Viel Lob für Norbert Grasbon Voltlager Kirchenführer gewährt neue Einblicke

Von Christian Geers


Voltlage. Mit ihrer für Norddeutschland ungewöhnlich üppigen Barockausstattung zählt St. Katharina zu den besonderen und außergewöhnlichen Kirchen im Altkreis Bersenbrück. Die Overberg-Stiftung Voltlage hat nun den ersten Kirchenführer herausgegeben und weist darin auf die Einzigartigkeit der Kirche hin.

Schon beim ersten Blättern wird klar: Die 38 Seiten eröffnen neue und viele ungewohnte Einblicke und sind viel mehr als eine bloße Aufzählung von Fakten. Der Verfasser des Kirchenführers hätte es sich ja ganz einfach machen können: Zahlen und Daten zur Baugeschichte sind schnell zusammengetragen, das umfangreiche Archiv der St.-Katharinengemeinde gibt Auskunft. Dazu einige Fotos aus dem Inneren der Kirche – fertig ist das Büchlein.

Doch mit einem solchen Ergebnis hat die Overberg-Stiftung als Auftraggeber und Initiator dieses Werkes ganz sicher nicht gerechnet. Denn schließlich hatte sie Norbert Grasbon damit beauftragt, die Geschichte der 1752 erbauten Kirche zusammenzufassen. Wohl niemand sonst in Voltlage kennt das Gotteshaus besser als er. Grasbon weiß um die Geschichten hinter der Geschichte, kennt Einzelheiten, die sich hier zugetragen haben dank seiner intensiven Recherche im Pfarrarchiv.

Als profunder Kenner vermittelt er dem Leser in gewohnter Weise wissenswerte Informationen zur Architektur, aber eben auch darüber, wie Menschen zur Zeit des Kirchenbaus dachten und ihren Glauben lebten. Und er wagt den Versuch zu erklären, was die Künstler mit der Gestaltung eigentlich sagen wollten.

Wie viele Stunden er an seinen Texten gefeilt und wie oft er in der Kirche fotografiert hat, weiß nur Norbert Grasbon allein. Wer ihn kennt, weiß, dass er mit Akribie um jeden Satz ringt, ehe er ihn zu Papier bringt. Und wenn er etwas niedergeschrieben hat, überdenkt er es ein weiteres Mal. Ist die gewählte Formulierung aussagekräftig genug? Bringt sie die Information auf den Punkt? Schließlich hätten Raum und Bilder ihre eigene Sprache wie die Sprache von damals eigene Bilder habe, schreibt der Verfasser in seinem Vorwort: „Vieles bedarf für uns Heutige der Deutung, wenn es uns ansprechen soll.“

Als das Werk vollendet ist und das Büchlein am Ende eines Gottesdienstes vorgestellt wird, verrät Norbert Grasbon, wie vor Jahren alles begann. Er, der nach dem Gottesdienst länger in der Kirche sitzen bleibt, damit das Orgelspiel des Organisten noch Zuhörer hat, hat sich „immer mit großer Neugier in der Kirche umgesehen“. Die früheren Ordensschwestern Ehrengardis und Franziska ermöglichen ihm eines Tages den Blick in das Pfarrarchiv.

„Angesichts der Fülle an Dokumenten fühlte ich mich verraten und verkauft“, erinnert sich Grasbon. Doch er nimmt die Herausforderung an, liest sich durch Chroniken, Urkunden und Schriften, übersetzt sie vom Lateinischen ins Deutsche. So findet er in der 1752 abgefassten Schrift mit dem Titel „Neues Buch über die neue Kirche“ die Liste der Namen und Förderer, die für den Kirchbau Mitte des 18. Jahrhunderts gespendet haben.

Als die Kirche Anfang der 2000er-Jahre umfassend renoviert und umgestaltet wird, ist Norbert Grasbon wieder ein aufmerksamer Beobachter. Zusammen mit dem früheren Küster Theo Richter nutzt er die Chance, mehr über den Vorgängerbau herauszufinden. Als die Wände vom Putz befreit und der Fußboden aufgerissen werden, dokumentiert er die Mauerreste der aus dem 13. Jahrhundert stammenden ersten Kirche. Sieben Meter breit war die Vorgängerkirche, halb so groß wie die heutige. Und als der mächtige Hochaltar eingerüstet ist, nutzt er die Gelegenheit, mit Maria auf Augenhöhe zu kommen. Wer die Holzstatue, die den Altar in elf Meter bekrönt, einst geschnitzt hat, ist nicht überliefert. Wohl aber fallen Grasbon ihre zum Gebet gefalteten, recht übergroßen Hände auf. Ob der Bildhauer Maria seine Hände geliehen hat? Die Frage bleibt unbeantwortet.

Geklärt ist dagegen die Herkunft des Kreuzweges. 1872 hat Franziska Börger, die Haushälterin von Pfarrer Husmann, ihn der Kirchengemeinde gespendet. Die Ansichten sind verkleinerte Kopien des Kreuzweges in der Nepomukkirche in Wien.

Für Maria Knuf, die Vorsitzende der Overberg-Stiftung, ist das Werk „mehr als ein herkömmlicher Kirchenführer“. Es dokumentiere, dass die Kirche mehr sei als ein Gebäude mit einer Inneneinrichtung. Norbert Grasbon habe in seiner „eigenen und unnachahmlichen Art“ die Geschichte der Kirche um viele Anmerkungen ergänzt. Dafür danke die Stiftung dem Verfasser: „Dieses kleine Büchlein ist ein großes Werk.“


Der Kirchenführer St. Katharina ist in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschienen und dank der Spende eines Sponsors zum Preis von zwei Euro bei der Kirchengemeinde St. Katharina, Overbergstraße 4, erhältlich.