Martin Brinkmanns Amtszeit endet Samtgemeinde Neuenkirchen vor Bürgermeisterwechsel

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Neuenkirchen. Acht Jahre lang stand Martin Brinkmann (CDU) als erster hauptamtlicher Bürgermeister an der Spitze der Samtgemeinde Neuenkirchen. Am Mittwoch, 30. April, ist der letzte Arbeitstag des 65-Jährigen. Anders als die Einführung am 2. Mai 2006 fällt der Abschied vom Amt leiser aus.

Eine Feierstunde mit Gästen und Reden als offizieller Schlusspunkt hinter eine kommunalpolitische Karriere hat es bisher nicht gegeben – auf seinen ausdrücklichen Wunsch, wie zu hören ist. Am vergangenen Donnerstag hat sich Martin Brinkmann mit einem Frühstück von den Mitarbeitern der Samtgemeindeverwaltung verabschiedet. Nachmittags gab es im kleinsten Kreis eine Zusammenkunft mit den Bürgermeistern aus Merzen, Neuenkirchen und Voltlage, den CDU-Fraktionschefs aus den Räten, Pfarrer Stephan Höne war dabei sowie engste Mitarbeiter der Verwaltung.

Ein Gespräch mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“ zum Ende seiner Amtszeit als Verwaltungschef lehnte Martin Brinkmann ab. Er bitte um Verständnis, dass er sich zurzeit nicht öffentlich äußern werde – weder zu den gegen ihn laufenden Verfahren wegen der Antragspanne bei der Beantragung von Zuschüssen für den Neuenkirchener Krippenbau, noch zu den acht Jahren als Samtgemeindebürgermeister.

Zu schreiben gäbe es sicher einiges jenseits der Antragspanne, die seit fast drei Jahren die öffentliche Debatte beherrscht und nun eine gesamte Amtszeit zu überlagern droht. In der Mai-Ausgabe von „Samtgemeinde Neuenkirchen aktuell“, dem Mitteilungsblatt der Kommune, ist ein zweiseitiger Artikel mit der Überschrift „Samtgemeindebürgermeister Martin Brinkmann scheidet aus dem Dienst aus – Bilanz seiner Amtszeit“ erschienen. Er zählt viele Themen auf, die unter Brinkmanns Ägide die Samtgemeinde beschäftigt und geprägt haben: Investitionen in Schulen und Feuerwehr, in Bildung, kurzum, in die Infrastruktur einer Samtgemeinde, die um die Bedürfnisse aller Altersschichten weiß. Viele Projekte seien „mit einer schlagkräftigen Mannschaft in der Verwaltung angepackt“ worden in Zeiten, in denen Kommunen in der Nachbarschaft hätten sparen müssen, heißt es in dem Artikel. Und weiter: „Die finanzielle Handlungsfähigkeit der Samtgemeinde blieb trotz aller Investitionen und stetigem Schuldenabbau erhalten.“

Eine Einschätzung, die Voltlages Bürgermeister Bernhard Egbert (CDU) teilt. „Wer sehen will, was in acht Jahren geschaffen worden ist, muss sich nur die drei Orte anschauen“, sagt er. Die Samtgemeinde habe „vieles hinbekommen, trotz der millionenschweren Investitionen steht sie gut da“. Dass sich die Ausstattung der Schulen und Feuerwehren sehen lassen könne, „ist Martin Brinkmanns Verdienst“. Er habe stets Wert darauf gelegt, dass alle drei Gemeinden dort, wo die Samtgemeinde zuständig ist, optimal aufgestellt seien. „Das muss man klipp und klar sagen.“ Brinkmanns Entscheidung gegen eine öffentliche Verabschiedung zum jetzigen Zeitpunkt will Egbert nicht kommentieren. „Das ist zu akzeptieren“, so der Voltlager Bürgermeister.

Neuenkirchens Bürgermeister Christoph Lührmann (CDU) würdigt Martin Brinkmanns Bestreben, „immer das Beste für die Kommunen herauszuholen“. Er habe sich „herausragende Verdienste“ erworben, viele Projekte in Gemeinde und Samtgemeinde „tragen die Handschrift Martin Brinkmanns“. Er habe Ideen und Visionen „zielgerichtet und nicht selten mit viel Geduld umgesetzt“. Laut Lührmann wird die positive Bilanz auch nicht dadurch geschmälert, „dass ein – im Übrigen noch nicht aufgeklärter – Fehler bei der Beantragung eines Zuschusses zahlreiche politische Diskussionen beeinflusst hat“. Brinkmann habe „Spuren hinterlassen“.

Merzens Bürgermeister Gregor Schröder (CDU) verweist auf die guten Verhältnisse in der Samtgemeinde. „Hier ist stets vernünftig mit Geld umgegangen worden“, so seine Einschätzung. Die Gemeinden seien zukunftssicher aufgestellt, stünden finanziell und wirtschaftlich auf solidem Fundament. Schröder: „Daran hat Martin Brinkmann großen Anteil.“ Diesen Weg gelte es nun fortzusetzen.

Und was sagt die Opposition? SPD und Grüne im Samtgemeinderat waren es, die die Antragspanne bei der Kinderkrippe immer wieder zum Thema machten. Der Höhepunkt in der Auseinandersetzung über die bis heute nicht geklärten Verantwortlichkeiten gipfelte im Februar in einer Ankündigung der Grünen: Sie beantragten die Abwahl Martin Brinkmanns als Samtgemeindebürgermeister – wohl wissend, dass die für das Prozedere notwendige Dreiviertelmehrheit im Rat gegen die dominierende CDU-Fraktion nie zustande kommen würde.

„Seine Verdienste um das Wohl der Gemeinde Neuenkirchen und der Samtgemeinde will und kann ihm niemand absprechen“, sagt Daniel Schweer, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Neuenkirchen-Merzen-Voltlage. Er verweist auf Brinkmanns Engagement beim Neubau der Grundschule Neuenkirchen und der Feuerwehrhäuser in Neuenkirchen und Voltlage sowie auf das Modellprojekt „Wohnen mit Zukunft“. Nach Ansicht Schweers lässt sich mit dem Sprichwort „Wo Licht ist, da ist auch Schatten“ die politische Laufbahn des Samtgemeindebürgermeisters beschreiben. Diese Schattenseiten habe er in der letzten Zeit erlebt. Der SPD-Chef bleibt aber dabei, dass der Verwaltungschef „beim Umgang mit der Kinderkrippe und den verloren gegangenen Fördermitteln jedes politische Feingefühl verloren, zu spät informiert, nicht ausreichend informiert und keine eigenen Fehler eingestanden hat“. Kritikfähigkeit sei nie Brinkmanns Stärke gewesen, doch die gehöre zu einem Akteur auf politischer Ebene dazu. Trotz aller Auseinandersetzungen in der Sache wünsche er Brinkmann alles Gute. Schweer hofft, „dass wir alsbald Gelegenheit haben, uns auch offiziell von ihm zu verabschieden“. Diesen Wunsch haben übrigens auch die drei Bürgermeister.

„Brinkmanns Verdienste um die Samtgemeinde, insbesondere die Stärkung der Infrastruktur in den Bereichen der Schulen und Feuerwehren, sind unbestritten“, sagt Grünen-Sprecher Josef Klausing. In den vergangenen zweieinhalb Jahren „hätte jedoch die Ratsarbeit harmonischer sein können“. Klausing kritisiert Brinkmanns „mangelnde Selbstkritik“ und dessen „unangemessenen Führungsstil“. Die Fraktion wünsche ihm „für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit“.


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