Wegerandstreifen aufwerten Flächenklau: Gemeinde Merzen will genauer hinschauen

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Merzen. Die Gemeinde Merzen wird die Straßen und Wege in ihrem Besitz demnächst genauer unter die Lupe nehmen. Sie wird eine Studie in Auftrag geben, um herauszufinden, wo Landwirte Grundstücksgrenzen nicht einhalten und Wegerandstreifen beackert werden. Ziel ist, diese Randstreifen später möglichst ökologisch aufzuwerten und sie als Ausgleichsmaßnahmen anerkennen zu lassen.

Über diese Flächenpotenzialanalyse hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung ausführlich beraten. Bei dieser Untersuchung werden Luftbilder mit den Liegenschaftskarten überdeckt. Dabei zeigt sich, ob die Randstreifen zu beiden Seiten der gemeindeeigenen Straßen, die meist zum Flurstück der Wege gehören, fremdgenutzt werden.

Bürgermeister: Das gibt nur Ärger

Nach Einschätzung von Bürgermeister Gregor Schröder „bringt uns diese Studie nicht viel weiter“. Es sei schon heute bekannt, dass an manchen Stellen die Grundstücksgrenzen nicht eingehalten würden. „Wenn wir das Ergebnis der Untersuchung haben, muss es auch umgesetzt werden“, sagte er. „Und das“, befürchtete er, „gibt nur Ärger.“

Ludger Spinneker (SPD) widersprach. Er sei dringend geboten, die Studie in Auftrag zu geben. Die Kosten in Höhe von 3250 Euro seien „relativ gering“ und zahlten sich aus im Hinblick auf den Nutzen. Mancher Grünstreifen könnte später nach einer Aufwertung als Ausgleichsfläche dienen. Im Übrigen dürfe die Gemeinde das Verhalten mancher Landwirte nicht einfach so hinnehmen. „Das halte ich nicht für richtig.“

Appell an Ratskollegen

Auch Josef Klausing (Bündnis 90/Die Grünen) appellierte an seine Ratskollegen, „mit dieser Analyse den ersten Schritt zu machen“. Das Gutachten sei hilfreich bei der weiteren Vorgehensweise. Grünstreifen an den Wegen und Straßen seien ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Nach seiner Meinung müssten weitere Kompensationsflächen gesucht werden. „Und da gibt es in Merzen Defizite“, sagte er.

In der Nachbargemeinde Neuenkirchen, die als eine der ersten Gemeinden an dem von der Ilek-Region initiierten Modellprojekt beteiligt war, ergab die Flächenpotenzialanalyse, dass etwa zehn Hektar Wegerandstreifen fremdgenutzt wurden, vorwiegend durch die Landwirtschaft. Überwiegend würden die Grenzen eingehalten, „es gibt aber auch Ausreißer“, sagte Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay in der Sitzung. An einigen Stellen werde die Grenzlinie mehr als einen Meter überschritten. Eine Fläche von zehn Hektar sei durchaus für Ausgleichsmaßnahmen geeignet. Der Umgang mit dem Ergebnis „ist sicher nicht einfach“. Aber die Gemeinde Neuenkirchen werde gemeinsam mit dem Landvolk das Gespräch mit den betroffenen Landwirten suchen, kündigte sie an.

Einstimmiges Votum: Gemeinderat beschließt Studie

Neuenkirchen beschreite den richtigen Weg, war SPD-Ratsherr Reinhard Hellmann überzeugt. Bisher habe die Gemeinde Merzen immer nur Vermutungen über nicht eingehaltene Abstände geäußert, nun könne sie feststellen, ob und wo es „schwere Ausreißer gibt“. Er sei sich sicher, dass die Landwirte Verständnis für das Vorgehen hätten. Das sah auch Christof Büscher (CDU) so. „Wir sollten die Messungen machen.“ Er, selbst Landwirt, wies darauf hin, dass es einige wenige schwarze Schafe gebe, die die Grundstücksgrenzen nicht einhielten. „Das betrifft aber nicht den ganzen Berufsstand.“

Einstimmig beschloss der Rat schließlich, die Flächenpotenzialanalyse in Auftrag zu geben.


Auf Anregung der Jägerschaft Bersenbrück und in Zusammenarbeit mit den Ilek-Kommunen und dem Landkreis ist die „Wegerandstreifen-Initiative Nördliches Osnabrücker Land“ entstanden. Projektträger sind die vier Samtgemeinden im Nordkreis. Wegerandstreifen sind als Biotope für eine vielfältige Flora und Fauna in einer Kulturlandschaft von hohem ökologischen Wert. Vielerorts sind sie aber in schlechtem Zustand. Mit einer Flächenpotenzialanalyse soll ermittelt werden, wo es Möglichkeiten gibt, sie ökologisch aufzuwerten.

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