Heinrich Denning verabschiedet Neuenkirchener Dorfsheriff geht in Ruhestand

Von Ulrike Havermeyer

Das Ende einer Ära: Nach 39 Jahren schließt die Polizeistation „Im Esche“ – Oberkommissar Heinrich Denning geht in den Ruhestand. Von links: Oliver Voges (Dienststellenleiter Bersenbrück), das Ehepaar Rita und Heinrich Denning, Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay, Werner Take (Stationsleiter Fürstenau) und Dieter Westermann vom Ordnungsamt. Foto: Ulrike HavermeyerDas Ende einer Ära: Nach 39 Jahren schließt die Polizeistation „Im Esche“ – Oberkommissar Heinrich Denning geht in den Ruhestand. Von links: Oliver Voges (Dienststellenleiter Bersenbrück), das Ehepaar Rita und Heinrich Denning, Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay, Werner Take (Stationsleiter Fürstenau) und Dieter Westermann vom Ordnungsamt. Foto: Ulrike Havermeyer

Neuenkirchen. Tatort: Neuenkirchen. Tatbestand: Der Dorfsheriff geht. Tatumstände: Nach 39 Jahren als Leiter der Polizeistation in Neuenkirchen verabschiedet sich mit Oberkommissar Heinrich Denning einer der dienstältesten Stationsbeamten Niedersachsens in den Ruhestand. Sein Nachfolger Wolfgang Garmann wird voraussichtlich im Januar 2015 die Räume der neuen Polizeidienststelle an der Lindenstraße 14 im ehemaligen Textilhaus Thedieck beziehen.

Noch hängt gleich neben der Hausnummer am Eigenheim der Familie Denning „Im Esche“ das blaue Schild mit der Aufschrift „Polizei“. Aber die „Polizei“ wohnt nicht mehr hier – und der Dienststellenleiter ist dann mal weg. Zunächst in Urlaub. Und dann in Pension. Heinrich Denning lächelt. Seufzt. Lächelt erneut. Doch, er habe jede Menge Pläne für den Ruhestand, beteuert er, aber irgendwie schwingt unüberhörbar auch noch ein Hauch von Wehmut mit. „Ich habe meinen Beruf ja immer mit Herzblut ausgeübt“, sagt der 62-Jährige. Und diese Leidenschaft lässt sich nicht von heute auf morgen abstellen.

Insgesamt 43 Jahre war Heinrich Denning im Einsatz, davon 39 Jahre als Leiter der Polizeistation in Neuenkirchen. „Eine außergewöhnlich lange Zeit“, betont Oliver Voges, Leiter der Dienststelle Bersenbrück. „Dass jemand mit 23 Jahren zum Stationsleiter ernannt wird, das kommt heute eigentlich nicht mehr vor.“ Nicht mehr üblich ist es heute zudem, dass – wie bei der Familie Denning – eine Polizeistation unmittelbar im Privathaus des Polizeibeamten eingerichtet wird. „Natürlich ist die ganze Familie auf diese Weise in die Polizeiarbeit involviert.“ Denn wer etwas auf dem Herzen hat, der klingelt eben auch außerhalb der offiziellen Dienstzeiten an der Haustür.

Oder hämmert mitten in der Nacht an die Fensterscheibe des Wohnzimmers. Heinrich Denning erinnert sich: „Es war schon dunkel, als eine Frau, barfuß und völlig aufgelöst, von draußen an unsere Scheibe klopfte.“ Familienstreitigkeiten, wie sich im Gespräch schnell heraus gestellt habe. „Die Frau hatte Angst – also habe ich sie nach Hause begleitet.“ Den aufgebrachten Ehemann beruhigt. Vermittelt. Beschwichtigt. „Schließlich war die Situation entschärft – und auch ich konnte im Morgengrauen wieder zu Bett gehen.“ Dennings Ehefrau Rita erinnert sich ebenfalls an die Situation. „Auf einmal warst du weg“, schüttelt sie den Kopf. „Ich hatte gar keine Gelegenheit, mir Sorgen um dich zu machen – erst im Nachhinein.“ Das ewige Los des weiblichen „Hilfs-Sheriffs“.

Und ganz anders als die vermeintlich so nervenstarken Fernsehkommissare, hat Heinrich Denning seine Dienstwaffe in all den Jahrzehnten, die er für die Einhaltung von Recht und Gesetz unterwegs war, sage und schreibe nur ein einziges Mal ziehen müssen: beim Versuch, Diebesgut sicher zu stellen. „Da kam der mutmaßliche Täter auf mich zu – und da fühlte ich mich ehrlich bedroht.“ Abgedrückt hat Denning übrigens nie. . Außer natürlich beim Training und den pflichtgemäßen Fortbildungen. Ein echter Dorfsheriff, der setzt – zumindest in der Realität – nämlich auf Prävention statt auf dramaturgische Effekte.