224 Seiten stark KHBB gibt Buch über Ehrenmale im Bersenbrücker Land heraus

Von Christian Geers


Altkreis Bersenbrück. Noch im November stellt der Kreisheimatbund Bersenbrück (KHBB) eine neue Veröffentlichung vor: 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges haben Heinrich Böning und Winfried Meyer eine Übersicht über alle Ehrenmale und Gedächtnisstätten zusammengetragen. Zwei Jahre Arbeit investierten die beiden Vorstandsmitglieder in das Buch. Es trägt den Titel „Sie mahnen zum Frieden – Ehrenmale und Gedächtnisstätten im Bersenbrücker Land“.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Franz Buitmann, Vorsitzender des Kreisheimatbundes Bersenbrück (KHBB), als er mit seinen Vorstandskollegen das Buch vorstellt. Die Frage beantwortet er gleich selbst: 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges sei der Zeitpunkt richtig gewählt. Das Buch dokumentiere die Ehrenmale für die Kriege 1870/71, 1914 bis 1918 und von 1939 bis 1945 und erinnere an die schrecklichen Folgen militärischer Auseinandersetzungen, die Millionen von Toten forderten. „Es ist auch wichtig, gerade jungen Menschen zu verdeutlichen, wie wichtig Frieden ist“, so Buitmann. Nicht zuletzt seien Pflege und Erhalt der Denkmäler Aufgabe der kommenden Generationen.

Buch wird gedruckt

Der KHBB ist mit dem Werk, das derzeit im Druck ist, sehr zufrieden. Und auch ein bisschen stolz, wie Buitmann erwähnt. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge habe dem Heimatbund attestiert, mit dieser Zusammenfassung „beispielgebend für andere Regionen zu sein“. Bisher gebe es in Deutschland noch keinen Landkreis, der alle Ehrenmale der Kriege in einer Dokumentation zusammengefasst und beschrieben habe.

Hinter den beiden Autoren des Buches, Winfried Meyer und Heinrich Böning, liegen zwei Jahre intensiver Arbeit. Sie haben Dokumente und Fotos zu den Ehrenmalen zusammengetragen, aus Archiven und Aufzeichnungen wissenswerte Informationen zusammengetragen. Herausgekommen ist ein 224-Seiten-Buch mit 133 Gedenkstätten, Tafeln, Kapellen, Ehrenfriedhöfen und öffentlichen wie privaten Erinnerungsstätten aus 41 Orten. Darunter befinden sich 60 Ehrenmale und elf Gefallenenfriedhöfe. Das Buch enthält 330 Abbildungen, also Fotos, alte Postkartenansichten Zeitungsausschnitte und Broschüren.

Ausdrücklich erwähnt Heinrich Böning auch die Mitarbeit der Heimatvereine und der Gemeinden im Altkreis Bersenbrück. Die beantworteten zunächst einen standardisierten Fragenkatalog, stellten Unterlagen und Bilder zur Verfügung. „Ohne sie wäre das Buch nicht entstanden“, berichtet er.

2900 Fotos und digital erfasste Dokumente lagen schließlich vor. Diese unerwartet große Zahl der Dokumente ordneten die beiden Verfasser, produzierten erklärende Texte zu den Gedenkstätten. Doch es ging ihnen, wie wohl jedem Autor heimatkundlicher Schriften. „Wenn man glaubt, dass man fertig ist, dann fängt die Arbeit erst an“, schmunzelt Böning. Ein Augenmerk legten die beiden KHBB-Vorstandsmitglieder auf kurze und knappe Texte, „wir wollten die Bilder und Dokument sprechen lassen“, erläutert Heinrich Böning. Für den Quakenbrücker, der das Stadtmuseum maßgeblich mit aufgebaut hat, ist das vorliegende Buch nicht das erste. „Wohl aber das Buch, das mir bisher am meisten Arbeit bereitet hat.“

Viel Arbeit lag auch vor Winfried Meyer, der 2013 eine „Zweitagesreise durch den Altkreis Bersenbrück“ unternahm. 680 Kilometer legte er mit dem Auto zwischen Quakenbrück und Evinghausen, zwischen Hollenstede und Gehrde zurück, um alle Ehrenmale ins Bild zu setzen. 2600 Fotos machte er mit seiner Kamera, entdeckte dabei „vieles im Verborgenen“ und spürte „den Geist beim Bau der Denkmäler auf“.

Da sind zum Beispiel die Ehrenmale, die an den Deutsch-Französichen Krieg von 1870/71 erinnern, Siegessäulen mit Adler oder Germania bekrönt und deren Inschriften aus heutiger Sicht ziemlich befremdlich wirken. „Den kommenden Geschlechtern zur Nachahmung“ heißt es in Bippen. In Badbergen wählten die Erbauer dagegen den Spruch „Seinen Kriegern des siegreichen Feldzuges“.

An den Denkmälern ist der Wandel im Denken nachzuvollziehen: Als Helden, die für Volk und Vaterland gefallen sind, werden die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs gefeiert. Entsprechend sind die Inschriften gestaltet, galt doch damals die Ansicht vieler Zeitgenossen, in einem gerechten Krieg und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Ganz anders dagegen sehen die Gedächtnisstätten für die Opfer des Zweiten Weltkrieges aus. „Da hat sich die Gestaltung schon verändert“, erklärt Böning. Die schrecklichen Folgen dieses Krieges hätten sprachlos gemacht. „Gedenken, mahnen, hoffen“ seien sehr häufig benutzte Begriffe. In der Stadt Quakenbrück sei bei der Gestaltung des Ehrenhains um eine Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges ein mächtiger Stein mit der Aufschrift „Sie starben für uns“ durch eine Platte mit der Aufschrift „Ihr Opfer mahnt zum Frieden“ ersetzt worden.

Der Kreisheimatbund Bersenbrück ist überzeugt, mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag für die Regionalgeschichte und deren Dokumentation geleistet zu haben. Enthalten sind in der Schrift auch diejenigen Denkmäler, die im Verlauf der Jahre nicht nur umgesetzt oder umgestaltet wurden, sondern auch diejenigen, die ganz aus dem Ortsbild verschwanden.

Vor allem aber möchte der KHBB mit dem neuen Buch Schulen anregen, sich intensiver mit der Geschichte der Ehrenmale zu beschäftigen. Letztlich ermöglichten sie, sich mit einem wichtigen Abschnitt der Orts- und Regionalgeschichte auseinanderzusetzen. „Diese Zeit ist ja sonst weit weg“, so Franz
Buitmann. Das könne sich ändern, wenn man sich mit den Menschen beschäftige, deren Namen in Marmor und Sandstein eingemeißelt oder deren Porträts in gerahmten Gedenktafeln bis heute erhalten geblieben sind.

„Sie mahnen zum Frieden – Ehrenmale und Gedenkstätten im Bersenbrücker Land“, Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Bersenbrück, Nr. 35–2014, ISBN 978-3-941611-06-1, 224 Seiten.