Sie betreuen und pflegen Senioren Indische Ordensschwestern im Voltlager Pfarrhaus

Von Ulrike Havermeyer


Voltlage/Neuenkirchen. Unbekannte Gesichter. Eine fremde Kultur. Bodenfrost statt Monsunregen. Fast 8000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem alten Pfarrhaus in Voltlage und dem Bundesstaat Kerala im Südwesten von Indien – der Heimat von Schwester Jeesa, Schwester Sneha und Schwester Mariet. Die drei Ordensfrauen unterstützen seit einiger Zeit im Auftrag ihrer Glaubensgemeinschaft, des „Ordens des Heiligen Josef“, das Team des Seniorenpflegeheims St.-Elisabeth-Stift in Neuenkirchen bei der Pflege und der Betreuung der Senioren.

Die Wohnzimmerwand haben sie mit einem Foto von Papst Franziskus geschmückt. Gleich daneben blickt auch Bischof Franz-Josef Bode zuversichtlich aus seinem Bilderrahmen auf die häusliche Szene. Schwester Sneha serviert frisch gebackenen Apfelkuchen. Schwester Mariet kümmert sich um ausreichend Mineralwasser und Obstsaft. Und Schwester Jeesa füllt die Tassen der Besucher mit dampfendem Tee. Gastfreundschaft pur. Gesten voller Herzlichkeit. Als Pfarrer Stephan Höne und Berthold Eich, Geschäftsführer der St. Michael-Pflege GmbH, versorgt sind, setzen sich auch die neuen Bewohnerinnen des alten Voltlager Pfarrhauses an die gedeckte Tafel. Bescheiden. Zurückhaltend. Aufmerksam.

Ein weiter Weg

8000 Kilometer weit weg von zu Hause? „Ja, ein weiter Weg“, bestätigen sie und lächeln. Als Ordensfrauen haben sie ihr Leben in den Dienst am Nächsten gestellt – und wussten, was auf sie zukommt. „Wir wollen in unserem Leben helfen“, sagt Schwester Jeesa, „so viel und so gut wie möglich.“ Ihre Kolleginnen nicken bekräftigend. Und in Berthold Eichs Blick liegt neben Freude auch ein wenig Stolz: „Wir vom St.- Elisabeth-Stift sind sehr froh, dass wir diese Hilfe in Anspruch nehmen dürfen“, betont er. „Schwester Jeesa, Schwester Sneha und Schwester Mariet sind eine absolute Bereicherung für unser Haus.“

Während Schwester Jeesa und Schwester Sneha, beide ausgebildete Krankenschwestern, bereits seit zwei Jahren in der Neuenkirchener Einrichtung tätig sind, ist Schwester Mariet erst in diesem August in die kleine Ordensgemeinschaft nach Voltlage gekommen. Die 33-Jährige absolviert derzeit eine Ausbildung zur Pflegeassistentin und besucht die Berufsbildenden Schulen des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück. „Das Schwierigste für mich ist im Moment noch die Sprache“, erklärt sie. Was ihr dabei hilft, die vielen neuen Eindrücke und Anforderungen zu bewältigen? „Die Menschen sind sehr nett – die Nachbarn, die Mitschüler, die Arbeitskollegen – einfach alle“, sagt sie. „Wir bekommen viel Unterstützung. Das ist sehr schön.“

Was war der Grund, sich für ein Leben im Diens t der Kirche zu entscheiden? „Meine Familie ist sehr christlich geprägt“, berichtet Schwester Jeesa. Neben weiteren Ordensschwestern gibt es in ihrer Verwandtschaft auch mehrere Priester. „Auch mein Bruder ist Priester“, sagt sie. In ihrer Heimat Kerala leben über sechs Millionen Christen – mehr als in jedem anderen indischen Bundesstaat. 56 Prozent der Keralesen sind Hindus, und rund 25 Prozent gehören dem Islam an.

Berthold Eich nimmt einen letzten Schluck aus seiner Tasse. „Seit in den Achtzigerjahren die Thuiner Schwestern aus Neuenkirchen abgezogen worden sind“, erläutert er, „haben wir nun endlich wieder Ordensschwestern bei uns.“ Das stärke das katholische Profil des Hauses, so der Geschäftsführer. „Wenn Schwester Jeesa, Schwester Sneha und Schwester Mariet unsere Senioren versorgen, wird ihre christliche Haltung deutlich sichtbar“, beschreibt Eich. „Helfen, pflegen, versorgen – das ist wie in der Urkirche.“


Der Orden des Heiligen Josef ist 1953 von Pfarrer Cyriac Kottayarikil im südwestindischen Bundesstatt Kerala gegründet worden. Ihm gehören derzeit etwa 130 Schwestern an, deren Hauptaufgaben in der pastoralen Mitarbeit, der Altenpflege und der Kinderbetreuung liegen. Mit der Entsendung von Schwester Jeesa und Schwester Sneha nach Voltlage hat der Orden des Heiligen Josef 2012 seine erste Niederlassung in Deutschland gefunden. Davor waren die beiden Josephinen-Schwestern acht Jahre lang für ihre Glaubensgemeinschaft in Wien tätig. Seit August 2014 lebt auch Schwester Mariet aus Kerala im Pfarrhaus in Voltlage.ugh