„Nicht sehr groß, aber sehr gut“ Landkreis will Oberschule in Neuenkirchen erhalten

Von Ulrike Havermeyer

Hübsch, bequem – aber trotzdem überwiegend leer: Nur eine Handvoll Eltern nahm auf den Stühlen in der Grundschule Neuenkirchen Platz, um sich über die Auswirkungen einer möglichen Integrierten Gesamtschule in Bramsche zu informieren. Foto: Ulrike HavermeyerHübsch, bequem – aber trotzdem überwiegend leer: Nur eine Handvoll Eltern nahm auf den Stühlen in der Grundschule Neuenkirchen Platz, um sich über die Auswirkungen einer möglichen Integrierten Gesamtschule in Bramsche zu informieren. Foto: Ulrike Havermeyer

Neuenkirchen. Die Elternbefragung zur Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Bramsche geht auf die Zielgerade. Am heutigen Freitag ist die letzte Gelegenheit für die Grundschuleltern des nördlichen Landkreises, mit ihren ausgefüllten Fragebögen ein eindeutiges Votum „Pro“ oder „Contra“ IGS Bramsche abzugeben.

Beim Informationsabend des Landkreises in der Grundschule Neuenkirchen stand vor allem die Frage im Raum, was aus der ortsansässigen Oberschule wird, wenn die Schullandschaft sich nach Bramsche hin um eine IGS und möglicherweise auch noch um eine zusätzliche Oberschule erweitert.

„Ich habe da ein sehr gutes Gefühl“, sagte Kreisrat Matthias Selle. Und: „Die Oberschule in Neuenkirchen liegt uns sehr am Herzen.“ Und: „Die Oberschule in Neuenkirchen ist nicht sehr groß, aber sehr gut. Wir würden seitens des Landkreises alles dafür tun, um diesen Standort zu erhalten.“

Starke Worte. Doch wie es weitergehen wird mit der Entwicklung der Schulen im Osnabrücker Land – das weiß derzeit niemand. Weder Politiker noch Verwaltung, und erst recht nicht die unmittelbar Betroffenen: die Eltern und ihre Kinder.

Einige Faktoren sind jedoch bekannt. Erstens: Die Schülerzahlen in den nächsten zehn Jahren werden laut Statistik um ein Drittel absinken. Zweitens: Der Kreis möchte die Bandbreite der Schulformen möglichst in der ganzen Region erhalten. Drittens: Die Eltern im Landkreis wünschen sich laut einer Umfrage aus dem Jahr 2013 mehr Gesamtschulen. Viertens: Die Landesregierung hat ihre eigenen Vorstellungen zum Thema „ergänzende“ und „ersetzende“ Schulformen.

Unter der Handvoll Eltern, die sich über die Auswirkungen einer angedachten IGS in Bramsche informierten, herrschte – wenn auch nicht Besorgnis, so doch spürbare Unruhe. Das Bildungssystem ist nicht nur komplex bis zur Unübersichtlichkeit, sondern derzeit auch – je nach Sichtweise – angenehm oder bedenklich in Bewegung. Falls die IGS Bramsche kommt – wie würde sich das beispielsweise auf die Wahlfreiheit auswirken? „Vorerst werden wir keine Schulbezirke einrichten“, stellte Matthias Selle klar. „Wir wollen jedem Kind ermöglichen, auf die Schule zu gehen, auf die es gehen möchte. Voraussichtlich können Sie Ihr Kind anmelden, wo Sie wollen.“ Vorerst. Voraussichtlich. Nicht unbedingt das Vokabular, das verunsicherten Eltern Vertrauen in die Zukunft der regionalen Schulentwicklung einflößt.

„Nicht alles, was sich die Eltern und die Kommunen wünschen, wird möglich sein“, räumte denn auch Sabine Brölhorst ein, Mitarbeiterin des Fachdienstes Bildung, Kultur und Sport beim Landkreis Osnabrück: „Unser Ziel ist es aber, es so gut hinzubekommen wie möglich.“ „Ich halte diese Entwicklung für äußerst kritisch – besonders für uns in Neuenkirchen“, warf Kreistagsabgeordneter Bernward Abing ein. „Wenn unsere Oberschule konkurrenzfähig bleiben soll, dann brauchen wir vor allem eines: Schüler.“

Ob genug Eltern diese wertvolle „Ressource“ künftig nach Bramsche schicken wollen und ein Antrag zur Einrichtung einer IGS gestellt werden kann, damit setzt sich der Kreistag auf seiner nächsten Sitzung am Montag, 20. Oktober, auseinander.