Thema der Woche Keine Nachwuchssorgen bei Jägern im Altkreis Bersenbrück

Von Nicole Weymann


Merzen/Altkreis Bersenbrück. Seit April 2011 ist Martin Meyer Lührmann Jägermeister der Jägerschaft Bersenbrück. Damit ist der Merzener zuständig für die Belange von fast 1700 Jägern zwischen Merzen und Engter. Was er zu tun hat, erläutert er im Interview mit unserer Redaktion. Das Gespräch im Wortlaut:

Herr Meyer Lührmann, wer mit dem Thema Jagd weniger vertraut ist, denkt bei „Jägermeister“ an eine Flasche mit Hirschaufdruck. Was sind die Aufgaben eines Jägermeisters?

Ein Jägermeister ist praktisch der verlängerte Arm der Jagdbehörde. Ich bin zum Beispiel dafür zuständig, in unseren Revieren Abschusszahlen zu erheben und Abschusspläne zu beurteilen, weil ich vor Ort bin und so die Wildbestandssituation besser einschätzen kann. Daher bin ich auch Ansprechpartner des Landkreises für alle Themen rund um die Jagd.

Eine Gesellschaftsjagd war früher ein prestigeträchtiges Großereignis: Diplomatenjagden und die dazugehörige Berichterstattung sind deutlich weniger geworden. Ist dieser Popularitätsverlust ein Problem?

Ich empfinde es eher als Last, die von uns Jägern genommen wurde. Die Jägerschaft hat die Aufgabe, einen gesunden und seinem Lebensraum angepassten Wildbestand zu erhalten. Showveranstaltungen haben wenig damit zu tun.

Wie oft gehen Sie jagen?

Ich selbst bin alleine schon wegen meines Amtes als Jägermeister fast täglich in Jagdbelangen unterwegs. Das betrifft aber alle möglichen Aktionen rund um die Jagd: Die Jägerschaft betreut und begleitet etliche Naturschutzprojekte, bei denen wir Hand anlegen, ich habe immer wieder alle möglichen Gesprächstermine, und auch Aufgaben wie die Fallenbejagung von Prädatoren und Neozoen gehören zum Arbeitsalltag. Direkt auf die Jagd gehe ich rund 20-mal im Jahr.

Was sind denn Prädatoren und Neozoen?

Neozoen sind eingewanderte Tiere, die in unserem heimischen Ökosystem oft für Probleme sorgen. Vor allem Bisamratten und Nutrias, die mit ihren Bauten Dämme durchlöchern, richten große Schäden an. Prädatoren sind Raubtiere, vor allem Fuchs und Marder, die viele Bodenbrüter wie Fasan, Schnepfe oder Rebhuhn erbeuten.

Wie wirken sich die Veränderungen in der Landwirtschaft auf die Jäger aus?

Die Ackerschläge sind erheblich größer geworden, darum hat das Wild weniger Deckung, weil Hecken fehlen. Auch die Maschinen werden immer größer und immer mehr Tiere, Rehkitze, Hasen, Bodenbrüter, können nicht schnell genug vor ihnen fliehen. Der Mais hingegen wäre eigentlich, wenn seine Anbaufläche sich nicht stetig ausweiten würde, kein Problem. Die Mischung macht’s. Die Lebensräume werden weniger abwechslungsreich, das führt zu einer Artenverarmung – meiner Ansicht nach eine Fehlentwicklung. Es wird viel Zeit und Geld in Naturschutzgebiete investiert. Solche punktuellen Ansätze sind gut und schön, aber wir müssen im Naturschutz auch großflächig arbeiten. Und dazu müssen wir die Landwirte mit ins Boot holen, damit auch unsere Kinder Rebhahn und Brachvogel noch hören können.

Wo es Verlierer gibt, gibt es oft auch Gewinner. Profitieren denn auch Arten von den Veränderungen?

Die Verlierer sind Tiere, die ortsgebunden sind: Hasen, Fasane oder Rebhuhn. Gewinner sind zum Beispiel flexible Arten wie Wildschweine, die die Maisäcker für sich entdeckt haben. Extrem ansteigende Bestände haben wir beim Damwild. Im Jahr 2000 hatten wir in der Jägerschaft Bersenbrück 100 Damwildabschüsse, im vergangenen Jahr waren es 260.

Immer mehr Frauen entdecken die Jagd für sich. Ist das auch hier so, und was halten Sie davon?

In der Jägerschaft Bersenbrück sind 20 Prozent der Jungjäger Frauen, und ich finde das toll. Warum sollten Frauen nicht auf die Jagd gehen? Außerdem ist mir aufgefallen, dass mit zunehmendem Frauenanteil die Manieren der anderen Jäger sich deutlich verbessern. Der Tonfall beim gesellschaftlichen Teil der Jagd kann sonst schon mal sehr ruppig sein. Wenn Frauen dabei sind, ist der Umgang freundlicher.

Viele Vereine und Verbände haben Nachwuchssorgen. Wie sieht es bei den Jägern aus?

Nein, bislang zum Glück nicht. Die Jäger sind im Bersenbrücker Land in der Gesellschaft fest verwurzelt, da kommt der Nachwuchs von selbst. Viele Jäger jagen vor Ort in ihren Revieren.

Die Rückkehr des Wolfes sorgt immer wieder für Schlagzeilen. In Merzen wurde im vergangenen Jahr einer gesichtet. Wie sehen Sie die Situation?

Zunächst mal sind wir hier nur Streifgebiet des Wolfes, auch weil die Besiedlungsdichte hier wesentlich höher ist als zum Beispiel in der Lüneburger Heide. So stellt er eher eine Bereicherung dar. Sollte er sich hier dauerhaft ansiedeln, wird es wahrscheinlich früher oder später Probleme mit den Nutztierhaltern geben.