Vor 70 Jahren: Erbitterte Kämpfe 8. April 1945: Der„blutige Weiße Sonntag“ in Voltlage

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Neuenkirchen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Voltlage. Als „blutiger Weißer Sonntag“ geht der 8. April 1945 in die Geschichte der Gemeinde Voltlage ein. Mehr als Hundert Soldaten und Zivilisten kommen beim Einmarsch der britischen Truppen ums Leben. Denn deutsche Soldaten verteidigen verbissen den Ort im Südwesten des damaligen Kreises Bersenbrück. „So schlimm hatten wir es bisher vor keinem Bollwerk des Feindes erlebt“, heißt es über diesen Tag in den Kriegstagebüchern der „5. Battery of King’s Own Scottish Borderers“.

Dieser Sonntag, eine Woche nach Ostern, ist ein frühlingshafter Tag. Die Sonne scheint, es ist warm. Schon seit den Morgenstunden rollt die britische Armee von Dreierwalde in Richtung Weese. Sieben Kilometer lang ist die Kolonne, die sich über die Straßen zwängt: Panzer, Lastwagen, Soldaten. Am Vormittag gegen 9.30 Uhr wird Weese eingenommen. Die Truppen treffen kaum auf Widerstand. Gegen 11 Uhr rücken sie auf Voltlage vor – und geraten unter schweres Artilleriefeuer. Eine erbitterte Schlacht beginnt.

In Voltlage hatten sich junge Offiziersanwärter verschanzt, alle zwischen 17 und 18 Jahre alt. Sie gehörten dem Infanterieregiment „Großdeutschland“ an und unterstanden dem Kommando von Hauptmann Grünau. Der war von einem einzigen Gedanken besessen: Er wollte diese Schlacht gewinnen, koste es, was es wolle. „Hier wird bis zum letzten Blutstropfen gekämpft“, hatte er seinen jungen Männern immer wieder eingeschärft.

Die gehorchen zunächst und kämpfen. „Fanatischer Widerstand“ notiert der Kriegsberichterstatter. Die Briten müssen sich zurückziehen. Bei dem Versuch, Voltlage zu umfahren, bleiben ihre Panzer im moorig-sumpfigen Boden stecken. Erst gegen 16 Uhr am Nachmittag gelingt es den Alliierten, die Brücke über die Weeser Aa zu überqueren. Sie stehen immer noch unter schwerem Artilleriefeuer, und doch gelingt es ihnen vorzurücken.

Doch jeder Meter Boden, den sie gutmachen, lässt den Widerstand auf deutscher Seite nur noch verbissener werden. Um die Panzer zu stoppen, sprengen die Deutschen Bäume, um die Straße zu blockieren. Im Turm der St.-Katharinen-Kirche richten sie einen Gefechtsstand ein.

Gegen 17 Uhr gelingt es den Briten, das Dorf Voltlage weitgehend einzunehmen. Flugzeuge der Royal Air Force unterstützen die Bodentruppen aus der Luft, werfen im Tiefflug Bomben ab und feuern mit ihren Bordkanonen. Drohend schiebt sich die Panzerkolonne über die Hauptstraße. Immer noch leisten die Deutschen erbitterten Widerstand. Die Briten setzen systematisch Haus für Haus in Brand. Auch der Kirchturm, in dem sich deutsche Soldaten verschanzt haben, bleibt nicht verschont. Mehrfach wird er von Granaten getroffen. „Das Dorf ist vollständig in unserer Hand. Etwa 100 Gefangene wurden gemacht. Viele Feinde sind getötet“, schreibt der britische Chronist. Gegen 19 Uhr ist der Kampf entschieden. Das ganze Dorf ist unter Kontrolle der Briten.

Als die Dunkelheit an diesem Weißen Sonntag über Voltlage herüberzieht, stehen viele Häuser und Scheunen lichterloh in Flammen. Vieh liegt tot auf den Wiesen. Mehr als Hundert Menschen sind tot oder verwundet. Die Angaben darüber schwanken: Auf deutscher Seite sollen 14, auf britischer Seite zwischen 40 und 100 Soldaten getötet worden sein. Unter den Toten ist auch jener Hauptmann Grünau, der seine Soldaten gegen ihren Willen zum Kampf gezwungen hatte. Er fiel, so berichten Zeitzeugen, nicht durch Feindeshand. Angehörige seines Bataillons hatten ihn noch vor dem Einmarsch der Briten erschossen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN