„Politik braucht Frauen!“ Nordkreis-Gleichstellungsbeauftragte stellen Projekt vor

Von Ulrike Havermeyer

Verkehrte Politikwelt – Gruppenbild ohne Herren: Die Gleichstellungsbeauftragten des nördlichen Landkreises werben gemeinsam mit Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay (Zweite von links) dafür, dass der Anteil der Frauen in der Kommunalpolitik wächst. Foto: Ulrike HavermeyerVerkehrte Politikwelt – Gruppenbild ohne Herren: Die Gleichstellungsbeauftragten des nördlichen Landkreises werben gemeinsam mit Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay (Zweite von links) dafür, dass der Anteil der Frauen in der Kommunalpolitik wächst. Foto: Ulrike Havermeyer

Neuenkirchen. Der Anteil der Frauen in den Räten der Städte und Gemeinden soll größer werden. Das ist das Ziel des Mentoren-Projektes „Politik braucht Frauen!“, das die Gleichstellungsbeauftragten des Nordkreises in Neuenkirchen vorgestellt haben.

Zu Hause erledigen sie den Job wie selbstverständlich – aber im öffentlichen Leben tun sie sich noch immer erschreckend schwer damit: Frauen organisieren den Alltag, kümmern sich um die Erziehung und Bildung der Kinder, managen den Haushalt, pflegen kranke und alte Familienmitglieder – und viele von ihnen gehen „ganz nebenbei“ auch noch einem Beruf nach. Aber wo bleibt der weibliche Einfluss, wenn es um die Entscheidungen in der politischen Gemeinde geht? Um Arbeits- und Betreuungsplätze? Um die Ansiedelung von Gewerbe und Wohnbebauung?

Dass bei dem, was die meisten Frauen heute ohnehin schon leisten, kaum noch Zeit und Kraft bleibt, sich vor Ort für eine Verbesserung der – häufig von männlichen Entscheidungen geprägten – Strukturen in der eigenen Kommune zu engagieren, ist verständlich. Doch nur, wenn mehr Frauen in die Politik gehen, kann sich an ihrer oft überstrapazierten Situation etwas in die richtige Richtung verändern. Das meinen zumindest die Gleichstellungsbeauftragten des nördlichen Landkreises. Das Mentoren-Projekt „Politik braucht Frauen!“, das vom Land Niedersachsen entwickelt worden ist, soll dafür sorgen, dass sich nach der Kommunalwahl 2016 der maskulin verengte Blickwinkel aus den Rathäusern um die weibliche Perspektive erweitert.

„Wer soll denn unsere Interessen glaubhaft und mit der entsprechenden Vehemenz vertreten?“, fragt Gleichstellungsbeauftragte Sabine Lindwehr (Samtgemeinde Artland), „wenn nicht wir Frauen selbst?“ Und nicht nur ihre Kolleginnen aus den umliegenden Gemeinden nicken dazu energisch, sondern auch Hildegard Schwertmann-Nicolay, die das Anliegen ihrer Gäste im Neuenkirchener Rathaus lebhaft unterstützt. Als Samtgemeindebürgermeisterin ist sie eine der Frauen, die bereits jetzt mit entscheiden und das kommunale Leben mit gestalten und mit prägen.

„Auch, wenn es oft heißt, der ländliche Raum sei eher konservativ“, berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen, „bin ich während meiner Amtszeit auf überhaupt noch keine Vorbehalte gestoßen.“

Ganz im Gegenteil: Auch was die Forderung nach mehr Frauen in der Politik angehe, herrsche in den Kommunen große Offenheit, schätzt Schwertmann-Nicolay die Lage ein. „Nichtsdestotrotz ist es eine Tatsache, dass wir Frauen in der Politik im ländlichen Raum unterrepräsentiert sind.“

Wer sich angesprochen fühlt, das zu ändern, wer neugierig geworden ist – oder wer zunächst einfach mehr über das Projekt „Politik braucht Frauen!“ erfahren möchte, kann sich an seine zuständige Gleichstellungsbeauftragte wenden. „Wenn Frauen etwas Neues anfangen, dann wollen sie immer gut vorbereitet sein“, unterstreicht Ruth Große-Brauckmann (Stadt Bramsche). „Darum ist das Mentoren-Programm ein idealer Einstieg in die politische Arbeit.“ Den Auftakt ins Thema macht eine allgemeine Informationsveranstaltung am Montag, 10. November, um 19 Uhr im Kreishaus am Schölerberg in Osnabrück. Dort wird die neue Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Monika Schulte, ihren Mitstreiterinnen das Projekt und die Möglichkeiten für Frauen, am politischen Prozess teilzuhaben, ausführlich erläutern.

„Jede Frau, die sich für Politik interessiert, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen“, betont Barbara Reuter (Samtgemeinde Fürstenau). Die Zugehörigkeit zu einer Partei sei nicht erforderlich, ergänzt Elisabeth Diekmann-Holtkamp (Samtgemeinde Neuenkirchen) . Die Angebote des Mentoren-Programms – Vorträge, Seminare und ein „Praktikum“ bei einem Mentor vor Ort, den die „Menti“ dann in Ausschüsse und Gremien begleitet – sind kostenlos.


Die Gleichstellungsbeauftragten im Nordkreis: Die Kontaktdaten der Gleichstellungsbeauftragten im Nordkreis: Samtgemeinde Artland: Sabine Lindwehr, Telefon 0160/4017537; Samtgemeinde Bersenbrück: Regina Bien, Telefon 05439/ 962154; Samtgemeinde Fürstenau: Barbara Reuter, Telefon 05901/ 932040; Samtgemeinde Neuenkirchen: Elisabeth Diekmann-Holtkamp, Telefon 05465/ 20134; Stadt Bramsche: Ruth Große-Brauckmann, Telefon 05461/ 83197; Gemeinde Wallenhorst: Kornelia Böert, Telefon 05407/ 888820.