Verfahrensbeginn im Herbst 2015 Stromtrasse nach Merzen: Amprion bereitet Planung vor

Von Christian Geers

Durch den Altkreis Bersenbrück soll den aktuellen Planungen zufolge im Jahr 2022 eine neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung gebaut werden, die in Merzen endet. Der Verlauf der Trasse ist ungewiss, sicher ist nur, dass sie in Merzen enden wird. Ob neben der geplanten Freileitung auch eine teilweise Erdverkabelung möglich ist, steht ebenfalls noch nicht fest. Symbolfoto: dpaDurch den Altkreis Bersenbrück soll den aktuellen Planungen zufolge im Jahr 2022 eine neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung gebaut werden, die in Merzen endet. Der Verlauf der Trasse ist ungewiss, sicher ist nur, dass sie in Merzen enden wird. Ob neben der geplanten Freileitung auch eine teilweise Erdverkabelung möglich ist, steht ebenfalls noch nicht fest. Symbolfoto: dpa

Altkreis Bersenbrück. Im Jahr 2022 soll eine 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung die Umspannwerke Conneforde, Cloppenburg und Merzen miteinander verbinden. Das sieht der aktuell gültige Netzentwicklungsplan (NEP) vor. Beauftragt mit dem Bau dieser Stromtrasse ist der Netzbetreiber Amprion. Das Dortmunder Unternehmen bereitet zurzeit die Planungen vor. Die werden die Samtgemeinden Artland, Bersenbrück und Neuenkirchen sowie die Stadt Bramsche direkt betreffen. In Merzen ist außerdem ein Umspannwerk geplant, das deutlich früher fertig sein soll.

Die Situation: Zurzeit sind die Umspannwerke Cloppenburg und Westerkappeln nicht miteinander verbunden. Der aktuell gültige Ausbauplan sieht vor, zwischen Conneforde und Cloppenburg in bestehender 220-Kilovolt-Trasse eine neue 380-Kilovolt-Leitung zu bauen. Darüber hinaus ist zwischen Cloppenburg und Westerkappeln der Neubau einer 380-Kilovolt-Leitung vorgesehen, wobei in Merzen ein Knotenpunkt vorgesehen ist. 55 Kilometer liegen zwischen Cloppenburg und Merzen, die eine Höchstspannungsleitung verbinden soll. Warum diese Stromtrasse nötig ist, hat Amprion-Projektleiter Arndt Feldmann den Vertretern der betroffenen Gemeinden sowie den Räten von Merzen und Neuenkirchen erläutert. Mit dabei waren seine Kollegen Sebastian Knaup, Verantwortlicher für die Genehmigung des Leitungsbaus, und Markus Mochalski, Projektkoordinator und verantwortlich für den Bau der Umspannanlage.

Planung überarbeitet: Westerkappeln kein Endpunkt mehr

Das Ziel: „Erhöhung der Übertragungskapazität“ – so kurz und knapp bringen Experten das Projekt auf den Punkt. Mit anderen Worten: Der Strom, der in den großen Windparks vor der ostfriesischen Küste produziert wird, muss zu den Verbrauchszentren im Süden der Bundesrepublik geleitet werden. Der Bau der 380-kV-Leitung erhöht laut Feldmann die dringend benötigten Netzkapazitäten. Dazu seien Umbau, Erweiterung und Ertüchtigung des Stromnetzes notwendig, so Knaup.

Grundlage für diesen Neubau ist der Bundesbedarfsplan 2013. Darin ist von einer Stromtrasse die Rede, die von Cloppenburg nach Westerkappeln reicht. Doch diese Planung sei inzwischen überholt. „Aus naturschutzrechtlichen Bedenken“, wie Arndt Feldmann erklärt. In der nächsten Überarbeitung des Bundesbedarfsplans werde mit Merzen als Endpunkt geplant.

Netzbetreiber: Planungen stehen ganz am Anfang

Der Stand der Dinge: Die Planungen für den Leitungsbau stehen nach Angaben des Netzbetreibers Amprion ganz am Anfang. Einen Blick auf die Landschaft haben die Experten natürlich geworfen und mit einer Raumwiderstandsanalyse begonnen. Auf einer Karte sind alle Widerstände aufgeführt, die Einfluss auf einen Trassenverlauf haben: Wohngebiete, Naturschutz- und Erholungsgebiete. Sie alle sind auf der Karte unterschiedlich eingefärbt – von blassrot bis knallrot. Knallrot gilt als Ausschlusskriterium. Dazu zählen zum Beispiel Wohngebiete. Daneben müssen die Planer Mindestabstände einhalten: 400 Meter zu Wohn- und Mischgebieten, 200 Meter zu Einzelwohnanlagen.

