Öffentlichkeitsarbeit wichtig Jägerschaft Bersenbrück mit Infomobil unterwegs

Von Nicole Weymann


Altkreis Bersenbrück. Sicher, durch Öffentlichkeitsarbeit wollen Institutionen positiv auf sich aufmerksam machen. Aber auch die Jägerschaft hat mehr zu sagen, als: „Kommt zu uns, hier dürft ihr schießen.“

Für die meisten Interessierten am schnellsten zugänglich ist mittlerweile das Internet. Je nachdem, was man sucht, bieten die Seiten des Deutschen Jagdverbandes, der Landesjägerschaft Niedersachsen oder der Jägerschaft Bersenbrück Zahlen, Daten, Links und Fakten auf Bundes-, Landes- oder lokaler Ebene: Tiersteckbriefe, Informationen über Krankheiten wie die Hasenpest oder einfach die Liste der Hegeringe, ihrer Leiter und deren Kontaktdaten.

In den traditionellen Werbemedien wie Prospekten und Broschüren, die einzelne Themen aufgreifen und beleuchten, gibt es Informationen zur Jägerprüfung, Tierbeständen, Wildunfällen, der Verbreitung verschiedener Tierarten und sogar eine kleine Bestimmungshilfe für Spuren und Fährten.

Das Hauptaugenmerk der Jäger liegt allerdings auf der Vermittlung von Wissen um Tiere und ihre Lebensräume an Kinder, zum Beispiel mit „Lernort Natur“, einem seit über 20 Jahren etablierten außerschulischen Umweltbildungsprogramm des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV). Das Angebot beginnt bei Revierbegehungen zu allen Jahreszeiten, geht über Müllsammelaktionen, Wald- und Wiesenrallyes mit Aufgaben, ähnlich einer Schnitzeljagd, bis zur Gestaltung von Projekttagen mit Nistkastenbau oder angewandter Wild- und Kräuterküche.

Das mobile Aushängeschild für die Öffentlichkeitsarbeit der Bersenbrücker Jägerschaft ist das „Infomobil“.

In diesem Anhänger, der auf Anfrage Anschauungsmaterial für Schulklassen, Kindergärten und Ferienspaßaktionen rund um den Wald bietet, sind Präparate und Felle von einheimischen Tieren ausgestellt. Zum Teil sogar einige „Neubürger“ wie der mit dem Stachelschwein verwandte Nutria, der ursprünglich aus Südamerika kommt, der mit Kaninchenformat deutlich kleinere Bisam, dessen Heimat Nordamerika ist, oder der ebenfalls aus Nordamerika stammende Waschbär. „Der sieht aus, als hätte der eine Maske auf“, findet Leon.

Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, Wildschweinfell zu streicheln und es mit dem von einem Steinmarder oder Damwild zu vergleichen? Einige der Präparate tragen Zahlen, auf denen man ein Tierquiz aufbauen kann – Anschauungsunterricht, der die Tiere „begreifbar“ macht, im Gegensatz zu Zahlen und Bildern in einem Buch.

Mit dem Wagen lernen nicht nur Kinder mehr über die einheimische Tierwelt, auch für die Ausbildung von Jungjägern ist er nützlich. Und das Interesse an der Jagd ist groß in Niedersachsen: mit einem Jäger auf rund 130 Bürgern (Stand 2010) hat unser Bundesland die größte Jägerdichte aller Länder, rund 60000 insgesamt (Stand 2012).

Dabei ist es gar nicht so einfach, an einen Jagdschein zu kommen. Das Mindestalter beträgt 18, mit Einschränkungen im Ausnahmefall 16 Jahre. Ein Jäger muss eine Jagdhaftpflichtversicherung haben, die mindestens so lange gültig ist wie der Jagdschein, sowie ein einwandfreies Führungszeugnis, womit unter anderem die persönliche Zuverlässigkeit nachgewiesen wird. Die für die meisten wohl größte Hürde ist die Jägerprüfung, die aus drei Teilen besteht und nicht zu Unrecht auch „grünes Abitur“ genannt wird.

Die Schießprüfung findet auf Wildscheiben statt und ist je nach Bundesland sehr unterschiedlich geregelt. Dabei muss ein Prüfling aber in jedem Fall sowohl mit der Büchse als auch mit einer Flinte schießen – und treffen. Eine nicht bestandene Disziplin darf sofort einmal wiederholt werden, beim zweiten Durchfallen ist die komplette Prüfung nicht bestanden.

Die praktische Prüfung ist meistens ein Reviergang, bei dem der Jägerkandidat gestellte Situationen beurteilen und Fragen beantworten muss.

Die schriftliche Prüfung, die sowohl aus Multiple-Choice-Fragen zum Ankreuzen als auch aus Aufgaben besteht, bei denen der Prüfling seine Antworten frei formulieren muss, enthält Fragen aus fünf verschiedenen Fachgebieten, angefangen beim Jagdrecht und den Tieren, die darunterfallen beziehungsweise davon ausgenommen sind über Jagdgerät, Naturschutz, Jagdhundewesen, Brauchtum und den Umfang mit erlegtem Wild bis zu Wildkrankheiten. Alleine der Multiple-Choice-Fragenkatalog enthält stattliche 2607 mögliche Fragen.

Beispiele gefällig? Ein Jäger muss wissen, was ein Fuchshaken ist (die Eckzähne im Ober und Unterkiefer eines Fuchses), wie lange ein Waffenschein maximal gilt (drei Jahre), wann das Jagdjahr beginnt und endet (1. April und 31. März), wo Fasane bevorzugt übernachten (auf Bäumen in Dickungen), in welcher Tonart das Fürst-Pless-Horn gestimmt ist (B) oder auch in welchem Monat der Winterraps blüht (Mai).

Wer also einen Jagdschein hat, hat nicht nur Freude an der Jagd, sondern auch viel Zeit und Engagement in die dazugehörige Ausbildung investiert.