallt herüber, Tatütata nähert sich, blaues Licht blitzt durch den schwarzen Himmel, die großen roten Autos der Freiwilligen Feuerwehren aus Merzen, Neuenkirchen und Voltlage preschen auf den Hof, nehmen Aufstellung, Rollos werden hochgeschoben, Schläuche ausgerollt, Aggregate hervorgezogen, Scheinwerfermasten ausgefahren, Funksprüche liegen in der Luft, insgesamt wuseln etwa 75 Feuerwehrmänner herum, auch Frauen sind dabei, einige mutieren mittels Atemmaske und Schutzkleidung fast zu Astronauten.

Auch der Retter wird gerettet

Vor den Augen von Politik und Polizei sowie Verwaltung und Beobachtern läuft wohl alles so, wie sich Voltlages Ortsbrandmeister Richard Hölscher das ausgedacht hat. Natürlich werden alle gerettet, auch der zwischenzeitlich selbst rettungsbedürftige Retter.

Ende gut, alles gut? Das zeigt sich bei der Manöverkritik im Feuerwehrhaus. Herbert Kempe als Gemeindebrandmeister zeigt sich zufrieden, spricht von 135 Einsätzen in 2014 und übergibt an die Beobachter. „Ihr seid schon flott, fünf Minuten nach Eintreffen ist der erste Angriffstrupp bereit“, lobt Norbert Kleene und geht auf die Einteilung auf dem Platz und die Aufstellung der Fahrzeuge ein. „Die Trage ist zu lang und zu kantig“, empfiehlt der stellvertretende Löschzugführer aus Hopsten eine Sicherheitstrupptasche mit Tragetüchern. „Mit Lufthauben können verletzte Personen eine halbe Stunde im Brandraum überleben“, ist ein weiterer Rat. „Vier oder fünf Kanthölzer übereinander, das ist eine wackelige Angelegenheit“, findet er das Abstützen des Anhängers verbesserungswürdig.

Manöverkritik nach einerstündiger Übung

„Mit der Trage um die Ecke, das geht nicht“, urteilt auch Hubert Ahrens. „Es geht nicht alles auf einmal, daher sollte mit technischen Mitteln die Einsatzzeit verlängert werden, um Erfolg zu haben“, rät der ehemalige Wehrführer der Feuerwehr Halverde.

„Genauso wichtig, wie in Eurer Arbeit Leben zu retten, ist es, selbst gesund nach Hause zu kommen“, findet Hildegard Schwertmann-Nicolay. „Das war eine hervorragende Übung, die wichtig für eure Einsätze ist. Wir investieren gerne in die Hardware, denn das Wichtigste ist eure Gesundheit“, sagt die Samtgemeindebürgermeisterin und berichtet von einer nunmehr geschlossenen Versicherungslücke.

„Jede Feuerwehr macht das Feuer anders aus“, bringt es Ralf Auf dem Felde auf den Punkt. „Aber aus ist es hinterher immer“, resümiert der Abschnittsleiter Nord.


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