Samtgemeinde Fürstenau von Planung nicht betroffen

Anfangs- und Endpunkt stehen also mit Cloppenburg und Merzen fest. Zurzeit gibt es mehrere Suchkorridore, die jeweils etwa fünf Kilometer breit sind. Der Altkreis Bersenbrück liegt mittendrin, betroffen sind die Samtgemeinden Artland, Bersenbrück und Neuenkirchen sowie die Stadt Bramsche. Die Samtgemeinde Fürstenau berührt die 380-kV-Leitung nicht. Ein östlicher Suchkorridor umfasst auch Teile des Nachbarkreises Vechta und verläuft entlang der Autobahn 1.

Antragskonferenz für Herbst 2015 wird vorbereitet

Das Verfahren: Jeder dieser Suchräume wird vorab genau untersucht. Amprion hat das Ziel, infrage kommende Korridore von maximal einem Kilometer Breite herauszuarbeiten. Diese vorläufige Raumwiderstandsanalyse dient der Vorbereitung einer Antragskonferenz, die im September geplant ist und der Vorbereitung des folgenden Raumordnungsverfahrens dient. Nach der Antragskonferenz steht fest, welche Korridore im Raumordnungsverfahren für die 380-kV-Leitung untersucht werden sollen und welche Unterlagen und Gutachten dafür erforderlich sind. Im Raumordnungsverfahren werden die Vorhaben geprüft, ob sie für Mensch und Natur verträglich sind. Beteiligt daran sind viele Behörden, Institutionen und Kommunen sowie die Bürger. Dieses Verfahren könnte 2017 abgeschlossen werden. Das Amt für regionale Landesentwicklung (ARL) in Oldenburg entscheidet sich dann für einen Vorzugskorridor. Der wird aus Sicht der Netzbetreiber technisch und ökonomisch sinnvoll sein, zugleich müssen die negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur so gering wie möglich ausfallen.

Teilweise Erdverkabelung möglich?

Standorte von Strommasten und den genauen Trassenverlauf legt der Netzbetreiber erst im folgenden Planfeststellungsverfahren fest. Wiederum gibt es eine Beteiligung durch Behörden und Bürger. 2020 könnte das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein. Bis 2022 soll die Stromtrasse dann gebaut werden.

Noch gar nicht abzusehen ist, inwieweit zwischen Cloppenburg und Merzen eine teilweise Erdverkabelung möglich wird. Denn wenn das bisherige Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) novelliert wird, könnte auch das Bauprojekt durch den Altkreis Bersenbrück zu einer Erdkabel-Pilotstrecke werden.

Amprion kündigt transparente Informationspolitik an

Das sagt Amprion: „Wir reden hier von einem sehr langen Zeitraum“, stellte Projektleiter Arndt Feldmann den vorliegenden Zeitplan vor, der auf Schätzungen beruht. „Wir werden alle Beteiligten frühzeitig einbeziehen und eine offene und transparente Informationspolitik betreiben“, kündigte er einen engen Dialog mit dem Bürger an. Ein guter Austausch zwischen allen Beteiligten sei erforderlich, um Verständnis für das Bauprojekt zu entwickeln. Ziel sei, die „bestmögliche Variante zu suchen und zu finden“. Dazu werde es eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten geben.


Am Dienstag, 11. August, veranstaltet die Initiative Bürgerdialog Stromnetz in ihrem Bürgerbüro in Quakenbrück, Menslager Straße 3, eine Bürgersprechstunde. Zu Gast ist Arndt Feldmann, zuständig für die Projektkommunikation beim Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Er beantwortet zwischen 14.30 und 18 Uhr Fragen von Bürgern rund um den Stromnetzausbau. Ansprechpartnerin im Bürgerbüro ist Melanie Pust. Im Kreis Osnabrück finden zurzeit Planungen für mehrere Stromtrassen statt. Die Initiative Bürgerdialog Stromnetz will vor Ort Fragen zum Bedarf, zu technischen Möglichkeiten und zum Planungsablauf beantworten.

Info im Internet:www.buergerdialog-stromnetz.de